Die Lyra und das Gjellestad Schiff

Sternbild Lyra, Herkules und nordliche Krone, Himmelsatlas von Alexander Jamieson, London 1822

Zu den Sternen, die zur Navigation auf hoher See angepeilt werden können, zählt auch das relativ unscheinbare Sternbild der Leier. Verlängert man eine Seite des Parallelo-gramms der Leier bis zur Vega, dem dritt hellsten Stern am Nordhimmel, so beträgt die Linie bis zum Polarstern den 7-fache Abstand Für die Hochseefahrten der Wikinger war diese stellare Navigation unverzichtbar. Sie wird heute noch in nautischen Handbüchern als Hilfe bei Notfällen geschildert.

Navigation mit Stern Wega, Grafik:https://ueberlebenskunst.at/blog

Doch die Leier und ihr Stern Vega hatten auch eine große Bedeutung innerhalb der Mythologie im Norden, wie im Süden. So war die Lyra doch jenes Instrument, das den besten Sänger Orpheus berühmt machte. Dessen Geburtsort lag gemäß den ältesten Überlieferungen im Heiligtum der Aphrodite in Dion, einem Ort nahe der nordgriechisch- en Stadt Pimpleia Dort soll sich nach dem Tod des Orpheus auch eine wundersame Erscheinung zugetragen haben. Die Legende beichtet, dass er nach dem Tod seiner Geliebten Eurydike allen Frauen entsagte. Sie verstarb nach einem Schlangenbiss und als sie danach in den Hades gelangte versuchte Orpheus den Gott der Unterwelt durch sein Lyraspiel zu bewegen, seine Geliebte mit ihm gehen zu lassen. Hades gewährte ihm den Wunsch unter der Auflage, dass er sich beim Aufstieg nicht nach Eurydike umsehen darf. Als Orpheus aber die Schritte seiner Geliebten nicht mehr hörte, verstieß er gegen die Auflage und Eurydike verschwand wieder im Hades. Die Entsagung des Orpheus verärgerte die Anhängerinnen des Dionysos-Pankultes, so sehr, dass sie beschlossen, den Sänger zu ermorden.

Orpheus mit Lyra Mosaik aus Arae Flaviae (Dominikanermuseum Rottweil), Foto Agnete,

Als die Mörderinnen daraufhin in einem Fluss ihre Hände waschen wollten, verweigerte der dies und versiegte. Später soll der Fluss dann bei dem Ort Dion wieder ans Tag- eslicht gekommen und  durch das Heiligtum geflossen sein. Doch bereits der Vater des Orpheus, der Flußgott Oiagros, weist auf die Verbindung des Sängers zum Wasser hin. Wie der Sänger, so ist aber auch sein Instrument göttlicher Herkunft, denn er erhielt es vom Licht- und Heilgott Apollon geschenkt. Selbst Löwen sollen Orpheus zu Füßen gelegen sein, als sein Gesang zum Spiel der Lyra zu hören war. Zum Dank für seine Leistungen wurde dann von Zeus die Lyra als Sternbild an den Himmel versetzt Frühchristliche Kirchenlehrer, wie Eusebius von Caesarea, sahen in dem Sänger einen „poeta theologus“ und damit auch eine Präfiguration von Christus. Seinen Abstieg in die Unterwelt verglichen sie mit der im Neuen Testament beschriebenen Höllenfahrt von Christus nach dessen Kreuzigung. Mit der Lyra und dem Navigationsstern Vega kann aber auch das Schiffsgrab in Nydby in Verbindung gebracht werden.

Johann Gehrts (1855-1921), Wikinger Bestattung, gemeinfrei

Über eine dieser Formen der Bestattung in der Kultur der Wikinger gibt es zahlreiche Überlieferungen, unter denen sich auch die des Arabers Ahmad Ibn Fadlān aus den Jahren 971/972 befinden. Der Reisende schildert in seinen Berichten das Begräbnis eines Schiffsführers der Rus, einem in Osteuropa siedelnden Volkes, das seine Wurzeln in der Kultur der Wikinger hatte. Bei dem Begräbnis wurde der Schiffsführer mit seinem Schiff, den Waren und einer rituell getöteten Sklavin bestattet. Dieses Ritual der Schiffs-bestattung wurde auch in zahlreichen nordischen Liedern und Epen beschrieben. In diesen wird auch ein Begräbnis in Unnr geschildert, wo die Tote nach einem Mahl in ein Schiff gelegt wurde das von einem Hügel bedeckt war. Eines der größten, bislang bekannten Schiffsgräber, entdeckte das Norwegian Institute for Cultural Heritage Research (NIKU) bei einer geophysikaliscen Untersuchung in der Nähe von Oslo. Dieser Fund wurde 2018 unter dem Namen Gjellestad Schiff bekannt. Das Grab ist aber nicht isoliert errichtet worden, sondern ist von mindestens 8 weiteren umgeben. Mit ein- er Abweichung von 6° vom Meridian wies die Keillinie des Schiffes im 9. Jhd. auf die erste Sicht des Sternes Vega am 5. März. dem Tag, an dem , der im römischen Reich  doe Göttin Isis gefeiert wude.

Der Tag verweist auch das Fest Ploiaphesia, am dem im römischen Reich traditionell die Ausfahrt des Schiffes der Isis gefeiert wurde. Dieses Fest beschreibt der antike Schriftstellers Apuleius auch ausführlich in seinen im 2.Jhd. BC entstandenen Meta- morphosen. An diesem Tag, der Göttin Isis gedacht, die bereits in Griechenland die Schutzgöttin der Seefahrt war. Und deren jährlicher Auftakt wurde mit diesem Fest gefeiert. Apuleius beschreibt das Ritual, so wie es sich im Isisheiligtum von Kenchreai, einem der Häfen in Korinth zugetragen hatte. Dort zog die Bevölkerung dann in einer Prozession zum Hafen, angeführt von Priesterinnen, die Lampen, dem Symbol der Iisis trugen. Zahlreiche Opfergaben wurden bei dieser Prozession mitgeführt, die in einem eigens dafür gebauten und Schiff niedergelegt wurden. An Ende des Rituals wurden dann dessen Segel gesetzt und das Schiff trieb mit den Wünschen für eine glückliche Seefahrt auf das offene Meer hinaus, Damit bietet das Gjellestad Schiff ein komplexes Bild von Vorstellungen, die den Tag der Göttin der Wiedergeburt ebenso einschließen, wie den Weg des Orpheus aus der Unterwelt zurück an das Tageslicht.

Bilder: Wikioedia/ Sternbild Lyra, Herkules und nordliche Krone, Himmelsatlas von Alexander Jamieson, London 1822 /Orpheus mit Lyra , Mosaik aus Arae Flaviae (Dominikanermuseum Rottweil), Foto Agnete, gemeinfrei / Johann Gehrts (1855-1921), Wikinger Bestattung, gemeinfrei, Paul Gerhardt Heims: Seespuk: Aberglauben, Märchen, und Schnurren in Seemannskreisen. Leipzig 1888/ Navigation mit Stern Wega, Grafik:https://ueberlebenskunst.at/blog / Vega und das Gjellestad Schiff , Museum of Cultural History, Oslo, stellarium

Domus Augustana und die Lyra

Ruinen der Domus Augustana über dem Circus Maximus, Foto, MM (talk | contribs)

Das ursprünglich eher bescheiden Anwesen des Augustus änderte sein Aussehen sich im Laufe der Geschichte. Bereits während der Regentschaft des Kaisers wude es Teil eines Apollotempels und nach dem Tod von Augustus wurde es zu enem heuiogtum des uDivus Augustus umgewandelt. Die späteren iulisch-claudischen Kaiser bewohnten und veränderten die Bausubstanz weiter. Unter Domitian zweigeschossige Wohnanlage ver- fügte die Anlage dann über zwei Peristyle und wurde dann der gesamte Palastkomplex zu einer Anlage für Repräsentationszwecke umgebaut. Dabei diente die Domus Flaviana nur der Repräsentation und die im Südosten des Hügels gelegene Domus Augustana dann als privater Wohnbereich der kaiserlichen Familie. Auch das umge- baute Gebäude hatte wieder 2 Stockwerke, wobei das obere niveaugleich mit der Domus Flaviana war. Auf dieser Ebene lag ein Peristyl mit einem Wasserbassin in dem ein Heiligtum lag. An den zentralen Perystil im Süden schloss sich eine gewaltige Exedra an, die den Blick auf die Kaiserloge des Circus Maximus freigab. Wagenrennen waren hier das bevorzugte Schauspiel dass das Publikum anzog.

Roma – Palatino, Domus Augustana Foto MarkusMark,

Der Schutzgott dieser Zirkusspiele war der Gott Neptun, dem die Römer auch die Er- schaffung der Pferde zuschrieben. Bereits zeitgenössische Historiker charakterisierten das Bild des Kaisers Domitians höchst zwiespältig. So bezeichnete Plinius der Jüngere ihn als den schlechtesten Kaiser von allen und nannte ihn einen unmenschlichen.Auch Tacitus beklagte schlechten Charakter Domitians, den er als grausam, niederträchtig und dem Jähzorn verfallen beschrieb. Trotz all dieser negatoen Eigenschaften besaß Domitian eine große Vorliebe für die Künste. Dies erkannte auch Marcus Fabius Quintilianus;, der erste staatlich besoldete Rhetoriklehrer in Rom, denn er rühmte Domitian gleich mehrmals als großen Epiker. In die gleiche Richtung zielte auch das Lob des für seine Epigramme bekannten Dichters Martialis. Er pries Domitian als Herr der 9 Schwestern, den göttlichen Musen.

Büste des Domitian, Kapitolinische Museen. Foto Jastrow

Die Lyrik wurde meist auch mit einer Lyra vorgetragen, so dass dieses Instrument zum Namensgeber und dem Sinnbild der Dichtkunst wurde. Damit wurde sie ebenso zum Attribut der beiden Musen des Gesanges und Tanzes, Erato und Terpsichore. Sie war auch Geliebte des Gottes Apollo, der von Hermes, dem Erfinder der Lyra das Instrument einst geschenkt bekam. Laut der Erzählung war Hermes kaum geboren, als er eines Tages aus seiner Wiege kletterte und eine Schildkröte tötete. Aus ihrem Panzer fertigte er dann die erste Lyra, indem er sie mit Fell bespannte und Saiten daran befestigte. Mit ihren 7 Saiten wurde die Lyra dann zu einem Attribut der Musen des Gesanges und des Tanzes. Auf Grund ihrer symmetrischen Grundform stand sie auch für den Aspekt der Harmonie im philosophischen Modell der Pythagoreer. Die Neuplatoniker des 5. Jahr- hunderts sahen in der vierseitigen Lyra, dem Tetrachord dann ein Symbol für des Feuer, für die Luft und für das Flüchtige. Unter ihnen war auch der spätantike Philosoph Salustios, der den Saiten stimmenden Apollon als den Ausdruck einer überkosmischen Kraft sah, die einen Bestand der Schöpfung garantierte. Diese Verbindung Domitians mit der Lyrik verkörpert gleich in doppelter Hinsicht das Sternbild der Leier.

Mosaik aus Arae Flaviae (Dominikanermuseum Rottweil) Foto Agnete

Der Sage zufolge, gab Apollon das Instrument einst dem berühmten Sänger Orpheus, der mit dem Spiel der Leier seine nach einem Schlangenbiss verstorbene Frau Eurydike aus dem Hades erlösen wollte. Laut der Erzählung war er der Sohn der Muse Kalliope und des Gottes Apollon. Unter all den zeitgenössischen Sängern galt Orpheus als der beste. Mit seiner Musik betörte er nicht nur die Götter und die Menschen, sondern sogar auch Tiere, Pflanzen und Steine. Sogar die Bäume sollen sich zu ihm geneigt haben, wenn er spielte. Auch wilde Tiere, so die Sage, haben sich friedlich um ihn geschart und selbst die Felsen weinten angesichts seines schönen Gesangs. Bei seinem Gang in die Unterwelt wäre es Orpheus auch fast gelungen seine Geliebte zu erlösen, doch eine Unvorsichtigkeit des Sängers verhinderte dies. Zum Andenken an Orpheus und seine Musik wurde die Leier nach seinem Tod dann an den Himmel versetzt. An ihn und seine Mutter, eine Tochter des Zeus/Jupiter erinnerte dann auch die erste Sicht auf den Stern Vega aus dem Sternbild Lyra am Abend des Jupiterfeiertages, dem 23. April. Auf diese Sicht im Nordosten war die Achse der Palastanlage gerichtet. Auch die senkrecht dazu verlaufende Achse weist auf ein beliebtes Motiv der Dichtkunst, den Schwan. Laut einer der Orpheussagen soll der Dichter, nachdem er von thrakischen Frauen getötet wurde, es vorgezogen haben, als Schwan wieder aufzuerstehen.

Ausrichtung der Domus Augustana

Bilder: Wikipedia/ Ruinen der Domus Augustana über dem Circus Maximus, Foto , MM (talk | contribs) / Roma – Palatino, Domus Augustana Foto MarkusMark, gemeinfrei /Büste des Domitian, Kapitolinische Museen. Foto Jastrow / Mosaik aus Arae Flaviae (Dominikanermuseum Rottweil) Foto Agnete / Ausrichtung der Domus Augustana /Simulation, Sellarium, googlemap

History of The Orphic Mysteries — Sacred Well Ministries

Zitat

„Of the many belief systems circulating in archaic Greece, Orphism was perhaps the most significant. The state-sanctioned religion of Hellenism may have intermingled with all aspects of daily life, but archaic Greece was also a mixture of superstitious magic and philosophical cults. XXXThere were rational beliefs such as Stoicism and Epicureanism, as well as […]

über History of The Orphic Mysteries — Sacred Well Ministries

Orpheus and the Orphics: Ancient Greek Monotheism — Novo Scriptorium

Zitat

In this article we show, with direct reference to ancient sources/texts, that Orpheus and the Orphics were Monotheists. Orpheus was named ‚theologist‚ by the ancient Greeks. His theological system was symbolic, the same it was for most of the ancient Greek Monotheist Philosophers-Mystics, where the various names of gods and men, depending on the way […]

über Orpheus and the Orphics: Ancient Greek Monotheism — Novo Scriptorium