Göbekli Tepe – Portasar 01

Gesamtansicht des Grabungsfelds mit den Anlagen A–D, 2011,Foto Teomancimit

Der prähistorische Fundort Göbekli Tepe liegt knapp 15 Kilometer nordöstlich der Stadt Sanliurfa, in der nach den Erzählungen des Alten Testaments auch islamischeTradition der Patriarch Abraham geboren wurde. Göbekli Tepe, das am höchsten Punkt des einer in südöstlicher Richtung verlaufenden Bergkamms von Germus liegt und entspricht mit der Verteilung der vier Fundorte der Geometrie einer Raute. In der kurdischen Sprache bedeutet der wird der Ort auch `bauchiger Hügel´ beeichnet, was die kahle, abge- rundete Landschaftsform treffend charakterisiert. Doch der Autor Freddy Silva hat in seinem Buch `The Missing Land, von dem ein Auszug im Online Magazin Ancient Origins erschien, noch weitere Namen entdeckt. Sie beschreiben seiner Auffassung zu- folge die einst dort praktizierte Götterverehrung viel treffender. So lautet der armenische und damit wesentlich ältere Name dagegen Portasar. Er gliedert sich in die Silben `port´ und `asar´. Mit `port´ kann der Nabel oder auch die Nabelschnur identifiziert werd- en. Diese Begriffe könnten nach Silvas Meinung auch an das Epizentum, dem Kultort, der längst vergangen Welt von Gölbeki Tepe stehen.

Blick vom Göbekli Tepe in die Harran-Ebene Vordergrund Anlage E mit zisternenartigen Vertiefungen, Foto Klaus-Peter Simon

Dass die besondere Situation Göbekli Tepes nicht allein von der Sichtbarkeit auf dem Höhenzug bestimmt wurde zeigt die Lage auf dem Breitenkreis von 37.2230 N, denn der hat eine Länge von 31905 km verhält sich bis auf einen geringen Fehler zur Länge des Äquators wie 70 zu 88. Die Silben `asar´ weisen aber noch auf eine weitere Spur des Namens, denn der ägyptische Gott Osiris trug mehrere Namen wie Wesir, Ausar, Ausir oder eben auch Asar. Damit wäre Göbekli Tepe auch eine der Kultstätten in denen Osriris / Orion verehrt wurde. Was aber spricht für Silvas Theorie? Die Tierdarstell- ungen selbst geben darüber noch keinen Aufschluss. Auffallend an den vier Fundorten ist die Rautenform und sie offenbart bereits ein geometrisches Verständnis, das eine Zeichenhaftigkeit des Ortes nahelegt.

Orion und Göbekli Tepe zur Wintersonnenwende um 8000 v. Chr. (Orion am Südhorizont)

Diese Raute setzt sich aus zwei Dreiecken zusammen, die je einen Winkel von 56 und 67 Grad einschließen. Heute haben diese Zahlen ihre Bedeutung verloren, doch werden sie vor dem Hintergrund des antiken Tetraktysystems betrachtet, offenbaren sie ihre Zeichhaftigkeit. Mit 5 oder auch 6 Elementen (Punkt und Strecke) lassen sich sowohl ein Kreis, wie auch dessen Achsenkreuz darstellen. Auch die Zahl 67 weist wieder auf die Tetraktys, denn sie offenbart sich ebenfalls im Achsenkreuz und als Umkehrzahl im Hexagramm. Alle Zahlen als Gesamtsumme addiert, ergeben dann die Zahl 24, die Anzahl der Stunden eines Tages. Allein durch Zahlen entsteht aber keine Figur, denn für sie ist ein bildhafter Gedanke notwendig. Betrachtet man hier das Sternbild Orion. Eine bestimmende Richtung für Göbekli Tepe ist die Sommersonnen- wende bei der die Sonne im südwestlichen Punkt des Höhenzuges untergeht. Um 9000 v. Chr. wurde kurz nach Sonnenuntergang, im Süden das Sternbild Orion sichtbar.. Wird dieses Sternbild seitenrichtig auf die Raute projiziert, liegt dann der Schulterstern Bellatix auf dem südwestlichen Hügel und zwei weiter Sterne des Orion auf den Seiten der Raute. Mit Hilfe von Fluchtlinien,  die durch die Positionen der Sterne laufen, lassen sich so auch die Punkte der Raute bestimmen.

Orion, um 4000 v. Chr. , der himmlische Jäger

Damit würde die Geometrie Göbekli Tepes Silvas Vermutung bestätigen. Dieser optische Bezug des Orion zur Sommersonnenwende verschob sich bis um 7.Jahrtausend und bot dann am 1. August ein ähnliches Erscheinungsbild am Himmel. Vor diesem Hintergrund betrachtet, vermutet Silva wohl zurecht nicht nur einem Zusammenhang des alten Flurnamens mit Orion, sondern auch eine Verbindung zum Gizeh Plateau, das ebenfalls als Haus des Osiris bezeichnet wird. Dass beide Orte eine Verbindung unter- einander gehabt haben könnten zeigt ihre Entfernung 1080,3km. Bis auf eine Differenz von 2 Kilometern entspricht sie genau 13000 megalithischen Yards.

Alle Pyramiden von Gizeh auf einem Bild. Foto Ricardo Liberato

War das Gizeh Plateau, wie manche Autoren behaupten, bereits vor der Ersten Dynastie Ägyptens ein mythologisch bedeutender Ort, wäre dies eine Erklärung für den Bezug. Dass dieser Gedanke, Bauwerke durch die Wahl der Entfernung oder der Ausrichtung auf mythologisch bedeutsame Orte noch bis ins Mittelalter fortbestand, zeigt der der Dom in Worms. Seine Bauachse ist nach Südosten gerichtet, aber außerhalb des Sonnenpendelbogens. Im Mittelalter ermöglichte diese Ausrichtung in der Weihnachtszeit einen wandernden Lichtfleck am Rande des Hochaltars. Gleich einer göttlichen Erscheinung wies dieses Licht auf die Existenz Gottes im Allerheiligsten hin. Doch dies ist nur ein Aspekt, denn die Baulinie weist auch auf einen Ort der zur zu den Grundpfeilern der jüdisch christlichen Geschichte gehört, der Tempel Salomos auf dem Tempelberg in Jerusalem. Trotz der Bedeutung ist das streng geometrische Bild des Orion auf keiner der bislang kartierten 43 Stelen als Figur zu entdecken. Dort dominiert ein Vogel, der bisher Gegenstand zahlreicher Spekulationen ist.

Fotos: Wikipedia/ Gesamtansicht des Grabungsfelds mit den Anlagen A–D, Zustand 2011, Foto Teomancimit, CC BY-SA 3.0 / Blick vom Göbekli Tepe in die Harran-Ebene (Mesopotamien), im Vordergrund Anlage E mit zisternenartigen Vertiefungen, Foto Klaus-Peter Simon / Alle Pyramiden von Gizeh auf einem Bild. Foto Ricardo Liberato / Simulation, Karte,  stellarium