Die Venus von Reinheim

Venus vom Esquilin (ca. 50 n. Chr.), Foto Jean-Pol GRANDMONT , CC BY-SA 3.0

Der Monat April öffnet die Tür für den nahenden Sommer. Trotz der Gefahr von plötzlichen Kälteeinbrüchen beginnen sich die Knospen der Bäume zu öffnen, weshalb das latein-ische Verb aperire, öffnen, auch durchaus als Ursprung des Monatsnamens gesehen werden kann. Sich öffnen war ein Aspekt der griechischen Liebesgöttin Aphrodite, die in Gestalt der Venus zur Stammmutter der Römer wurde. Ihr Geburtstag und wurde am 1. April gefeiert Nicht immer behielt dieser Monat seinen Namen, denn römische Kaiser wie Nero gaben dem Monat ihren Vornamen. Auch Karl der Große wandte änderte den Monatsnamen und nannte ihn Ostermonat, da in ihm die häufigste Zahl der Osterfest-terminen liegen. Ebenso wie die Namensgebung römischer Kaiser von kurzer Dauer war, so konnte sich auch der Name Ostermonat in der Geschichte nicht durchsetzten. Dieser Monat für die Ausrichtung der römischen Villa von Reinheim. Von Bedeutung. Wie bei anderen römischen Villen, ist die Konzeption der Anlage bestimmt durch die Zahlen-symbolik der Tetraktys, wie durch astronomische Sichtungen an wichtigen Feiertagen. So weist die Querachse des Bauwerkes mit einem Azimut von 87° nach Osten und diese Zahl entspricht auch dem Produkt 3×29. Somit sind in diesem Winkel bereits zwei wichtige Zahlen der Tetraktys enthalten. Dabei verweist die 3 aus das Dreieck der Tetraktys und die 29 gemäß der Auffassung des römischen Dichters Horaz auf Grund ihrer Eigenschaft auf den Ausdruck der göttlicher Seinswirklichkeit. Innerhalb des Tetraktysmodells entspricht die 29 einem Achsenkreuz, gebildet aus den Zahlen 1 bis 5. oder auch zwei Doppelrauten mit 14 und 5 Elementen. Im Achsenkreuz ist der Buchstabe V der Venus enthalten und zugleich verweist die 5 auf das Pentagramm der Venus. Und ihr Symbol, die Raute. Angeordnet in einem Achsenkreuz mit jeweils 5 Punkten, entspricht dies dem Muster des SATOR Quadrates, das eine Reihe von Palindromen zum Wirken einer Schöpfergottheit enthält. So lautet eine dieser Wortfolgen: SATOR AREPO TENET OPERAS ROTAS, Der Sämann Arepo hält durch seine Mühe die Räder.

Das Modell der Tetraktys,und die Sonnenrichtung der Villa rustica

Auf ihren Geburtstag zielte auch die Querachse des Bauwerkes, denn in dieser Richtung war der Sonnenaufgang am 1. April, zu sehen Damit ist auch der Bezug zur hier gefundenen Venusstatue sichtbar. Mit ihrer Gestik hat sie einen formalen Bezug zur Statue der Kapitolinischen Venus. Dieses bedeutendste Bild der Venus entstand wohl antoninischer Zeit zwischen 96 und 92 n. Chr. Sie stellt eine Nachbildung eines hellen-istischen Vorbildes aus dem 2. Jhd v. Chr., der berühmten Aphrodite des Praxi- telesdie. Der Bildhauer fertigte sein Werk im Auftrag der Bürger der Insel Kos an und sie gilt als die erste lebensgroße Darstellung einer vollkommen unbekleideten Frau in der klas- sischen Epoche Griechenlands

Venus Statuette, Foto Saarländischer Museumsverband e.V.

Die erzählerische Komplexität der sakralen Raumordnung zeigt sich aber auch in der Abstimmung der Bauachsen, denn sie stoßen im seltensten Fall unter einem Winkel von 90° aufeinander. So geht die aufbrechende Natur am Ende des Monats April, nach der Rückkehr des Kuckucks. in das sommerliche Halbjahr über. Dieser Zeitpunkt wurde im Römischen Reich mit dem Blumenfest Floralia gefeiert. Auf dieses Fest weist auch die nach Süden weisende Gartenachse hin, denn in dieser Richtung war am Morgen des Floraliafestes der Stern Altair aus dem Sternbild des Adlers zum letzten Mal zu sehen war. Er war damit nicht nur ein Zeitmarker für den Festbeginn, sondern verwies damit auch gleichzeitig auf eine wichtiges Symbol des römischen Staates.Dieser Weg bis zur Grenzmauer des Gartens beträgt umgerechnet 1178 pes romanus mit je 0,2962m. Die Zahl 1178 lässt sich auch als Produkt der Zahlen 2x19x31 darstellen, wobei die 31 sowie die 38 eine wichtige symbolische Bedeutung der Tetraktys besitzen. So stellen 10 Punkte und 9 Strecken das Dreieck der Tetrakys dar, während die 38 für die Verbindung von Hexagon und Dreieckeck steht. Ebenso lässt steht die 38 für das Symbol der Raute mit 3 Elementen im Innern und 8 als Begrenzung.. Die gematrische Sicht der Raum- ordnung lässt ich aber auch im Grundriss der Villa selbst erkennen, denn der lässt sich in ein Rechteck mit dem Seitenverhältnis 22 zu 17 einschreiben. Auch hier sind beide Zahlen wieder Teil des Tetrakysmodells.

Das Modell der Tetraktys,und die Proprtionen der Villa rustica

So verweist die 17 sowohl auf die Figur des Fisches innerhalb dieses Modells, wie auch auf die Anzahl der 10 Punkte des Dreieckes und der 7 des einbeschriebenen Hexagons. Die 22 wiederum steht dann für die Doppelraute, dem alten Symbol der Fruchtbarkeit, das in diesem Modell aus 22 Punkten Strecken und Flächen besteht. Diese geometrische Figur verweist direkt auf die Staatsidee Roms und ihrer Schutzgöttin Roma. Ein Sinnbild dieses Weges zur Göttin Roma stellt auch der Gartenweg dar, der eine Länge von 1178 pes romanus hat. Diese Zahl entspricht dem Produkt 2x19x31, wo bei die 31, wie auch ihre Spiegelzahl auf Roma verweisen.

Bilder: Wikipedia / Venus vom Esquilin (ca. 50 n. Chr.), Foto Jean-Pol GRANDMONT , CC BY-SA 3.0 / 3D-Rekonstruktion der Villenanlage , Foto Starkiller3010 / CC BY-SA 3.0 /2006 rekonstruierte Torhaus im Süden des Wirtschaftshofes. Foto Starkiller3010 /Venus Statuette, Foto Saarländischer Museumsverband e.V. /Simulation, Sunearthtools,Googlemap, Tetrakys: https://www.decemsys.de/sator/sator2.htm