Camulodunum, die Stadt der Götter

Camulodunum,, die erste römische Stadt in Britannien,Museum Colchester

Antike Quellen berichten mit unterschiedlichen Namen von der römischen Stadt dem heutigen Colchester, doch am Ende hat sich der von Tacitus verwendete Name Camulodunum durchgesetzt. .Nicht nur der Plan Camulodunums, auch der Name verweist auf die Strategie Roms, mit Hilfe der Architektur fremde Kulturen in das Staatswesen zu integrieren. Bereits der Ortsname zeigt dies,denn er verweist auf den Gott Mars Camulus, ein Götterbild, das eine Mischung aus dem römischen Kriegsgott Mars und dem gallischen Gott Camulus darstellt. Camulus, der übersetzt Himmel be- deutet, war ein keltischer Gott der hauptsächlich im englischen und süddeutschen Raum verehrt wurde. Von ihm sind mehere Weihesteine ergalten, aber auch Darstell- ungen auf Münzen aus der Stadt, in der sich eines der Zentren des Camulus-Kultes befanden. Sie zeigen ihn als einen gehörnten Widdergott, der eher dem keltischen Cerunnos glich.

Weihestein für Mars Camulos aus dem Kastell Harenatium, LVR-RömerMuseum Xanten Foto Heiko Fischer

Mit dieser Vorstellung kehrte Mars wieder zu seinen Ursprüngen zurück, wo ihn die frühe Bauernkultur Latiums als Fruchtbarkeitsgott verehrt hatte. Camulus gewährte Schutz und wurde ähnlich dem in Germanien verehrten Lenus-Mars auch als Heilgott verehrt. Mit dem Ende der römischen Epoche in Britannnien war Camulus aber kein- esfalls Geschichte, denn er taucht mit leicht veränderten Namen in mehren Epen wieder auf die in der spätantiken Zeit entstanden sind. Im Finn-Zyklus der in der myst- ischen Welt Irlands spielt taucht er in der Gestalt des Cumhall mac Basna auf und ist der Anführer der Fianna. Die sprechenden Namen des Zyklus sind aber auch ein Indiz dafür, dass sie,wie in anderen Epen, mit ihren Handlungen den Jahreslauf beschreiben. Spätestens beim Tod des Cunhall in der Schlacht bei Caisleán Cnucha wird dies dann deutlich. Zu diesem Zeitpunkt ist seine Gemahlin Muireann bereits von ihm schwanger und bringt später einen Knaben zur Welt den sie Demne nennt, das Hirschkalb. Bis zur römischen Invasion Britanniens war der Ort das Machtzentrum des Keltenstammes der Trinovanten. Bekannt wurde der Stamm durch Caesars Schrift `De bello Gallico´, sowie den Annalen des römischen Geschichtsschreibers Tacitus. Das Siedlungsgebiet des Stammes lag nördlich der Themsemündung, im Gebiet der heutigen Grafschaften Essex und Suffolk. Mitte des 1. Jahrhunderts v. Chr. gehörten die Trinovanten zu den mächt-igsten Stämmen Britanniens. Geoffrey of Monmouth, ein britischer Geistlicher und Gelehrter sah in seiner legendenhaften Beschreibung der Geschichte Britanniens mit dem Titel Historia Regum Britanniae, die Abstammung diese Volkes den Römern durchaus ebenbürtig. Laut seiner Beschreibung sollen der Stamm von Brutus und anderen Flüchtlingen des Trojanischen Kriegs stammen und der Name ihrer einstige Hauptstadt Troinovantum Neu-Troja bedeutet haben. Im Laufe mehrerer Feldzüge wurde deren Könige durch von Rom abhängige ersetzt, um so die eigentliche Besetzung Britanniens vorzubereiten. Kaiser Claudius höchst persönlich befehligte den Surm auf das Oppidum der Kelten und ritt anschließend auf einem Elefanten in die Stadt. Kurz nach der römischen Eroberung wurde n der Nähe des keltischen Oppidums ein Legonslager angelegt, wobei die Legion, wenige Jahre später verlegt wurde und auf dem Gelände dann die Stadt Camulodunum errichtet wurde.

Kopf einer Statue des Claudius, Foto Michel wa

Von den ehemals wichtigen Bauwerke konnten aber bislang nur das Theater und ein Triumphbogen identifiziert werden. Tacitus berichtet auch von einem prachtvollen Tempel des Claudius, in dem eine Statue der Göttin Viktoria gestanden sein soll. Die Größe der Anlage, auch die Ausstattung mit Bauwerken spricht dafür, dass Camulod- unum einst den rang einer Provinzhauptstadt einnahm. Auf ihren Namen und das hinter ihmstehende Götterbild verweist dabei die Südgrenze der Stadt, die auf den Sonnenauf- gang am 23. März ausgerichtet wurde, dem Ende des Quinquatrus zu Ehren des Mars. Dagegen marklierte die zentrale Verkehrsachse mit der Sicht auf den Stern Aldebaran am 24.November den Beginn der Brumalien. Damit verwob sich der Mythos des griech-ischen Dionysos mit seinem keltischen Pendant Esus, sowie die Legende des Mino- tauros mit dem Mythos des Stieres in der keltisch-gallischen Welt. Dagegen war die Nordgrenze der Stadt auf den Sonnenaufgang am 30. März ausgerichtet, den Tag der Göttin Salus, der Göttin des Wohlergehens. Damit waren hier mehrere gemein- same Göttheiten mit ihren Mythen verbunden, um so dem friedlichen Zusammen der unterworfenen Völker zu dienen.

Der Plan von Camulodunum

Bilder: Camulodunum,, die erste römische Stadt in Britannien (colchestermuseum) /Wikipedia / Weihestein für Mars Camulos aus dem Kastell Harenatium, LVR-RömerMuseum Xanten Foto Heiko Fischer , CC BY-SA 4.0 / The head of a presumed equestrian statue of Claudius found in the River Alde at Rendham in Suffolk, believed to have been taken from the Temple of Claudius during Boudica’s revolt.[5][35] British Museum, London.Foto Michel wa / Der Plan von Camulodunum / Simulation sunearthtools, opentopomap stellarium.

Der Herrscher des Pantheon

Das Pantheon in Rom, Foto Roberta Dragan

Für fast 1500 Jahre blieb das Pantheon in Rom der größte Kuppelbau der Welt. Der Durchmesser der Kuppel von rund 43,45m wurde erst durch die von Filippo Brunelleschi entworfene Kuppel von Cattedrale di Santa Maria del Fiore in Florenz übertroffen. Das Pantheon wurde anstelle eines noch unter Agrippa am selben Ort entstandenen Tempels errichtet und wahrscheinlich noch unter der Herrschaft Trajans begonnen. Fertiggestellt wurde der Kuppelbau dann während der Herrschaft Hadrians 128 n. Chr. Der auf dem Marsfeld errichtete Bau zählt trotz der im Mittelalter erfolgten Umwidmung in eine Kirche zu den am besten erhaltenen Bauwerken aus römischer Zeit. Er besteht im Wesentlichen aus drei Bauteilen, dem nach Norden gerichteten Pronaos, der Säulenhalle, der Rotunde und der Kuppel mit der kreisrunden Öffnung in der Mitte. Der römische Historiker Cassius Dio berichtet in seinem 80 Bände umfassenden Werk `Römische Geschichte´ auch über die Ausstattung des Innenraumes. Dabei zählt er als erstes die Statuen des Mars und der Venus auf, mit denen die Gründungslegende Roms begann. Zu diesen Statuen gesellten sich noch weitere Götterstatuen, sowie die des Caesar, der als Divus Iulius ebenso unter die Götter aufgenommen wurde. Auf Grund fehlender Hinweise im Innern, konnte aber bis heute noch nicht geklärt werden, ob der Zweck des Bauwerkes ein Tempel .oder aber ein imperialer Repräsentationsbau war.

Der Durchmesser der Erde und das Hexagramm

Bei einer näherer Betrachtung er offenbart das Pantheon aber eine ausgeklügelte Symbol-sprache die dafür eine Erklärung bietet. Die zeigt sich bereits beim Durchmesser der Kuppel, mit der sicher die Grenzen römischer Ingenieurskunst erreicht wurden. Ihre Schale besteht aus unbewehrtem Beton, einer Mischung aus Tuffstein und Bims, die auch bei vielen römischen Brücken als Fundament diente. Eine 6 m dicke Maier nimmt hier die gewaltigen Schubkräfte der Konstruktion auf. Wie die Halbkugel erwarten lässt, verweist die Form auf die Dimension der Erde. Ihr Durchmesser von 43,3m entspricht 146 2/3 pes romanus (0,2962) und damit 440/3 des Längenmaßes. Verglichen auf dem aktuell ge- messenen Erddurchmesser von 12756274m entspricht diese Länge seinem 1/294000-ten Teil und weist damit einen Fehler von 0,1% auf. Die Zahl 294 lässt sich auch als Produkt 6×49 darstellen und verweist so auf die Vollkommene zahl 6, sowie die Zahl 49. Sie erscheint im Tetraktysystern, oder auch Hexagramm genannt. Einen Einblick in dieses Denkmodell der Antike vermittelt das Portal http:/ http://www.decemsys.de. Diese geometrische Form tauchte im 8. Jhd. v. Chr in Indien auf. Das Symbol repräsentierte hier die ununt-erbrochene Vereinigung der beiden Geschlechter, die durch den Gott Shiva und der Göttin Kali verkörpert wurden. In Rom wurde das Hexagramm auch als Talismann des Saturn be- zeichnet, der Gott des Goldenen Zeitalters der Menschheit und Vater des Jupiter.

Ausrichtung des Pantheons

Wie die Maße des Pantheon auf das Maß der Erde, wie auch der Göttermythologie angestimmt waren, so geschah dies auch mit der Ausrichtung des Bauwerkes. Entgegen der landläufigen Annahme einer Ausrichtung in Nord-Südrichtung, wurde die Achse des Pantheons aber um 4° in Richtung Westen gedreht. Diese Abweichung findet ihre Er- klärung im dreidimensionalen Sonnenkalender auf der Innenwand der Rotunde. Auf ihm wandert während des Tages ein Lichtfleck, den die durch Öffnung in der Kuppel ein- fallenden Sonnenstrahlen erzeugen. Während des Winters ist er im oberen und während des Sommers im unteren Bereich der nördlichen Wandhälfte zu sehen. Dabei wandert der Lichtfleck jeden Tag durch die sogenannte Mittagslinie. Immer zu einem bestimmten Zeit- punkt scheint das Licht dann in die Vorhalle, dem Pronaos, Vollkommen mit der Lage des Gebäudes übereinstimmend geschieht dies dann am 23. April, dem Tag der Vinalia Priora, dem ersten Jupiterfest des Jahres. An diesem Tag hat die Sonne um 12 Uhr einem Azimut von 176° Grad und scheint damit in der Bauachse durch die Kuppelöffnung. Der Besucher betritt damit, im übertragenen Sinn, im Licht des Jupiter das Pantheon. In die Säulenhalle scheint sie jeweils am 17. März, dem Marsfeiertag, oder wieder im Juni, zum Feiertag der Fors Fortuna..

Bronzestatue des Jupiter (2. Jahrhundert, Passau), Foto Wolfgang Sauber

Eine weitere Erklärung bietet aber auch die Senkrechte zur Bauachse, denn sie zielt auf den Sonnenaufgang am Feiertag der Salus, der Personifikation des Wohlergehens, des Heils, der Sicherheit und der Gesundheit. Diese weibliche Gottheit wurde meist thronend mit einem Zepter in der Hand und den Attributen Schale, Schlange, oder einer Getreide- ähre dargestellt. Die Göttin wurde hauptsächlich mit dem Wohlergehen, sowie mit der Sicherheit des römischen Staates und seiner Bewohner in Verbindung gebracht. Gleiches galt während der Kaiserzeit auch für die jeweiligen Herrscher. Deshalb wurde die Göttin auch als Salus publica, oder als Salus populi Romani bezeichnet.

Göttin Salus, As-Aelia Flaccilla-antioch RIC 62, Classical Numismatic Group, Inc.

Das Pantheon zeigt also das Abbild der Erde nicht nur als idealisierte Kugelform, sondern verweist mit seinen Maßen auch auf das Wissen um ihre Gestalt. Gleichzeitig bietet der Pronaos die Möglichkeit die Weltenachse im Norden zu sehen, aber er bietet auch eine Bühne für das Lichtwunder am Tag des Jupiters. An diesem Tag ermöglichte es den Menschen das Erlebnis, im Kuppelraum vom göttlichen Licht empfangen zu werden.

Bilder: Wikipedia / Das Pantheon in Rom, Foto Roberta Dragan / Bronzestatue des Jupiter (2. Jahrhundert, Passau), Foto Wolfgang Sauber / As-Aelia Flaccilla-antioch RIC 62, Classical Numismatic Group, Inc. http:/www.cngcoins. Com / Simulation sunearthtools, googlemap