Der Herrscher des Pantheon

Das Pantheon in Rom, Foto Roberta Dragan

Für fast 1500 Jahre blieb das Pantheon in Rom der größte Kuppelbau der Welt. Der Durchmesser der Kuppel von rund 43,45m wurde erst durch die von Filippo Brunelleschi entworfene Kuppel von Cattedrale di Santa Maria del Fiore in Florenz übertroffen. Das Pantheon wurde anstelle eines noch unter Agrippa am selben Ort entstandenen Tempels errichtet und wahrscheinlich noch unter der Herrschaft Trajans begonnen. Fertiggestellt wurde der Kuppelbau dann während der Herrschaft Hadrians 128 n. Chr. Der auf dem Marsfeld errichtete Bau zählt trotz der im Mittelalter erfolgten Umwidmung in eine Kirche zu den am besten erhaltenen Bauwerken aus römischer Zeit. Er besteht im Wesentlichen aus drei Bauteilen, dem nach Norden gerichteten Pronaos, der Säulenhalle, der Rotunde und der Kuppel mit der kreisrunden Öffnung in der Mitte. Der römische Historiker Cassius Dio berichtet in seinem 80 Bände umfassenden Werk `Römische Geschichte´ auch über die Ausstattung des Innenraumes. Dabei zählt er als erstes die Statuen des Mars und der Venus auf, mit denen die Gründungslegende Roms begann. Zu diesen Statuen gesellten sich noch weitere Götterstatuen, sowie die des Caesar, der als Divus Iulius ebenso unter die Götter aufgenommen wurde. Auf Grund fehlender Hinweise im Innern, konnte aber bis heute noch nicht geklärt werden, ob der Zweck des Bauwerkes ein Tempel .oder aber ein imperialer Repräsentationsbau war.

Der Durchmesser der Erde und das Hexagramm

Bei einer näherer Betrachtung er offenbart das Pantheon aber eine ausgeklügelte Symbol-sprache die dafür eine Erklärung bietet. Die zeigt sich bereits beim Durchmesser der Kuppel, mit der sicher die Grenzen römischer Ingenieurskunst erreicht wurden. Ihre Schale besteht aus unbewehrtem Beton, einer Mischung aus Tuffstein und Bims, die auch bei vielen römischen Brücken als Fundament diente. Eine 6 m dicke Maier nimmt hier die gewaltigen Schubkräfte der Konstruktion auf. Wie die Halbkugel erwarten lässt, verweist die Form auf die Dimension der Erde. Ihr Durchmesser von 43,3m entspricht 146 2/3 pes romanus (0,2962) und damit 440/3 des Längenmaßes. Verglichen auf dem aktuell ge- messenen Erddurchmesser von 12756274m entspricht diese Länge seinem 1/294000-ten Teil und weist damit einen Fehler von 0,1% auf. Die Zahl 294 lässt sich auch als Produkt 6×49 darstellen und verweist so auf die Vollkommene zahl 6, sowie die Zahl 49. Sie erscheint im Tetraktysystern, oder auch Hexagramm genannt. Einen Einblick in dieses Denkmodell der Antike vermittelt das Portal http:/ http://www.decemsys.de. Diese geometrische Form tauchte im 8. Jhd. v. Chr in Indien auf. Das Symbol repräsentierte hier die ununt-erbrochene Vereinigung der beiden Geschlechter, die durch den Gott Shiva und der Göttin Kali verkörpert wurden. In Rom wurde das Hexagramm auch als Talismann des Saturn be- zeichnet, der Gott des Goldenen Zeitalters der Menschheit und Vater des Jupiter.

Ausrichtung des Pantheons

Wie die Maße des Pantheon auf das Maß der Erde, wie auch der Göttermythologie angestimmt waren, so geschah dies auch mit der Ausrichtung des Bauwerkes. Entgegen der landläufigen Annahme einer Ausrichtung in Nord-Südrichtung, wurde die Achse des Pantheons aber um 4° in Richtung Westen gedreht. Diese Abweichung findet ihre Er- klärung im dreidimensionalen Sonnenkalender auf der Innenwand der Rotunde. Auf ihm wandert während des Tages ein Lichtfleck, den die durch Öffnung in der Kuppel ein- fallenden Sonnenstrahlen erzeugen. Während des Winters ist er im oberen und während des Sommers im unteren Bereich der nördlichen Wandhälfte zu sehen. Dabei wandert der Lichtfleck jeden Tag durch die sogenannte Mittagslinie. Immer zu einem bestimmten Zeit- punkt scheint das Licht dann in die Vorhalle, dem Pronaos, Vollkommen mit der Lage des Gebäudes übereinstimmend geschieht dies dann am 23. April, dem Tag der Vinalia Priora, dem ersten Jupiterfest des Jahres. An diesem Tag hat die Sonne um 12 Uhr einem Azimut von 176° Grad und scheint damit in der Bauachse durch die Kuppelöffnung. Der Besucher betritt damit, im übertragenen Sinn, im Licht des Jupiter das Pantheon. In die Säulenhalle scheint sie jeweils am 17. März, dem Marsfeiertag, oder wieder im Juni, zum Feiertag der Fors Fortuna..

Bronzestatue des Jupiter (2. Jahrhundert, Passau), Foto Wolfgang Sauber

Eine weitere Erklärung bietet aber auch die Senkrechte zur Bauachse, denn sie zielt auf den Sonnenaufgang am Feiertag der Salus, der Personifikation des Wohlergehens, des Heils, der Sicherheit und der Gesundheit. Diese weibliche Gottheit wurde meist thronend mit einem Zepter in der Hand und den Attributen Schale, Schlange, oder einer Getreide- ähre dargestellt. Die Göttin wurde hauptsächlich mit dem Wohlergehen, sowie mit der Sicherheit des römischen Staates und seiner Bewohner in Verbindung gebracht. Gleiches galt während der Kaiserzeit auch für die jeweiligen Herrscher. Deshalb wurde die Göttin auch als Salus publica, oder als Salus populi Romani bezeichnet.

Göttin Salus, As-Aelia Flaccilla-antioch RIC 62, Classical Numismatic Group, Inc.

Das Pantheon zeigt also das Abbild der Erde nicht nur als idealisierte Kugelform, sondern verweist mit seinen Maßen auch auf das Wissen um ihre Gestalt. Gleichzeitig bietet der Pronaos die Möglichkeit die Weltenachse im Norden zu sehen, aber er bietet auch eine Bühne für das Lichtwunder am Tag des Jupiters. An diesem Tag ermöglichte es den Menschen das Erlebnis, im Kuppelraum vom göttlichen Licht empfangen zu werden.

Bilder: Wikipedia / Das Pantheon in Rom, Foto Roberta Dragan / Bronzestatue des Jupiter (2. Jahrhundert, Passau), Foto Wolfgang Sauber / As-Aelia Flaccilla-antioch RIC 62, Classical Numismatic Group, Inc. http:/www.cngcoins. Com / Simulation sunearthtools, googlemap