Leda and the swan

 (Probably) Leda and the Swan (Gold signet ring from Thessaly, 2nd c. BC. Benaki Museum, Athens)

Hmmm…Most definitely „Leda and the swan“ scene…Which raises a lot of questions…

Seriously sexy Leda…Sitting on a bed being raped by Zeus in a shape of a swan…So far so good 🙂

Now strange stuff (for me at least):

1. While a satyr is…Watching, wanking, giving running commentary, instructions???…

2. With a hand on a helmet…Whose helmet? 

3. Which is located in front of a temple, tomb…If temple, whose temple? If tomb, whose tomb? Why?

4. What’s with the shields and spears under the bed? 

5. What’s with the column with a lion on it?

6. What’s with the tree? What tree is it?

I can, I think, answer few of these questions. 

Some people thought the tree was a Holly. I believe that the tree is an oak. Oak was the holy tree of Zeus…And Some Mediterranean oaks have leaves which look like Holly leaves. 

Have a look this: Holly

 

„Holy Oak“ (Kermes oak)

I talked about this in my post „Christmas trees from garden of Eden„… 

Most oaks flower between March and May and acorns mature in Summer and Early Autumn. Including most common Mediterranean oaks. You can read about this in „Acorn production and growth in Mediterranean oaks: Trade-offs and the role of climate, modular organization and phenology„.  

 

rread more:http://oldeuropeanculture.blogspot.com/2021/03/leda-and-swan.html

Woman with torches and swans

Friday, 17 July 2020

Sometimes I wonder…
 
This is a Boeotian (5th-4th c BC) red-figure bell-krater. Athens, National Archaeological Museum. Depicting a woman holding two torches and a swan…The identity of the woman and the overall meaning of the scene „unknown“…
 
 
The discussion about these craters can be found in the paper entitled „Swan Riddles in Boeotian Red-figure Vase Painting“ by Chrstina Avronidaki.
 
Is it possible that this woman is Demeter who „carried a pair of flaming torches in her search for her daughter Persephone“.
 
Persephone was abducted by Hades and taken to the land of the dead. During her search, grief stricken Demeter, mourning the disappearance (death) of her daughter, forbade plants to grow…
 
This is normally interpreted as winter, the darkest part of the year (torches) when nature is dormant (no plants grow)…It is during the winter that whooper swans migrate to Greece from Northern Europe. 

Die Quelle der Pader

Panorama vom Paderquellgebiet bei der Stadtverwaltung, Foto Andreas Nowak

Der Name der Stadt Paderborn ist in über 100 verschiedenen Versionen überliefert. Aber bereits in der Zeit den ersten Erwähnungen in Urkunden während des 8. Jhd.s gab es 6. ähnlich klingende Namen. Einer von ihnen, ‚Patrisbrunna‘, deutete schon auf den heutigen Namen hin. Der Historiker Ernst Färstenmann verbindet in seinem 1872 erschienen großen Namenbuch die Entstehung mit dem Wort pad oder Path, dem Fußweg.. Dieser Gedanke führte zur Vermutung, dass der Name aus einem Kreuzungspunkt von Verkehrspfaden entstanden sein könnte. Im 1931 erschienen Etymologischen Lexikon sah der Autor Wilhelm Sturmfels auch die Verbindung zu dem aus dem Sanskrit stammenden Wort pathas, das Wasser als möglich Ursprung. Zusammen mit dem leichter erklärbaren brunna wäre der Name dann schlicht aus dem Wasserbrunnen der Pader, dem kürzesten Fluss Deutschlands entstanden. Trotz dieser Deutungen gibt es aber noch andere Spuren, die zurück zu den germanisch-slawischen Mythologien führen. So gibt es in der germanischen Sprache auch das Verb pa, füttern oder nähren, sowie den Begriff Pater, den Stammesvater.

Kupferstich, Matthäus Merian, 1647 in `Topographia Germaniae´

Die Pader fließt von ihrer Quelle im heutigen Stadzentrum nur ein kurzes Stück nach Nordosten. Deren Richtung bietet auch eine Erklärung für den Pfad, wenngleich sie auf einer ganz anderen Ebene liegt. In der Zeit, als der Ort in der Geschichte auftauchte, floss die Pader auf den Punkt am Horizont zu, an dem das Sternbild des Schwanes mit seinem hellsten Stern Deneb zum letzten Mal zu sehen war, ehe es am Horizont unterging. Mit dieser Beziehung führt die Pader nun zur mythischen Gestalt des Schwanes. In den griechischen Legenden wurde ein im Bernsteinland lebendes Volk der Lygier vom König Kygnos regiert.

Paderborn, die Pader  und der Untergang des Schwans

Als dort Phaeton, der Sohn des Sonnengottes, mit seinem Sonnenwagen abstürzte, wurde der von seinem Freund Kygnos bestattet. Später wurde er zum Dank für seine Trauer als Sternbild des Schwanes an den Himmel versetzt. Die Gestalt des Schwanes verweist auch an Svantewit, den Hauptgott der Slawen, das Volk das zwischen Ostsee und Elbe beheimatet war. Sein Hauptheiligtum befand sich einst in Arkona auf der Insel Rügen Svantevits Name setzt sich aus den slawischen Worten svet, heilig und vit, der Herrscher zusammen. Somit kann die Bezeichnung auch als heiliger Herrscher gedeutet werden. Werner Meschkank, der Leiter des wendischen Museums in Cottbus sieht hier aber auch einen etymologischen Zusammenhang mit den Worten Schwan und schwanger.

Leda und der Schwan (Zeus), Gemälde von Correggio um1532

Ein direkter Zusammenhang von Schwan und einem Himmelsgott zeigt sich in der Gestalt des Götter-vaters Zeus, der auch den Beinamen der `schwanengleiche Himmelsgott trug. In dieser Gestalt verfolgte er auch Leda, die schöne Gemahlin des spartanischen Königs Tyndareos, die sich Zeus als Schwan in Gestalt einer Gans hingab. Anschließend gebar sie ihm und dem König jeweils zwei Kinder, wobei der Streit um schöne Helena dann den Trojanischen Krieg auslöste. Dieser Mythos war nicht nur eine Anspielung auf die Zeugungskraft des Zeus, sondern spiegelte ebenso die früh- geschichtlichen Vorstellungen einer heiligen Hochzeit wieder, die alljährlich zwischen dem Himmels- vater und der Urmutter erfolgte.

Saraswati – Hindu Goddess of Learning, Foto Sssxccal

Dem männlichen Götterbildern wie Zeus und Svantovit, steht im indischen Kulturraum die ähnlich klingende Göttin Sarasvati gegenüber. Sie wird auch die Fließende genannt und verkörpert als eine der populärsten Göttinnen die Weisheit sowie die Gelehrsamkeit. Auch sie wird ähnlich wie Zeus mit einem Schwan oder aber einer Gans in Verbindung gebracht. In den nordischen Mythen lebte ein Schwanenpaar am Fuße des Lebensbaumes Yggdrasil an einer heiligen Wasserquelle, die alle die davon tranken ebenso weiß erscheinen ließ. In diesen Erzählungen galten diese beiden Schwäne das Urpaar aller Singschwäne. Dieses Weiß galt neben dem Sinnbild der Reinheit auch als ein Sonnen-symbol und war Lichtgöttern wie Apollon zugeordnet. Diese Verbindung zu Himmelsgöttern machte den Schwan aber auch zu einem Seelenführer. Diesen Aspekt unterstütze ebenso seine Wandlung vom grauen Jungtier zum strahlend weißen Schwan, der als Bild einer reinen Seele betrachtet wurde. Auch sein Lebensraum, der im Wasser, auf der Erde, wie in der Luft liegt, trug zum imaginativen Wesen des Schwans bei. Eines der überlieferten Urbilder in der Rolle als Seelenführer stammt aus der indischen Dichtung des 4. Jhd`s v. Chr. In der Shvetsahvatara Upanishad wird der Schwan als Abbild der Seele beschrieben, die auf dem Weg zu ihrem Bestimmer ist. Dieses weit verbreitete Bild existierte irischen Grafschaft Mayo noch bis ins 19. Jhd., wo die Bevölkerung glaubte, dass die Seelen besonders keuscher Jungfrauen sich in Schwänen verkörperten. Auch im Mittelalter bedienten sich die Alchemie ebenso der Gestalt des Schwanes, dem hier die Hermes – Merkurenergie zuge- sprochen wurde, also die Fähigkeit einen Wandel einzuleiten.

Das alte Paderborn, der Stadtheilige Liborius und der Schwan

Das Motiv des Schwanes lebte auch nach dem Untergang der alten Mythen weiter. Ritter sahen ih ihm ein Symbol der Tapferkeit und zugleich stand er für die Reinheit Marias. Auch in Paderborn lebte die Symbolik des Schwans weiter und dies zeigt sich bei der Anlage der ersten Burg. Die bescheiden wirkende, querrechteckige Anlage wurde einst auf zwei wichtige Himmelsereignisse ausgerichtet, den Sonnenaufgang am Gedenktag des Stadtheiligen Liborius und die deckte sich zu dieser Zeit auch mit der ersten Sicht des Sternes Deneb aus dem Sternbild Schwans am Weihnachtstag. Auch die Translation der Reliquien des Liborius von Le Mans wurden von einem Vogel begleitet. Laut der Legende, soll bei ihrer Überführung ein Pfau vorangeschritten sein, das Symbol der göttlichen Allwissenheit. Vor diesem Hintergrund ist die Ableitung des Namens Paderborn aus dem Ursprungswort Pfad also gar nicht so abwegig. Doch dieser Pfad war im übertragenen Sinn ein geistiger, der wohl hinführte, zu einer Schwanengottheit, die die Menschen einst in zahlreichen Kultur-kreisen verehrten.

Bilder:Wikipedia / Panorama vom Paderquellgebiet bei der Stadtverwaltung, Foto Andreas Nowak / Paderborn, Kupferstich, Matthäus Merian, 1647 in `Topographia Germaniae´ edition: „Topographia Westphaliae“ in, veröffentlicht Bärenreiter-Verlag, Kassel / Leda und der Schwan (Zeus), Gemälde von Correggio um1532 / Goddess Saraswati– Hindu Goddess of Learning. Lady as fair as white-lotus, sitting on a large lotus, playing on her musicalk instrument ‚veena‘ and with her mount, a white swan. / Sssxccal -CC BY-SA 4.0 / Simulation, sunearthtools, opentopomap, stellarium

The Origin of the Term „Swan Song“ — SENTENTIAE ANTIQUAE

Zitat

Aelian, History of Animals 2.32 “The Swan, which the poets and many prose authors make an attendant to Apollo, has some other relationship to music and song I do not understand. But it was believed by those before us that the swan died after he sang what was called its “swan-song”. Nature truly honors it more […]

über The Origin of the Term „Swan Song“ — SENTENTIAE ANTIQUAE

Erkinger und die Jungfrauen von Bad Liebenzell

Bad Liebenzell, medieval castle, Hohenstaufen type. Foto, Mussklprozz

Wenn in Bad Liebenzell am ersten Maiwochenende das traditionelle Erkingerfest ange- halten wird, gilt dieses Fest einem gewaltigen Riesen, der über dem Ort einen starken Turm bauen ließ. Gewaltige Quader mussten die Männer hier auftürmen, bis der Riese endlich zufrieden war. Doch die Bürger hatten sich getäuscht, denn mit Vorliebe stahl der Riese dann die Bräute junger Burschen, gerade wenn diese Hochzeit feierten. Erkinger schleppte die geraubten in seinen Turm, wo er sie zusammen mit zwei seiner Gesellen und verspeiste. Anschließend warf er die Gebeine der Unglücklichen aus dem obersten Fenster seines Turmes hinaus. Fast eine Viertelstunde soll es gedauert haben , bis sie irgendwo herunterfielen. Dort, so die Sage, entstand aus den Knochen wieder ein neuer Berg. Keiner der im Tal wohnte, schaffte es aber den gewaltigen Riesen zu töten, um die Jungfrauen vor seinem Appetit zu bewahren.Erst als die gepeinigten Bewohner sich an den Markgrafen von Baden wandten und der die Burg belagerte, hatte der Schrecken ein Ende. Da der Riese sich nicht ergeben wollte, stürze er sich vom obersten Fenster der Burg ins Tal.

Riese Erkinger, Skulptur aus Sandstein, Foto Klaus Gablenberger

In Wirklichkeit entstand die Spornburg in Bad Liebenzell im Laufe des 12.Jahrhunderts auf ganz normalem Wege. Im typischen Stil jener Zeit der ersten Burgenbauphase wurde sie durch Grafen von Calw, mit Palas und Schildmauer errichtet. Aber es nicht allein der Geländesporn, der sich durch seine markante Lage über der Stadt auszeichnet, vielmehr ist es der gegenüberliegender Taleinschnitt beim Teilort Monakam. Dessen perfekte, auf den Sonnenlauf abgestimmte Geometrie, lässt an das Werk eines Riesen denken. Währ- end auf der nördlichen Seite des Einschnittes von der Burg aus betrachtet, der Sonnen- aufgang zur Wintersonnenwende zu sehen ist, wird der Einschnitt durch die Aufgänge am 1. Mai, dem 11. April (Magna Materkult) und dem Äquinoktium in 3 gleiche Abschnitte ge- teilt. Eine ideale Übereinstimmung gab es noch bis ins 18. Jahrhundert hinein, dem Ent- stehungszeitraum zahlreicher Volkssagen. beim Sonnenaufgang am 1. August, wo Orion der Sonne vorausging.

Der Sonnenkalender der Burg Bad Liebenzell

Der Geschichte des Erkinger, der bevorzugt Jungfrauen verspeiste, erinnert an den die Erzählung des biblischen Gott Moloches, dem Kinder geopfert wurden. In späteren Abwandlungen der Erzählung wurden aus den Kindern auch Jungfrauen die dem gefräßigen Gott dargebracht wurden. Dessen Name ist eine Kombination des phönizischen Wortes mlk, das auf ein Opfer hinweist und dem hebräischen Wort für König, Melekh. Zudem floss auch noch das Wort für Schande ein, so dass aus allen dreien die heute noch bekannte Bezeichnung Moloch entstand. Es wird vermutet, dass die Stauten des Gottes Moloch aus Metall gefertigt waren und für die damalige Zeit ein riesenhaftes Ausmaß besaßen. Sein Kult hatte auch eine enge zu Opferhandlungen, wie auch eine Beziehung zum Feuer. Dieser angeblich furchterregende Kult wird in der bib- lischen Erzählung über das Ende Salomos geschildert. Dort steht, dass Gott in den letzten Tagen des Königs den Namen trug: `das Gräuel der Ammoniter´. Da die Frauen Salomos Moloch verehrten, ließ der König Moloch auf einem Berg einen Tempel bauen. Aus diesem Grund weihten auch die Israeliten ihre Kinder diesem Gott, in dem sie sie durch das heilige Feuer laufen ließen. Missverständliche Übersetzungen machten in spät- erer Zeit daraus jene berüchtigten Menschenopfer die den Gott so furchterregend er- scheinen ließen.Eine dieser Textpassagen stammt aus (5. Mo 12,31), wo steht: `Von Israel wird berichtet: `Sogar ihre Kinder, die sie mir geboren, haben sie ihnen durchs Feuer geh- en lassen zum Fraß … wenn sie ihre Kinder ihren Götzen schlachteten´. Das Motiv des gefräßigen Riesen lässt sich also weit zurückverfolgen und war dank biblischer Erzählung stets ein warnendes Beispiel für alle, nicht vom Glauben abzufallen. Einen kleinen Wink auf die alten Bezüge konnten sich wohl auch die Schöpfer der Sage nicht verkneifen. In dem Wort Erkinger mischen sich eine Reihe von Bezügen die der Intention, die Menschen von jenem Ort abzubringen, der auf Grund seiner Sonnenbezüge wohl Jahrtausende lang als Kultort gedient haben mag.

Statue des ammonitischen Gottes Moloch aus dem Film Cabiria, F. Jean-Pierre Dalbéra

In der mittelhochdeutschen Sprache bedeutete erken, sich ekeln, was für den beabsicht- igten Schauer der Geschichte sicher von Vorteil war. Aber erken bedeutete ebenso eine Eigenart, was wiederum auf die besondere Qualität des Ortes hinweist und ebenso erkennen. Die Qualität des Ortes hatten die Grafen von Eberstein, die Bauherrn der Burg, zweifellos erkannt. Wie bei anderen Burgen, wurde auch hier das Bauwerk mit einer himmlischen Symbolik verbunden. So führten die Grafen eine 5- blättrige Rose in ihrem Wappen, denn sie wurde im Verlauf des Mittelalters zur Rose mystika, einem Symbol der Anrufung der Jungfrau Maria.

Wappen der Grafen von Eberstein

Dieser wachsenden Marienverehrung jener Zeit trug auch die Ausrichtung der Burg mit dem Palas und der Schildmauer Rechnung war. Sie waren einst auf den Punkt am Himmel gerichtet, wo am Abend von Maria Lichtmess das Sternbild Schwan zum letzten Mal zu sehen war. Es war nicht nur das Sinnbild ritterlichen Mutes, sondern auch das der Reinheit, eben jenem Wesenszug der Jungfrau. Das am Ende der Riese Erkimger die Jungfrauen verspeist hette,  kann vor diesem Hintergrund nun auch als Verballhornung jener tief gläubigen Zeit gedeutet werden

Die Burg und der Schwan

Bilder: wikipedia/Bad Liebenzell, medieval castle, Hohenstaufen type. Foto, Mussklprozz , CC BY-SA 3.0 / In der Mitte, eine Bronzestatue des kanaanitischen, ammonitischen und phönizischen Gottes Moloch aus dem Film Cabiria von Giovanni Pastrone im „Museo nazionale del Cinema“ (Turin)… Foto Jean-Pierre Dalbéra from Paris, France – Le musée du cinéma / Wappen der Grafen von Eberstein, verschiedene unbekannte Künstler – Bayerische Staatsbibliothek Cod.icon. 312 c, Simulation, sunearttools, stellarium, googlemap/opentopomap

Consus und der Circus Maximus

Circus Maximus von Südosten, neben der rechts gelegenen Tribüne, Foto Rabax63

Von der größten Rennbahn Roms stehen heute nur noch kümmerliche Reste. Dennoch lässt die riesige Freifläche Größe dieses Bauwerks erahnen. Auch seine Ausrichtung war eng mit der vielschichtigen Gründungslegende Roms verbunden. Fast ähnlich verhält es sich mit dem Gott Consus, dem Schutzgott der eingebrachten Ernte, von dem nur wenige Überlieferungen bekannt sind. In seiner Funktion bildete er einst mit Ops Consiva ein Götterpaar und sein Altar lag an einem unterirdischen, aber dennoch prominenten Ort. dem Circus Maximus. Er wurde an den beiden Festen der Consualia, dem 21. August und dem 15. Dezember jeweils feierlich ausgegraben. Sein Standort befand sich im Circus an der meta prima im Circus, also jenem Punkt, der eine der beiden Wendemarken auf der Rennbahn darstellte. Anlässlich des Festes der eingebrachten Ernte wurde dann von den eigens bestellten Priestern, den Pontifices, Wagenrennen veranstaltet. Dazu wurden die teilnehmenden Pferde und Maultiere mit Blumenkränzen geschmückt. Mehrheitlich wurden aus diesem Anlass Maultier- und Eselrennen veranstaltet, da der Esel das heilige Tier des Gottes Consus war.

Raub der Sabinerinnen, von Johann Heinrich Schönfeld, um 1640, Eremitage, St. Petersburg / The Yorck Project (2002)

Schon früh tauchte der Gott in der römischen Gründungslegende auf, da er dem myth- ischen Gründer Roms, Romulus, den Rat zum Raub der Sabinerinnen gab. Der hatte kurze Zeit zuvor nach dem Streit über ein Orakel seinen Bruder Remus im Streit er- schlagen. Mit den hier veranstalteten Spielen erinnert der Circus an jenes Kampfspiel zu Ehren des Neptun, das Romulus initiierte, um die Bewohner der umliegenden Orte in seine neu gegründete Stadt einzuladen. Das Spiel diente ihm als List, denn er Stadt mangelte es an Frauen. Als nun die Spiele in vollem Gange waren, sprengten die röm- ischen Krieger die Gästeschar auseinander und behielten die Frauen in der Stadt. Der Sage zufolge sollen viele von ihnen einer Heirat nicht abgeneigt gewesen sein. Nach diesem Raub regierten Romulus und der Sabinerkönig Titus Tatius aber gemeinsam die Stadt. Auch hier verschleiert die Gründungslegende die harte Realität einer Landnahme durch eine fremde Bevölkerung, denn zwischen dem Ende des 7. und der Mitte des 6. Jahrhunderts v. Chr. besetzten die Etrusker die auf Hügeln verstreuten dörflichen Ansied-lungen auf dem Gebiet der heutigen Stadt. Nach dem etruskischen Geschlecht der Rumelna gaben sie ihrer neuen Siedlung den Namen.

Neptun auf Denar Kaiser Hadrians, Foto Hermann Junghans

Doch die Auslegung der Geschichte folgt der Legende und so wurde auf der ursprüng-lichen Ansiedlung der Sabiner, der dem sabinischen Kriegsgott Quirinus geweihten Hügel, das Capitolium errichtet. Die Legende deutet darauf hin, dass in diesen frühen Zeiten die Gestalt Neptuns noch mit Consus vermischt wurde und erst mit dem Aufkommen der Seefahrt, sowie der Adaption griechischer Mythologie, aus Neptun eine eigenständige Gottheit wurde. Er war ja schließlich ein Sohn des Saturn und der Rhea, also auch ein Bruder des Jupiter. An ihn und seine Verführungskünste in der Io Legende erinnert der Stern Deneb aus dem Sternbild des Schwanes am Morgen des 21. August, mit seiner Letztsicht in der Achse des Circus. Er war dann zum letzten Mal mit einem Azimut von 306° zu sehen. Die 306 lässt sich auch als Produkt 9×34 darstellen und die beiden Zahlen weisen auf zwei interessante Aspekte hin. So stellt die 34 in er Antike die Jupiterzahl auf dem wohl berühmtesten, gleichnamigen magischen Quadrat dar. In dem aus 4×4 Zahlen bestehen Quadrat stehen die Zahlen 1 bis 16 und addieren sich jeweils in Zeilen, Spalten und Diagonalen zur Zahl 34. Ihre Quersumme ergibt somit die 7 und ist im Ptolemäischen System der Planetenzahlen dem Saturn zugeordnet. Hier entsprechen die 3 und die 4 aber auch der Venus und der Sonne. Die 3 verweist aber auch die Kapitolinische Trias, der drei Götter Jupiter, dessen Frau Juno und deren Tochter Minerva. Sie hatte sich einst aus der archaischen Göttertrias Jupiter, Mars und Quirinus gebildet.

Ausrichtung des Circus Maximus

Seit seiner Erbauung im 6. Jhd. war er Circus Maximus die größte Rennstrecke für Wag- enrennen in Rom. Unter Julius Caesar wurde er Circus noch einmal weiter ausge- baut und unter der Herrschaft von Augustus eine kaiserliche Loge hinzugefügt. In seine Zeit fällt auch die Ausschmückung mit einem aus Ägypten herbeigeschafften Obelisken, der auf der Spina aufgestellt wurde. Drei Mal brannte der Circus aus, ehe im Jahr 103 Trajan den Auftrag für einen Wiederaufbau gab, erst jetzt wurden die Tribünen in Stein ge- baut und mit Marmor ausgekleidet. Der Schwan, ein Symbol des Mutes, der Tapferkeit, aber auch Fruchtbarkeit war somit in seiner Stellung als Kreuz am Himmel, das ideale Zeichen für den Tag des Consus und die damit verbundenen Spiele.

Bilder:Wikipedia / Der jetzige Zustand des Circus Maximus von Südosten, neben der rechts gelegenen Tribüne, Foto Rabax63 / Raub der Sabinerinnen; Gemälde von Johann Heinrich Schönfeld, Öl auf Leinwand, um 1640, Eremitage, St. Petersburg…/ The Yorck Project (2002) / Neptun auf Denar Kaiser Hadrians, Foto Hermann Junghans / Simulation Stellarium, Google-Maps

Ziege und Schwan im Geißenklösterle

Geißenklösterle im Bruckfelsmassiv (Achtal), Foto: Dr. Eugen Lehle

Funde aus der Höhle Geißenklösterle erzählen von einer Menschheitsgeschichte, die sich vom 300. bis ins 4. Jahrtausend erstreckt. Betrachtet man heute die Höhle, so kann man sich kaum vorstellen, weshalb die unterschiedlichsten Kulturen, vom Mittel-paläolithikum bis zur Ackerbaugesellschaft der Michelsberger Kultur diesen Ort immer wieder aufsuchten. Aber gerade im Ach – und Lonetal müssen diese frühen Nomad- en bereits erkannt haben, dass Teile der mäandernden Landschaft perfekt mit den Bewegungen von Sonne und Mond über einstimmen. Einer dieser Sporne, um die die Ach mäandert, liegt bei Weiler, einem Teilort von Blaubeuren. Aus der Luft betrachtet, liegt die Mittellinie dieser Spornes auf der Richtung er großen Mond- wenden. Nahezu in einem Halbkreis fließt hier die Ach um den Sporn auf dem die Höhle Geißen- kößterle liegt . Der Durchmesser dieses Kreises trifft im Nordosten auf das Felsen-labyrinth und die daran anschließende Brillenhöhle

Geißenklösterle und Mondrichtungen

Der Name Geißenklösterle soll im Mittelalter entstanden sein, als Hirten hier ihre Ziegen zum Schutz in die geräumige Höhle trieben. Doch wie der Sporn der Richtung des Mondes folgt, so folgt auch die Höhlenraum mit seinen parallelen Seitenwänden der Richtung der großen Mondwende Süd. War es also ein Mondkult, der die Menschen mit diesem Ort verband? Der heutige Name deutet auf einen Rest dieses Wissen hin, das einst die Menschen mit dieser Landschaft verbanden.

Speisung des Zeus, Jacob Jordaens.um 1640. Foto, The Yorck Project: DIRECTMEDIA Publishing GmbH

In einer der griechischen Götterlegenden säugte die Nymphe Amaltheia in Ziegen-gestalt das neugeborene Zeuskind, das vor seinem rachsüchtigen Vater Kronos nach Kreta flüchte. Amaltheia war eine der neun Ammen des göttlichen Zeus. Mit ihrer Milch säugt sie ihn und aus deren Hörnern flossen Nektar und Ambrosia. Der dankbare Zeus versetzte die Ziege deshalb später als Stern Capella, die kleine Ziege, an den Himmel und ihr abgebrochenes Horn machte er zum Füllhorn. So wurde dieses zum Symbol der fruchtbaren Natur und ebenso ein Attribut segens-spendender Gottheiten. Das Sinnbild der Erdfruchtbarkeit, Vegetation und der im Frühjahr erwachenden Triebkraft wurden fortan mit der Gestalt des Ziegenbockes verbunden. In allen Kulturen galt die Ziege als weibliches Pendant zum Sonnengott. Während der Christianisierung änderte sich dieses Bild des Ziegen-bockes radikal, denn während des Mittelalters wurde er zum Symbol des Bösen und galt als Ver- körperung des Teufels.

Luna, einer von 7 Planeten, Kupferstich Hans Sebald Beham, 1539, Scan by Yellow Lion

In der klassischen Astrologie ist der Mond das Symbol für das Weibliche, das Empfängliche, die Innerlichkeit und das Unbewusste, aber auch für das Vergängliche und den beständigen Wandel. Einen verdeckten Hinweis zur einstigen Macht-verteilung der alten Götter bietet ja auch die geschilderte Legende des Zeus. Eine Nymphe, Vertreterin des weiblichen Prinzips, füttert den hilflosen Säugling, der später zum Herrscher des Götterimperiums aufsteigt. Aber auch der Schwan verkörpert dieses weibliche Prinzip. Mit seinem langen biegsamen Hals und seinem weißen Gefieder gilt er zudem als Sinnbild der Reinheit und Anmut. Zudem gilt der weiße Schwan in der Kulturgeschichte als ein Symbol des Lichtes, der Reifung und Vollen- dung.

Sternbild Schwan, Erstsicht des Sternes Deneb zu dieser Zeit am Abend der Wintersonnenwende

Aus diesem Grund wurden Schwäne in den Mythologien vieler Völker zu Begleittiere von Göttern, wie Apollon, Brahma oder in einer Verwandlungsform der Göttervater Zeus. Ganz passend zu dieser Vorstellung wurde in der Höhle auch eine Flöte ge- funden, deren Alter auf rund 43000 Jahre geschätzt wird. Sie wurde einst aus dem Flügelknochen eines Singschwanes geschnitzt. Das Instrument konnte bereits 1990 aus über 20 Fragmenten zusammengesetzt werden und hat eine Länge von 126,5 mm. Mit nur drei Grifflöchern hat sie eine relativ hohe Tonlage, die damit der Stimme von Singschwänen nahekommt. Maß und Material weisen jedoch noch auf zwei wichtige Aspekte hin. Das Maß 12,65cm unterscheidet sich nur 1,1% vom 1/8 m, dem Maß, das auch die Entfernung vom Hohle Fels und der Sirgensteinhöhle bestimmt. Dass ausgerechnet ein Schwanenknochen für die Flöte verwendet wurde, dürfte aber noch einen andern Grund besitzen. Das außergewöhnlich beein-druck- ende Sternbild des Schwanes stand zum Herbstäquinoktium, kurz nach Sonnen-untergang wie ein Kreuz im Norden und kurz nach Sonnenuntergang zur Winter-sonnenwende nahezu waagrecht am Himmel. In dieser Position sah er dann aus, als würde er der neugeborenen Sonne entgegen fliegen. Der Schwan lieferte also nicht nur das Werkmaterial für die Flöte, sondern war in dieser Epoche ein wichtiger Zeitmarker am Himmel und damit sicher auch eine mythologisch bedeutsamen Gestalt. Die Gestalt des Schwanes wirft aber auch die Frage auf, ob diese Bilder auf Grund ihrer Ähnlichkeit zu Tierwesen, ab dem ersten Erkennen am Himmel zu Urbildern der Menschheit wurden.

Nachbildung der Flöte 1, Foto José-Manuel Benito Álvarez

Bilder: Wikipedia / Geißenklösterle im Bruckfelsmassiv (Achtal), Foto: Dr. Eugen Lehle / Speisung des Zeus, Gemälde von Jacob Jordaens (um 1640). Links der kleine Zeus; unklar ist, ob die melkende Nymphe oder die Ziege Amaltheia darstellt., Jacob Jordaens – The Yorck Project: 10.000 Meisterwerke der Malerei. DVD-ROM, 2002. ISBN 3936122202. Distributed by DIRECTMEDIA Publishing GmbH./Luna, einer von sieben Planeten (Kupferstich von Hans Sebald Beham, 1539), Scan by Yellow Lion / Nachbildung der Flöte 1, José-Manuel Benito Álvarez/ Simulation, Sunearthtools, Stellarium, Opentopomap /

Augusta Raurica und der Schwan

Augusta Raurica Theater, Guido Radig

Die Ausrichtung römischer Stadtanlagen und deren Gebäude sind ein Spiegel jener von Mythologien geprägten Zeit. Auch in der römischen Stadt Augusta Raurica sind diese Ge- danken noch erkennbar. Ihre Reste liegen heute auf dem Gemeindegebiet der Stadt Kaiseraugust, einige Kilometer östlich von Basel. Nach einer Grabinschrift von Cäsars Feldherrn Lucius Munatius Plancus zu urteilen, wurde die Colonia vermutlich am 21. Juni des Jahres 44. v. Chr. gegründet. Noch besser würde das Gründungsdatum allerdings zum Festtag der Göttin Fes Fortuna am 25. Juni passen, denn an diesem Tag stimmt Sonnenaufgang und Ausrichtung der Stadtgeometrie auf ideale Weise überein.

Göttin Victoria (Fortuna), Pfeiler, Ad Meskens

Zum Zeitpunkt der Gründung war die Größe der Ansiedlung noch bescheiden. Einen ent- scheidenden Aufschwung nahm sie erst um die Zeitenwende und erreichte ihre Blütezeit zwischen dem 1. und 3, Jahrhundert. In dieser Zeit entwickelte sich der Ort zu einem wichtigen Handelsknotenpunkt und erhielt zeittypische Bauwerke, wie Amphitheater, Tempel und ein großes Forum. Ähnlich wie in Lugdunum folgten die wichtigen Bauwerke ihrer eigenen Gesetzmäßigkeit und wurden nicht nach dem römischen Straßenraster ausgerichtet. Der Winkel mit dem das Raster nach Nordwesten hin ausgerichtet wurde, zeigt auch das Verlangen nach einer perfekten Übereinstimmung mit den göttlichen Mächten. Vom Meridian aus gemessen, beträgt der Winkel des Sonnenaufganges 54°, was von der Ost-Westachse aus gemessen einen Winkel von 36° ergibt. Die Zahlen 36 und 30 tauchen auch beide im Rechteck auf, das als Grundfigur für den Plan Augusta Rauricas diente. Beide Winkel stehen auch im symbolischen Verhältnis 3zu 2, wobei die Zahl 3 in der Antike der Zahl des Planeten Venus entsprach, in dem sich die Mutter Roms verkörperte. In der Einteilung der Planeten entsprach die 2 auch dem sonnennächsten Planeten Merkur, in dem der in allen Teilen des Reiches beliebte Gott des Handels, Merkur gesehen wurde. Wird aber die Zahl des Vollkreises durch die 54 geteilt, entsteht der Wert 6,6666…., die Reihe der ersten vollkommenen Zahl 6. Berühmtheit erlangte diese Zahl durch die Offenbarung des Johannes, wo die Zahl 666 allzu oft als die Zahl des Tieres angesehen wird., Mathematisch entspricht sie aber der Summe aller Zahlen von 1-36 und ist somit auch ein Symbol des Kreises. Gleichzeitig bestimmte sie hier auch als Maß den Plan von Augusta Raurica.

Ausrichtung Augusta Raurica

Dem Gedanken der Vollkommenheit, der sicher auch ein Grundgedanke des Augustei-ischen Friedens war, zeigt sich auch in der Zahl 6, die die erste vollkommene Zahl dar-stellt, da bei ihr Teiler und Summanden gleich sind. Sie taucht ebenso beim Würfel auf, der in der Antike als ein Sinnbild der Erde galt. Auch die Verfasser der Bibel bedienten sich ihrer Symbolkraft, denn hier wird die Dauer der Schöpfungswoche mit 6 Tagen ange- geben. Symbolische Zahlenverhältnisse legten also das geistige Grundgerüst für die Plan- ung der Stadtanlage, doch sie allein reichten nicht für die Verbindung von gebauter Welt und Mythologie. Dies zeigt die Ausrichtung der Stadt auf den Sonnenaufgang am Tag der Fes Fortuna, aber auch die Ausrichtungen von Theater und Tempel, die beide achsial gruppiert sind. Wird diese Achse mit dem Sonnenaufgang in Bezug gesetzt, so entspricht die Richtung dem Sonnenaufgang am 19. April. An diesem Tag wurde im römischen Reich das Fest der Göttin Ceres gefeiert, Die Richtungsübereinstimmung von Theater und Tempel könnte durch die zeitgleich stattfinden ludi Cereris begründet sein die bereits einige Tage vor dem 19. April begannen. Der Ceres-Kult entstand im 5. Jhd. v. Chr. und glich in seinen Grundzügen dem der griechischen Göttin Demeter, der Göttin der Land- wirtschaft.

Kolossalstatue der Ceres (Vatikanisches Museum, Rom), Ty683g542

Nach und nach wurden von den Römer auch die Mythen der griechischen Göttin über- nommen und in einem jährlichen Mysterienspiel aufgeführt. In dessen Zentrum stand die Tochter der Ceres, Libera. In der Handlung wird sie in die Unterwelt entführt und dann von ihrer Mutter wieder erlöst. Die Ausrichtung Augusta Raurica kann zum einen durch den Sonnenaufgang und die Symbolik des Winkelmaßes erklärt werden, doch auch der Stern Deneb aus dem Sternbild des Schwans darf hier nicht unerwähnt bleiben. Zu dieser Zeit war er kurz nach Sonnenuntergang in dieser Richtung zu sehen. Der Schwan war das heilige Tier Apollons. Der Legende zufolge kam Apollons Mutter Leto aus dem Norden, dem Land der Hyperboreer, dem Land in dem die singenden Schwäne lebten. Er selbst wurde nach der Erzählung zur Wintersonnenwende in einer Höhle auf der schwimmenden Insel Delos geborgen. Einer der zahlreichen Legenden hat auch eine Erklärung für die Entstehung des Sternbildes, das Kygnos den Sohn Apollons darstellt. Er war mit Phaethon, einem Sohn des Sonnengottes Helios befreundet. Der lieh sich eines Tages dessen Wagen aus, wobei er die Kontrolle über das Gespann verlor und abstürzte. Der entsetzte Kygnos sprang in den Fluss um seinen Freund zu bergen, doch dabei starb auch er. Helios erhob den treuen Freund seines Sohnes schließlich als den heiligen Schwan in den Sternenhimmel. So wird er später zum Symbol des Mutes, der Reinheit und Vollkommenheit. Generationen von Rittern dient er im Mittelalter als leuchtendes Vor- bild. Unter dem Blickwinkel einer Schutzgottheit erscheint auch der Beiname in einem andren Licht. Rauris wird gerne mit `unser Tal´ übersetzt, doch im althochdeutschen Wort rāwa* scheint jenes Verlangen der Menschen noch durch, das einst eine Schutzgottheit befriedigen sollte, die Sehnsucht nach Ruhe und Frieden.

Bilder: Wikipedia /Augusta Raurica Theater, Guido Radig / Victoriapfeiler, Ad Meskens ‚/Kolossalstatue der Ceres (Vatikanisches Museum, Rom), Ty683g542/ Simulation sunearthtools, Stellarium

Swanegow

Brahma auf dem Schwan

Sein weißes Gefieder machte den Schwan zu seinem Sinnbild der Reinheit und Wand- lungsfähigkeit. Seine Stimme und seine Anmut ließen ihn in vielen Kulturen zu einem Tier der Götter werden. So ritt der Hindu-Gott Brahma auf einem Schwan, welcher ihm als eine Art Kutsche diente. Ein ähnliches Bild findet man auch bei den Kelten, welche verzauberte Schwäne vor ihren Kultwagen spannten. In der lateinischen Fassung des Physiologus, einer Naturlehre die um 830 entstand, ist von den herausragenden Eigenschaften des Schwanes noch keine Rede, doch im Jahr 856 berichtet Hrabanus Maurus in seiner Schrift `De rerum naturis´ mehr über den Schwan. Er schreibt, dass so gut singen könne, weil er einen langen und biegsamen Hals hat. Ebenso erwähnt er die Schwäne als Wahr- sagevögel der Griechen die sie auch bei einem Schiffbruch nicht untergehen ließen. Den legendären Ton des Schwanes, der einer Posaune gleicht, greift auch die  frühmittel- alterlichen Schwanenklage auf und hier wird er zum Gegenstand zahlreicher Legenden. So hielt sich der Glauben an diesen Schwanengesang, den das Tier anstimmte wenn es sein Ende spürte, noch bis in das späte Mittelalter. Aber bereits im Jahr 77 schrieb der römische Dichter Plinius der Ältere: `Man erzählet von einem kläglichen Gesange der sterbenden Schwäne, aber aus einigen Erfahrungen halte ich es für falsch´. Doch ganz so abwegig wie es Plinius sah, stellt sich der Gesang des Schwanes nicht dar. So berichtete  der amerikanische Zoologe Daniel Giraud Elliot Ende des 19. Jahrhunderts von einem Pfeifschwan, der durchaus musikalische töne hervorbringen kann. Den hatte er während des Fluges geschossen und während er zu Boden glitt, schreibt Elliot, habe er eine Reihe `leidender und musikalischer Noten´ produziert, die geklungen hätten, wie wenn man leise die Töne einer Oktave spielt´.

Hiltbolt von SchwangauHiltbolt von Schwangau, Codex Manesse

Ganz im Sinne dieses Schwanenmythos lebte der um 1221 geboren Hiltbolt von Schwangau, denn er galt zu seiner Zeit als einer der berühmtesten Minnesänger. Doch zu dieser Zeit nannte sich das Rittergeschlecht bereits nach dem Höhenzug, dem Schwanenberg. Er wurde später zum Namensgeber einer ganzen Landschaft. Dafür bietet der nordöstlich gelegene Hornburg eine Erklärung. Vom Standort der beiden Vor- läuferburgen Neuschwansteins aus betrachtet, stieg der hellste Stern Deneb aus dem Sternbild des Schwans im 11. Jahrhundert über den schroffen Bergkegel auf. Auffällig ist die damalige Erstsichtung des Sternes unter einem Winkel von 43°, bezogen zur Nord- richtung. Die beiden Zahlen 4 und 3 stehen sinnbildlich für die frühe christliche Vorstell- ungen vom Aufbau der Welt. Vier Himmelsrichtungen standen für die Erde, über die eine göttliche Dreiheit herrschte. Folgerichtig taucht die vier auch in der Anzahl der Evangelien auf, die die Lehre dieser Trinität verkünden. Die Gradzahl des Vollkreises, dividiert durch die 12 führt dann wieder zurück zur Zahl der Trinität. Die 4 und die 3 addiert ergeben die 7, die bereits bei den Sumerern eine heilige Zahl darstellte, da sie die 7 Planetengötter ver- körperte. Auch bei den Pythagoreern galt sie als ganz besondere Zahl. In deren Lehre stellt  die 7 dein Sinnbild für die Spanne der Lebenszyklen eines Menschen dar.

Der Hornburg

Neuschwanstein und der Schwan

Der Mensch steht auch im Mittelpunkt der Heilkraft des seltenen Minerals Coelistin, des- sen Vorkommen im Hornburg belegt ist. Der Name Coelestin stammt vom griechischen Wort `ceolestis´, was so viel wie himmlisch oder himmelblau bedeutet. In früheren Zeiten glaubten die Griechen, dass die Kraft des Steines nur dann wirkte wenn man ihn als Geschenk von einem Freund bekäme. Dadurch, so der Glaube, ist war er auch in der Lage alles Böse aus dem Körper zu heraus zu spülen. Die Römer nannten ihn auch Aura-Aura, weil sie um die Heilkräfte des Minerals bei Verletzungen und Wunden wussten, ebenso auch auf dessen stärkende Eigenschaft auf die Seele vertrauten. Als Heilstein wird dem Coelestin eine besonders starke Wirkung zugesprochen. Coelestin zählt auch heute noch zu den wichtigsten Heilsteinen. Ihm wird nachgesagt dass er Körper und Seele in Einklang bringt, gleichzeitig zu mehr Stabilität und Tatkraft verhilft.

Coelestin

Erste Aufzeichnungen zur Wirkung von Steinen gibt es in den Schriften der Veden. Dort wird beschrieben, wie unterschiedliche Steine zu Heilzwecken aufbereitet werden müssen. Parallel dazu entstand auch die eine kosmologische Sicht ihrer Heilwirkung. Auch im Mittelalter fand diese Steinheilkunde eine besondere Anerkennung. Bücher über Heilsteine, wie das Lapidarium des Benediktinermönches Marbod von Rennes, waren weit verbreitet. Hildegard von Bingen verband diese Leeren dann zu einer eigenen Stein-heilkunde. Sie glaubte, dass sich in der Seele des Menschen kosmische und göttliche Kräfte vereinten, die durch die Energie von Edelsteinen aktiviert werden. Dieser besondere Blick auf einen Berg, dessen himmlisches Mineral Heilung versprach und über dem zugleich der Schwan in den Himmel stieg, verhalf dem Höhenzug, wo heute Schloss Neuschwanstein steht, wohl zum redenden Namen `Swanegow´ , die Landschaft des mythischen Schwanes.

 

Bilder: Wikipedia / Brahma on Hamsa, Admin1 / Autorbild des Codex Manesse, Meister des Codex Manesse / Cölestin Fundort: Sakoany , Rob Lavinsky, iRocks.com / https://kinicounty.blogspot.de/  2016/10/unsere-bergwanderung-in-schwangau-auf.html / Berg Hornburg / Simulation Stellarium