Sonnenkult in Niedergundelfingen

Burg Niedergundelfingen bei Sonnenaufgang

Die Ruine Niedergundelfingen liegt auf einem Umlaufberg der Großen Lauter, nur 800 Luftlinie entfernt von ihrer Schwesterburg Hohengundelfingen. Vermutlich entstand die Burg am Beginn des 11. Jahrhunderts und wurde als Stammsitz der Herren von Gundel-fingen errichtet. Bis 1250 wurde sie dann von dem Ritter Swigger IX.de Novogundelfing ausgebaut Noch im 17.Jhd. gehörten zur Burg, die mit einem umlaufenden Graben ver- sehen ist, ein Backhaus, sowie eine dem heiligen Michael geweihte Kapelle. Die recht-eckige, ungewöhnlich hohe Zwingmauer entspricht in der Gestaltung der des stauf-ischen Wäscherschlosses Eine wohl im 17. Jhd. entstandene Sage erklärt die Ent- stehung beiden Burgen durch zwei verfeindete Brüder, denen ihr Vater beide Burgen erbauen ließ.

Umlaufberg mit der Ruine Niedergundelfingen, Foto Reiner Enkelmann

Konrad, der laut der Sage auf Niedergundelfingen lebte, traf eines Tages auf der Jagd ein wunderschönes Mädchen das er heiraten wollte, Als die Hochzeit bereits arrangiert war, ließ Eberhard, der verfeindete Bruder die Braut entführen und töten. Voller Zorn erblickte Konrad seinen Bruder auf der oberen Burg und schoß einen Pfeil auf ihn. Im selben Augenblick zielte aber auch er einen Pfeil auf ihn und so wurden beide zur gleichen Zeit getötet. Das Motiv des Pfeiles, aber auch das der beiden Brüder erinnert auch an die wesentlich ältere Sage der Edda, in der ebenfalls ein Brudermord mit einem Pfeil geschildert wird. Baldur und Odin Zwillingsingsbrüder und Söhne des obersten Gottes Odin. In der Sage verkörpert Baldur die positiven Eigenschaften seines Vaters und steht für Aspekte wie Glück und die Schönheit der Welt. Der blinde Hödur aber steht für Odins dunkle Seite, die sich am Tod erfreut.

Balder wird unter Lokis Anleitung von Hödur mit einem Mistelzweig getötet. Aus einer isländischen Handschrift des 18. Jahrhunderts. Wikimedia

Dies erfüllt ich auch in einer schicksalshaften Begegnung der Brüder, bei der Hödur seinen Baldur mit einem Mistelzweig erschießt. In doppelter Form verweist dieses Ereignis auf die Sonnenwenden, denn während der Sommersonnenwende entfalten sich die Blüten der Mistel für kurze Zeit und eifen dann bis zur Wintersonnenwende. Wie die Mistel, so reifen auch zahlreiche amdere Kräuter, wie das Johanniskraut zu diesen Zeitpunkt. Baldur der nordische Gott des Lichtes, ist auch mit dem griechischen Apollon vergleichbar. Im Sagenkreis der Edda verkörpert er die Sonne und seine Schwester Nana den Mond. Betrachtet man den Kreislauf der Natur, so steht die Freude über das Leben und die Trauer über den Tod in enger Beziehung. Deshalb musste in dieser Vorstellungswelt eines stetigen Kreislaufes auch der Sonnengott am Tag seiner größten Kraftenfaltung sterben, damit er zur Wintersonnwende als Sonnenkind neu geboren werden konnte. Der Beliebtheit dieses Mitsommerfestes setzte das Christentum 2 gewichtige Heilige entgegen.  Als leuchtendes Beispiel des Glaubens wird Johannes der Täufer am 24. Juni gedacht und er ist neben Maria auch der einzige Heilige dessen Geburt gefeiert wird

Mosaik Johannes’ des Täufers in der Hagia Sophia in Istanbul (12. Jh.)

Johannes steht damit am Endpunkt einer Reihe von Propheten, die auf das Kommen von Jesus vorbereiten und in dieser Rolle macht er auch eines Tages die Aussage: `Er muss wachsen (Jesus) , ich aber abnehmen´. Dies erfüllt sich dann auf grausame Weisem, denn Johannes wird auf der Festung des Herodes auf Wunsch der Salome enthauptet. Diesem Ereignis wurde einst mit dem Ende des Sommers, am 29. August gedacht. Während Johannes für das Sterben der Sonne steht, diente der heilige, Vitus mit seinem Martyrium in einem Kessel kochenden Wassers als indirekte Warnung die alten Bräuche nicht weiter zu verfolgen. Gerade der Kessel war das Sinnbild für jene berauschenden Kräuter-getränke die zu ekstatischen Freudenfeiern während des Mitsommerfestes ge- trunken wurden. Dass gerade diese beiden Burgen für den Tag der Sommersonnenwende stehen liegt an ihrer geradezu perfekten Lage.So ist vom Standort der Ruine Niedergundelfingen aus der Sonnenaufgang am Morgen der Sommersonnenwende direkt hinter dem Turm von Hohengundelfingen aus zu beo-bachten. Dann wirkt der aus Buckelquadern gebaute Tum für wenige Augenblicke wie ein Kreuz das von einem Strahlenkranz umgeben ist. Dieses Ereignis bietet auch eine Erklärung für den Name Gundelfingen. So scheint der Name Gundel aus aus den germanischen Wort für Streit und Kampf entstanden zu sein. Dieses deutet hier aber nicht allein auf kampfbereite Ritter oin , sondern eben auch auf den Kampf der Sonne im Zenit ihrer Laufbahn und den damit einhergehenden Abstieg.Dass dieser Sonnenbezug der beiden Orte bereits Jahrtausende früher bekannt war, darauf deuten die zahlreichen Funde aus der Bronzezeit entlang des Lautertales.

Hohengundelfingen – Sommersonnenwende,eigen

Bilder: Wikipedia/ Im Zentrum der Umlaufberg mit der Ruine Niedergundelfingen, im Vordergrund Hohengundelfingen, Foto Reiner Enkelmann CC BY-SA 3.0 de / Balder wird unter Lokis Anleitung von Hödur mit einem Mistelzweig getötet. Aus einer isländischen Handschrift des 18. Jahrhunderts. Wikimedia gemeinfrei /Mosaik Johannes’ des Täufers in der Hagia Sophia in Istanbul (12. Jh.)Wikimedia gemeinfrei/Niedergundelfingen(Sommersonnenwende) eigen/ Hohengundelfingen -Sommersonnenwende,eigen Opentopomap, Stellarium

 

Die Hexentanz auf dem Burgbühl

Narrendenkmal `Hexeneck´ in Obernheim, Foto Veit Feger

Auf der südlichen Alb m in der Region des großen Heuberges liegt das Dorf Obernheim. Nordwestlich des Dorfes erstreckt sich der Burgbühl, der auch als Hexenbuckel be- zeichtnet wird. Bereits Martin Crusius, der Schwäbische Chronist befasste sich in seinem Werk mit dem Phänomen der Hexen auf dem Gebiet des Großen Heuberges. Dort, wo hunderte verstreut liegende Grabhügel aus der Bronze- und der Hallstattzeit Zeugnis von den untergangenen Kulturen ablegen, soll eines ihrer bevorzugten Gebiete gewesen sein. Als ganz besonderer Treffpunkt galt aber der Hexenbuclel und gemäß den Aufzeichnungen von Crusius, sollen nachts Hexen und Hexenmeister zusammen-gekommen sein ´um mit den Teufeln zu tanzen, zu buhlen, Menschen und Vieh zu beschädigen´. Im Jahr 1589 wurden deshalb auch mehrere Männer und Frauen ange- klagt und verbrannt. Crusius sah aber die dort identifizierten Gespenster nicht als Hexen an, sondern machte sich ganz eigene Gedanken zu den übernatürlichen Erscheinungen auf dem Hexenbuckel. Er vermutete, dass an solchen Orten, wo Menschen diese Art von Gespenstern sehen, früher Schlachten geschlagen wurden und deshalb noch im- mer die Seelen der dort getöteten Soldaten umher irrten. Auch das häufig berichtete Wiehern von Pferden soll nach seiner Auffassung ebenso von Seelen getöteter Pferde stammen. Die Geschichte des Burgbühls begann im frühen 13.Jhd. mit der Errichtung einer Burg. Von ihr ist nichts mehr erhalten und auch nähere Untersuchungen des Ort- es gibt es nicht. Dass die Anhöhe überhaupt mit Hexen in Verbindung gebracht wird ist an ihrer Lage zum Ort Ibernheim und Ausrichtung der Albkuppe zu erkennen. Ein Aspekt ist hier der Sonnenuntergang der vom alten Ortsmitte Obernheims und der heutigen Kirche St.Afra am 1.Mai über dem Hexenbuckel zu sehen ist. Zudem weist die tropfen- förmige Ausprägung der Anhöhe mit ihrer Mittellinie auf den Sonnenaufgang zur Som- mersonnenwende über einem weiteren bedeutenden Ort. Folgt man dieser Richtung vom Burgbühl aus, so ist der erste Geländepunkt im Nordosten der Gräbelesberg am Rande des Eybachtales,

Sonnenrichtung Burgbühl

Diese Linie führt weiter zum nordöstlich gelegenen, pyramidenförmigen Gipfel des Heersberg. Auf allen drei Bergen lagen einst Burgen, wobei heute aber nur noch noch die Wallreste auf dem Gräbelesberg zu erkennen sind. Trotz dem Mangel an Mauerrest- en gibt es Rekonstruktionszeichnungen für die Burgen Hartmut Braun auf seiner Web- site Deutsche Burgen. Doch nur bei einer der drei Burgenplötze konnten bis heute frühere Besiedelungsspuren nachgießen werden. So deuten Wallreste und Funde auf dem Gräbelesberg auf eine Höhensiedlung hin, die dort im 6.Jhd. errichtet wurde. Damit enttspricht die Linie der Sommersonnenwende auch häufig anzutreffenden keltischen Siedlungsmustern Die Gedenktage von Heiligen, wie Veit oder Johannes der Täufer sollten die alten Kulte de Sommersonnenwende ersetzten, doch im Verlauf des späten Mittelalter erfreuten sich die die ausgelassen Feste an diesem Tag wieder großer Be- liebtheit. Bis zum 16. Jhd. war das Datum ein gesellschaftliches Ereignis, bei dem sich auch der Adel unter das gemeine Volk mischte und mit ihm um das Sonnwendfeuer tanzte. In vielen großen Städten, wie beispielsweise Augsburg, München, oder Wien wurden diese auch mitten in der Stadt entzündet. Doch das ausgelassene Treiben weckte den wachsenden Widerstand von Kirche und Obrigkeit, die den sittlichen Verfall anprangerten.

Hexenflug der `Vaudoises´ ,Handschrift von Martin Le Franc, Le champion des dames, 1451.

Ende des 15.Jhd`s wurden deshalb erste Verbote ausgesprochen und während der Zeit der Gegenreformation wurde das das Fest der Sommersonnenwende gar mit heidnisch- em Treiben in Verbindung gebracht. Parallel zu den ausgesprochen Verboten entwick- elte sich Dank umfangreichen Schriften auch die Vorstellung von Hexen und deren Ge- folge. Sprachgeschichtlich zeigt sich hier eine Verwandtschaft des Wortes mit dem mittel hochdeutschen hagazussa, der `Zaunreiterin´ . Aus diesem Grund befasste sich währ- end des Konzils in Basel von 1431-1449 die Kirche auch mit den in dieser Zeit einsetz- enden Hexer- und Ketzerprozessen. Konkretisiert wurde das Vorgehen in der von Papst Innozens VIII im Jahr 1484 verfassten Hexenbulle. Darin wurde die Begiffe der Hexerei ausgeführt und deren Verfolgung rechtlich verbindlich angeordnet.

Zeitgenössische Darstellung der Hexen auf dem Blocksberg aus dem 16. Jhd.

Die Bulle `war gerichtet `gegen sehr viele Personen beiderlei Geschlechts, die mit ihren Be- zauberungen die Geburten der Weiber umkommen machen und verursachen.´ Der Freibrief führte in den folgenden Jahrhunderten zur Verfolgen und Tötung Tausender Unschuldiger. Das Fest zur Sommersonnenwende war nun endgültig negativ belegt und und lebte aber dennoch in Gestalt der Johannifeuer am 24. Juni weiter. Doch die Be- geisterung für den Karneval im alemannischen Raum ließ auch die Hexen in Obernheim wieder auferstehen und so wurde am 5. Februar 1939 die Hexenzunft Obernheim ge- gründet.

Burgbühl im Winter

Bilder: Wikipedia / Narrendenkmal „Hexeneck“ in Obernheim, Photo: Veit Feger – Photograph by Veit Feger / Hexenflug der „Vaudoises“ (hier Hexen, ursprünglich Waldenser) auf dem Besen, Miniatur in einer Handschrift von Martin Le Franc, Le champion des dames, 1451. / Hexenflug der `Vaudoises´ ,Handschrift von Martin Le Franc, Le champion des dames, 1451.Zeitgenössische Darstellung der Hexen auf dem Blocksberg aus dem 16. Jhd. Burgbühl im Winter Tourismus BW / Sonnenrichtung Burgbühl opentopomap, Sunearthtools

Wackerstein – der letzte Kultort der Kelten

Wackerstein von Nordosten

Der 80m lange und 25m hohe Felsvorsprung bei Pfullingen gehört zu den markantesten Felsen der Alb. Er ist ein gewaltiger, freiliegender Schwammstotzen des oberen Jura- kalkes, der ein nach Nordwesten ausgeformtes Plateau abschließt. Bei guten Wetterlagen bietet das Plateau des Wackersteins eine Aussicht bis zu Alpen. Überdauerte der Fels Millionen von Jahren, gehört das Wort wacker gehört mittlerweile zur Kategorie der aus- sterbenden Wörter. Trotzdem wird das Wort noch im Duden mit der Bedeutung recht- schaffen oder tüchtig erklärt. In diesem Zusammenhang bedeutet es auch wacker arbeiten oder kämpfen. In der Geologie ist der Name auch als Grauwacke, als eine graue Gesteinsart bekannt. Grimms Wörterbuch beschreibt ihn als `zunächst vom Wasser fortgeschobenen Stein´. In der althochdeutschen Sprache hatte das Wort wacchar noch die Bedeutung wach und wachsam. Auch Martin Luther lies diese Bedeutung in seinem Spruch 20,13 noch einmal aufleben in dem er schrieb: `Liebe den Schlaff nicht / Das du nicht arm werdest / Las deine Augen wacker sein / So wirstu Brots gnug haben.´ Der Reutlinger Kaufmann und Autodidakt Theophil Rupp sah noch einen anderen Ursprung im Namen Wackerstein. Er führte ihn direkt zurück auf einen Beinamen Odins, der auch mit Waeckere, also der Wachsame bezeichnet wurde.

Wackersteinfels

Das Bergplateau ist auffallend symmetrisch geformt, wobei seine Mittelachse auf den Sonnenuntergang der Sommersonnenwende weist. In der entgegengesetzten Richtung ist der Sonnenaufgang zur Wintersonnenwende dann über dem Gießstein zu sehen. Bereits 1893 waren dem Albvereinspräsident Eugen Nägele hier einige ungewöhnliche land- schaftliche Merkmale aufgefallen. So berichtete Nägele von umlaufenden Terrassen am Wackerstein, die in regelmäßiger Folge alle 10m seine Hänge gliedern. Dieswar ein erster  Hinweis, dass die Blickbeziehungen auf dem Wackerstein wohl durchdacht wurden und die Landschaft daraufhin angepasst wurde. Ähnliches bestätigt auch die geometrische Form des Plateaus, dessen Höhenlinien symmetrisch zur Richtung des Sonnenunt-erganges der Sommersonnenwende liegen. Auch hier stellt sich die Frage nach der Zeit in der dies geschah.

Opfergaben für Lenus-Mars am Martberg

Eine der vielen Möglichkeiten könnte die Zeit des 4. Jahrtausends bieten, als eine Ein- wanderungswelle in Mitteleuropa eine völlig neue Kultur schuf. Für diese Zeit bot das Plateau des Wackersteines ideale Eigenschaften. Während die Sonne zur Sommer-sonnenwende im Nordwesten über dem Rosskopf bei Bad Herrenalb unterging, erschien genau entgegengesetzt in der Achse, am Abend der Wintersonnenwende der Stern Capella am Abendhimmel und bot sich so zur Justierung des Kalenders an. Der Reutlinger Autor Jürgen Meyer schreibt in seinem Buch `Legenden auf der Spur´ vom Wackerstein als einer letzten Opferstätte der Vorzeit. Funde von Archäologen am Fuß des steil abfallenden Felsen haben ihn zu diesem Schluss veranlaßt. Die gefundenen Tonscherben stammen aus dem 2. Jhd. v. Chr., doch aus der Zeit bis 50 v. Chr. sind kaum noch Spuren vorhanden. Dieses Phänomen lässt sich auch gesamten Region beo- bachten. Ein einschneidendes Ereignis muss in dieser Zeit die keltische Kultur dezimiert, oder veranlasst haben das Land zu verlassen. In diese Epoche fällt auch das Ende des Heidengraben, das größte bislang erschlossene Oppidum der Kelten nördlich der Alpen.

Wackerstein, Sonnenrichtung

Der griechische Universalgelehrte Ptolemäus schreibt später über eine menschenver-lassene Landschaft nördlich der Alpen und nennt sie die `Einöde der Helvetier´. In der Zeitschrift Science 12/2016 berichtet Gerry Shaw von den neuesten Untersuchungen auf der Heuneburg. Dort wurde bei Toten die DNA des Krim- Kongo Fiebers, eines durch Zecken übertragenen hämmoragischen Fiebers festgestellt. Neben Wurmbefall, der ebenfalls auf der Heuneburg festgestellt wurde, litten Kelten aber noch unter einer anderen Krankheit: Rosacea. Dies ist eine unangenehme Krankheit, die zu Entzündungen der Schleimhäute, ständig geröteter Haut und Wucherungen führt und in der Antike auch als Fluch der Kelten bezeichnet wurde. Auch heute tragen je nach Region 5-20 Prozent der Menschen die Anlagen noch in sich. Aber es waren nicht nur Krankheiten, die lange vor dem Eintreffen der Römer die hier ansäßige Bevölkerung dezimierten, sondern auch ein Witterungsumschwung der sie begünstigte. Bohrkerne im Grönlandeis weisen auf große Vulkanausbrüche im 1. Jahrhundert hin, ebenso eine abnehmende Sonnenaktiviät. Dies bestätigen auch Ergebnisse von Forschungen am Meerfelder Maar. Sie ergaben, dass die Sonneneinstrahlung sich in dieser Zeit innerhalb weniger Jahre um bis zu 8% verminderte. Der römische Schriftsteller Ovid schreibt später von einer trauernden Sonne die der besorgten Erde nur ein blässliches Licht spendete. Der dann wieder einsetztende Temp- eraturabstieg kam für die keltische Kultur zu spät, er begünstigte nun den Aufstieg Roms zur Weltmacht.

Rosacea, der Fluch der Kelten

Bilder: Opfergaben für Lenus- Mars am Martberg, https://incipesapereaude.wordpress.com/ 2014/09/29/gotterwelt-lenus-mars/ Simulation, Sunearthtools, Stellarium

Johannes und die Sonnensymbolik

 Ain Karem

Mit seiner Entdeckung in dem kleinen Ort Ain Karim, oder auch En Karim geschrieben, glaubte der jüdisch-englische Archäologe Shimon Gibson ein weiteres Glied innerhalb der Beweiskette biblischer Geschichte gefunden zu haben. Nach den Überlieferungen soll der kleine Ort Ain Karim, ganz in der Nähe Jerusalems, der Geburtsort von Johannes dem Täufer gewesen. Er war der Sohn von Elisabeth, einer Cousine Marias, und des Zacharias, eines Priesters im Tempel von Jerusalem. Zur Begegnung von Maria und Elisabeth in Ain Karim berichtet das Lukasevangelium, dass Maria nach der Verkündigung des Engels von der Geburt Jesu in eine Stadt im Bergland von Judäa ging um dort ihre Cousine zu besuchen. Gerade in diesem Evangelium wird der Lebensgeschichte des Täufers und Jesus viel Platz eingeräumt, denn beide Biografien sind nicht nur durch die verwandtschaftlichen Beziehungen eng miteinander verwoben.

Kopfreliquie des Johannes in Amiens

Für die Datierung des Geburtstages von Johannes am 24. Juni gibt dieser Text wichtige Hinweise, denn Elisabeth soll nach einem Wunder bei der Begegnung bereits im 6. Monat schwanger gewesen sein. Da das Ereignis der Verkündigung 9 Monate vor dem Geburtstermin Jesu, also am 25. März stattfand, wurde der Geburtstermin des Johannes auf den 24. Juni gelegt. Der jüdisch-römische Geschichtsschreiber Flavius schrieb über ihn: `Johannes lebte als Asket in der Wüste, er trug ein Gewand aus Kamelhaaren und einen ledernen Gürtel um seine Hüften. In der Wüste aß er Heuschrecken und wilden Honig´. Genau zu dieser Beschreibung passte eine in den Fels geritzte Figur, die Shimon Gibson in einer Höhle von Ain Karim fand. Sie hält einen Stab in ihrer rechten Hand und ist mit einem Lendenschurz bekleidet. In ihrer Form erinnert sie an früh- byzantische Darstellungen von Johannes dem Täufer. Gibson ist sich sicher, dass sie von frühen Verehrern des Täufers stammt, die die Höhle für ihre Messen genutzt hatten und hält deshalb die Darstellung für authentisch.

Johannes, Ritzzeichnung in der Höhle von Ain Karim

Seine eigentliche Tätigkeit führte Johannes aber am Jordan aus, wo er dann eine Reihe von Anhängern um sich scharte, die er mit Wasser, dem Symbol der Errettung vor dem kommenden Weltgeschehen taufte. In der Nähe des heutigen al-Eizariya, auf der Ostseite des Flusses nahe des Toten Meeres, soll er dann auch Jesus getaut haben. Der wort- gewaltige Täufer nahm kein Blatt vor den Mund und scheute sich nicht auch den Lebenswandel des römischen Klinitelkönigs von Herodes Antipas zu kritisieren. Er warf ihm öffentlich vor, eine unrechtmäßige Verbindung mit seiner Schwägerin Herodia ein- gegangen zu sein. Seine Enthauptung nach dem Tanz der Salome, der Tochter des Herodes, wurde später zu einem beliebten Motiv in der Kunst. Der Ort dieses Geschehens war die südwestlich am Toten Meer gelegene Festung Machaerus, der Palast des Herodes. Sie liegt auf einem kegelförmigen Berg auf der Ostseite des Toten Meeres, im heutigen Jordanien, dort wo früher die Weihrauchstraße entlang führte. Nach der Er- oberung der Römer wurde die alte Festung zerstört und erst durch Herodes den Großen im neuen Römischen Stil wieder errichtet. Flavius Josephus beschreibt sie als unein- nehmbar und von furchteinflößender Stärke. Nach seinem Tod ging die Festung in die Hände seines Sohnes Herodes Antipas über, der Johannes hier gefangen hielt. Obwohl die biblischen Texte darüber allerdings keine genauen Aussagen machen, passt der Ort zur Biografie des Johannes, denn sie ist eng mit der Symbolik der Sonne verknüpft.

Gustave Moreau: Salomé, 1871

Zwei Beschreibungen, im Lukasevangelium und in der Offenbarung des Johannes, weisen auf diese Symbolik hin. So steht in Lukas 1,78f: `Durch die barmherzige Liebe unseres Gottes wird uns besuchen das aufstrahlende Licht aus der Höhe, um allen zu leuchten, die in Finsternis sitzen und im Schatten des Todes´. Noch besser wird der Zusam-menhang zwischen Sommersonnenwende (Geburtstag des Johannes) und Winterson- nenwende (Geburt Jesu) im Evangelium des Johannes geschildert: `Er (Jesus Christus) muss wachsen, ich aber muss abnehmen´ (Johannes 3,30). In den vorchristlichen Mythologie war die Sommersonnenwende eine wichtige Zäsur. Neben der Freude über die kommende Ernte, verband sich mit der wieder abnehmenden Sonne auch die Vorstellung vom Tod.

Hagen tötet Siegfried, Postkarte

Diesse Vorstellung verkörpert In der germanischen Mythologie der Götterjüngling Baldur. Er war der Sohn der Frigg und wurde von einem Pfeil aus einem Mistelzweig getötet, den der Feuergott Loki auf ihn schoss. Ausgerechnet die Mistel hatte Frigg als zu schwächlich erachtet Baldur töten zukönnen und hatte sie deshalb nicht in ihren Schwur eingebunden. Auch in er germanischen Nibelungensage wiederholt sich das Todesdrama in der Mitte des Jahres. Hier wird der strahlende Held Siegfried von seinem Gegner Hagen getötet. Gemäß den Aussagen unterschiedlicher Kulturanthpologen war die Sonnenwende in viel- en Kulturen auch das Datum um einen Sonnenkönig rituell zu töten, damit er während der Wintersonnenwende mit neuer Pracht wieder auferstehen konnte. Auch die Verfasser der biblischen Geschichte bedienten sich nicht nur bei den Daten der Sonnensymbolik, sondern auch in der Wahl der Orte. Blick man zur Sommersonnenwende von der Festung Machaerus in Richtung untergehende Sonne, geht sie genau über seinem Geburtsort unter. Wie andere biblischen Ereignisse, zeigt sich auch im Leben des Johannes eine perfekt durchdachte Konstruktion der Geschichte.

Sonnensymbolik bei Johannes dem Täufer

Bilder: Wikipedia/ Ein Karem in the Jerusalem hills, Gila Brand / Kopfreliquie in Amiens, Maxim Massalitin / Johannes Ritzzeichnung, https://koptisch.wordpress.com( Spiegel) / Gustave Moreau: Salomé, 1871 Gustave Moreau / Simulation, sunearthtools