Der Hohenzollern, ein Michaelsberg

Der Erzengel Michael von Raffael (1518), Louvre

Das Jahr 1566 überschatteten 2 Katastrophen. Im Juli wurden nach lang anhalten Regenfällen zahlreiche Städte entlang des Hochrheins und im Bodenseegebiet überflutet. Wenig später, am 10. August, wurde durch die Zerstörung religiöser Bilder in einer Kirche in Steenvoorde die Grundlage für den 80 Jahre dauernden Krieg der Niederlande gegen Spanien gelegt. Angesichts dieser Ereignisse erscheint die Arbeit des Froben Christoph von Zimmern nur allzu verständlich, denn er verfasste im Schloß Meßkirch die nach ihm benannte Zimmerische Chronik. Neben einer fantasiereich geschilderten Geschichte des Landes, erwähnt er auch den heutigen Hohenzollern mit dem heute völlig unbekannten Namen Michaelsberg. Später wurde dies, wie auch andere Details, als reine Erfindung des Herrn von Zimmern abgetan.

Zimmersche Chronik,Handschrift B, aufgeschlagen, Foto FA2010

Doch bei genauer Betrachtung liefert die Beschreibung des Hohenzollern einen Hinweis zu einem bislang weitgehend unbeachteten Phänomen, der Ausrichtung der Landschaft auf Gestirnssichtungen. Dies ist nicht nur bei einem den Kelten zugeschriebenen Kultstätten auf Bergen wie dem Donon zu sehen, sondern auch bei kretischen Bergheiligtümern. Die Geschichte des Erzengels Michael beginnt im Alten Testament mit der Vertreibung von Adam und Eva aus dem Paradies. Später besuchte er Abraham und teilte während des Exodus mit seinem Schwert das Rote Meer. Im Christentum wurde er dann in sehr unterschiedlichen Funkt-ionen verehrt. Diese Verehrung begann mit dem Wunder im süditalienischen Gargano, auf dem heutigen Monte Sant Angelo. Am 8. Mai 492, so die Erzählung, soll Michael einigen Hirten erschienen sein und ihnen mitgeteilt haben: `Diese Grotte ist mir heilig, ich habe sie mir erwählt, …´ In der Folgezeit entstanden nicht nur auf dem Mont-Saint-Michel, sondern auch an zahlreichen anderen Orten Kirchen die dem Erzengel geweiht wurden. Unter diesen Kirchen befindet sich auch die auf dem Michaelsberg bei Cleebronn. Neben dem Feiertag am 8. Mai gab es noch den eigentlichen Michaelitag am 29.September, dem Tag seiner dritten Erscheinung in Gargano. Ebenso wurde auch das Wunder von Alexandria am 6. Juni und ebenso seine Erscheinung bei Kaiser Konstantin am 9. Juni gefeiert. Auch die Kirche auf dem Mont Saint-Michel entstand nach einer Traumvision des Bischofs von Avranches, in der er im Jahr 708 vom Erzengel den Auftrag zum Bau der Abtei erhielt. Die meisten Berge, die den Namen Michael tragen, verbindet aber nicht nur die Aussicht, sondern ebenso die Ausrichtung der Landschaft hin zu einem Sonnenauf- oder Untergang an einem der Gedenktage des Michael. Deutlich wird dies beim symmetrisch geformten Mont Saint-Michel dessen Mittellinie auf den Michaelitag am 29.September gerichtet ist oder auch beim Michaelberg in Heidelberg.

Ausrichtung des Mont-Saint-Michel

Von ihm aus betrachtet ist der Sonnenaufgang bezeichnerzweise über dem nordöstlich gelegenen Heidenknörzel zu sehen. Auch die Landschaftsform des gleichnamigen Berges in Cleebronn weist auf ein Michaelsdatum. So deckt sih die Ausrichtung des als Wächter des Zabergäus bezeichnete Berg es mit der Verehrung in Konstantinopel wo er im von Kaiser Konstantin errichteten Michaelion am 9,Juni als Türwächter Konstantinpols verehrt wurde. Ähnlich diesen bekannten Michaelsbergen weist auch der Hohenzollern diese eigentümliche Ausrichtung der Lamdschaftsform auf. So zielte hier im Mittelalter die Mittellinie des elliptisch geformten Berges noch auf den Sonnenaufgang an jenem 8. Mai, an dem die Sonne über der Hornisrinde im Schwarzwald aufging.

Die Ausrichtung des Hohenzollern

Die Burg Hohenzollern

Mit dieser Sonnenausrichtung weist der Hohenzollern eine Eigenschaft auf die auch bei mediterranen Bergheiligtümer, wie denen der Minoischen Kultur zu beobachten ist. Auch dort standen Götterkulte und die Sonnenausrichtung der Landschaft immer in enger Verbindung. Eine Ideallinie ergibt sich beim Hohenzollern aber beim Sonnenaufgang am 2. Februar und dem Sonnenuntergang am 6.Mai. Beide Daten verweisen auf hier auf den vom schottischen Ingenieur Alexander Thom bei Stein-setzungen in England gefundenen megalithischen Kalender. Dieser Kalender hatte eine Unterteilung von 16 Monaten, in Monate mit je 23 und 22Tagen. So sind die, die Ideallinie des Hohenzollern bestimmenden Daten, genau zwei Monate vom in vielen Kulturen gefeierten Frühlungsäqutionoktium entfernt. War dies der Zeitraum der Angleichung der Landschaft an den Sonnenlauf, so bot im 30.Jhd. v. Chr. die letzte Sicht auf Acrturus, den hellsten Stern des Bärenhüters am 2. Februar eine weitere Möglichkeit einen Sonnenkalender abzustimmen. Es ist die gleiche Zeit, in der in Carnac und in England mit Steinsetzungen ebenfalls Kalenderanlagen errichtet wurden. Die Bezeichnung Michaelsberg, wie er in der Zimmerschen Chronik genannt wird, hat also hier durchaus seine Be- rechtigung. Vor diesem Hintergrund der Sonnenausrichtung gewinnt auch der in der Literatur erwähnte Name `Mons solarius´, der Sonnenberg, eine neue Bedeutung. Er bot in einer Zeit ohne Uhren hier die Möglichkeit, mit Hilfe der Sonne die Zeit zu ordnen und damit war er gleichzeitig auch ein Ort göttlicher Macht. Dass sich diese Macht ebenso in der Symbolik der Zahlen offenbart, zeigen die Daten der Michaelsfeiertage. So beträgt ist der Zeitabstand vom 8.Mai, dem Wunder von Gargano, bis zum Michaelitag am 29. September 144 Tage. Die 144 ist das Quadrat der 12. Im biblischen Kontext stehen die 1 und die 2i gemeinsam für Gort und seine Schöpfung. Als 144 taucht die Zahl  3 mal im Text der Johannesoffenbarung auf in der das letzte Weltgericht geschildert wird. Dort besiegt Michael dann das Böse in Gestalt eines Drachens und am Ende des Gerichtes werden 144000 gerettet.

Bilder: Wikipedia / Hohenzollern, Postkarte um 1938 / Der Erzengel Michael von Raffael (1518), Louvre,Raffael – Retouched from File:Le Grand Saint Michel, by Raffaello Sanzio, from C2RMF.jpg, originally C2RMF. Wiki gemeinfrei / Zimmersche Chronik,Handschrift B, aufgeschlagen, Foto FA2010 / Simmulation Sunearthtools, opentopomap, Heinrichs Kalenderumrechner

 

Meinrad und die Sülchenkirche

Sülchenkirche

Nordöstlich von Rottenburg liegt die Sülchenkirche. Der spätgotische Saalbau entstand um 1450, doch neuere Funde belegen dort dass Vorgängerbauwerke bis ins 7. Jahr- hundert zurückreichen. Dies belegen Grabungen aus jüngster Zeit, bei denen Reste einer frühmittelalterlich-karolingischen Steinkirche aus der Zeit um 750 freigelegt wurden. Dabei wurden auch weitere Hinweise auf eine noch ältere Holzkirche gefunden. Sie gilt auch als Mutterkirche der Stadt Rottenburg. Mit dem darunterliegenden Friedhof belegen die Funde, dass der Ort Sülchen seit 1500 Jahren als Bestattungsplatz diente. Der frühere Direktor des Landesamtes für Denkmalpflege, Dieter Planck, hielt deshalb die Sülchenkirche für einem `zentralen Fundpunkt´ für die Geschichte und die Kirchengeschichte Südwest-deutschlands und räumte ihr auch eine Sonderstellung innerhalb der Kirchenbauten ein.

Sülchenkirche, Blick nach Wurmlingen

Der Name Sülchen führt zu einem längst abgegangen Ort zurück, der Mittelpunkt des frühmittelalterlichen Sülchgaues war. Seine Ausdehnung entsprach in weiten Teilen des heutigen Landkreises Tübingen. Erstmalig fand der Gau eine Erwähnung in der im Jahr 888 ausgestellten Schenkungsurkunde des Königs Arnulf unter dem Namen `Sulihgeiuua´. Sprachgeschichtlich wird heute eine Verbindung zwischen dem Namen der römischen Siedlung Sumelocenne, dem später latinisierte Name Solicinium, zum heutigen Sülchen gezogen. Der Name der römischen Siedlung, die in der Kernstadt Rottenburgs lag, wird heute als eine Verbindung der Worte sumelis, der Bezeichnung für eine vermutete kelt- ische Gottheit und cenna, dem Gipfel, erklärt. Doch sumelis deutet auch eine Verwandt-schaft zum lateinischen Verb sumere an, das annehmen bedeutet. Eine zumindest ideelle Verbindung zu einer Gottheit scheint also durchaus plausibel sein, wo doch vom nörd- lichen Rand der Siedlung der Wurmlinger Kapellenberg auf der Linie der Sommersonnen- wende liegt. Doch das ursprüngliche Wort sulih verweist auch auf das althoch-deutsche Wort sul, die Stele oder Pfosten. War also Sülchen etwa der Ort für eine Stele im Sinne germanisch-allemannischer Götteridole, muss der Ort auch Bezüge zur näheren Um- gebung aufweisen.

Svantevit-Statue

Auffällig, auch im Namensbezug, ist der westlich gelegene Höhenrücken Heidenwald mit seinem Burgstall. Vom Standort der Sülchenkirche war dort früher, ohne die heutige Bbebauung,  der Sonnenuntergang zu den Äquinoktien zu sehen, während über dem nord- westlich gelegenen Heuberg, dem Rottenburger Hexentanzplatz die Sonne am 1. Mai untergeht. Am gleichen Tag ist er aber auch der Aufgang über der bei Tübingen gelegenen Ödenburg zu sehen. Ein weiterer Sonnenbezug, der sich auch im Flurnamen nieder-schlug, ist der südöstlich gelegene Sonnenberg bei Kiebingen, wo der Sonnenaufgang am 1. Februar stattfindet. Von der Ödenburg, einem beliebten Ausflugsziel bei Tübingen, ist heute kaum noch etwas zu erkennen. Friedrich Hölderlin beschrieb sie einst in seinem Gedicht `Burg Tübingen´ mit folgende Worten: „Still und öde steht der Väter Feste, Schwarz und moosbewachsen Pfort‘ und Turm, Durch der Felsenwände trübe Reste Saust um Mitternacht der Wintersturm, …“ Der verlassene Ort wurde wohl damals zu- recht als öde bezeichnet, was dann zum heutigen Flurname führte. Doch ein Blick in die vorchristliche Mythologie bietet auch eine andere Erklärung. In der nordischen Götterwelt vollzog der oberste Gott Odin mit Beginn des Monates Mai die heilige Hochzeit mit der Fruchbarkeitsgöttin Freya, oder auch Frigg genannt. Diese Götterhochzeit sollte die Fruchtbarkeit der Natur zu gewährleisten. Auf seinen Reisen über das Land wurde Odin von den beiden weisen Raben Hugin und Munin begleitet. Der Name Huguin leitet sich vom altnordischen Verb huga, denken, ab und Munin, vom muna, sich erinnern. Snorri Sturluson schreibt in der nordischen Göttersage Edda: „Zwei Raben sitzen auf seinen (Odins) Schultern und sagen ihm alles ins Ohr, was sie sehen und hören. Sie heißen Hugin und Munin. Bei Tagesanbruch entsendet er sie, um über die ganze Welt zu fliegen, und zur Frühstückszeit kehren sie zurück. Von ihnen erfährt er viele Neuigkeiten.“

Meinrad, die Raben und die Räuber (historische Abbildung)

Doch die beiden Raben haben den Untergang der alten Mythologie wohlbehalten über- standen, denn am selben Ort tauchen sie in der Legende des heiligen Meinrad wieder auf. Meinrad soll im Sülchgau geboren worden sein. Im Alter von 5 Jahren kam er in das Kloster auf der Reichenau und lebte anschließend um 835 als Einsiedler auf dem Etzelpass bei Zürich. Sein Leben schildert die Legende getreu den Vorbildern der Wüsten-mönche, die alle in strenger Askese lebten. Doch die örtlichen Erzählungen berichten von einer lieben Frau aus Altendorf am Zürichsee, die Meinrad mit dem Lebensnotwendigsten versorgte. Trotz seines vorbildlichen Lebens wurde er eines Tages von zwei Räubern erschlagen. Genau dies hatte er aber bereits  im Flug seiner beiden treuen Raben erahnt. Weil die Räuber von ihnen verfolgt wurden, konnten beide in Zürich gestellt und gefangen genommen werden. Laut der Meinradlegende starben sie später den Tod durch das Rad. Meinrad aber wurde dort begraben, wo heute das Kloster Einsiedeln steht. In Dar- stellungen des Heiligen tauchen die beiden Raben deshalb als unverzichtbare Attribute auf. Neben den Raben bietet Odin noch einen weiteren Verweis zu Meinrad, denn in der Wissensdichtung, wie der Vafthrúdismál, taucht er des Öfteren unter dem Namen Gagnrad auf. Odin war der oberste und weise Gott der jederzeit um Rat gebeten werden konnte. Auch dies drückt sich im Namen des Heiligen aus, der aus den beiden Begriffen Stärke und Rat gebildet hatte. Wurde die Gestalt Meinrads hier im Sülchgau als Gegenbild zu Odin aufgebaut, so bietet dies auch eine Erklärung für die Säule des Sülchgaues und der heute so als bedeutend eingeschätzten Sülchenkirche.

Sonnenkalender Sülchenkirche

Bilder: Eigen, Sülchenkirche / Wikipedia, Santevit- Statue, Lappländer /Meinrad und die zwei Räuber auf einer historischen Abbildung /Roland zh, fotografiert am 21. Oktober 2010 von der Informationstafel „St. Meinrad – Etzelpass“ auf dem Etzelpas / Simmulaztion sunearthtools, opentopomap

Die Kapelle auf dem Käppele

Linde auf dem Käppele

Jedes Jahr veranstaltet die freiwillige Feuerwehr Dettingen ihr Sonnwendfest bei der Fried- enslinde auf der nahegelegenen Anhöhe Käppele. Der Höhenrücken bietet nicht nur eine fantastische Aussicht auf Albtrauf, Zeugenberge und Filderebene, sie blickt auch auf eine jahrtausende alte Geschichte zurück. Fast scheint es, als würde mit diesen jährlichen Sonnwendfest ein Teil jenes kulturellen Gedächtnisses weiterleben, das an die einstige Bedeutung dieses Ortes erinnert. Heute steht an dem Ort, wo die Funde von hunderten von Feuersteinen darauf hindeuten, dass er über Jahrtausende aufgesucht wurde, die Käppeleslinde. Sie soll 1874, nach dem Deutsch Französischen Krieg gepflanzt worden sein.

Pfeilspitzen aus dem Neolithikum

Zahlreiche Funde von Pfeilspitzen und Feuersteinen weisen hier darauf hin, dass der Ort bereits im 20. Jahrtausend v. Chr. Eine Bedeutung hatte. Auf Grund dieser Funde wird das Käppele als einer der interessantesten Siedlungsplätze der Steinzeit betrachtet. Doch nach dieser Epoche scheint auf Grund der Fundlage das Interesse an dem Ort erloschen zu sein. Der Flurname wird heute auf eine Kapelle zurückgeführt, die einst hier gestanden sein soll. Hinweise dazu gibt es aber nur einen einzigen. Er stammt aus einem Forstlag-erbuch von 1556, wo der Verfasser an dem Ort eine Kapelle vermutete. Auf Grund mangelnder Hinweise für diese Kapelle, erscheint das althochdeutsche Wort `kappa´, das sich aus `kaphen´, schauen, entwickelte, eine wahrscheinlichere Erklärung für den Flur- namen. Nur über die beiden Burgen, die dort im Mittelalter errichtet wurden, ist mehr be- kannt. Doch auch sie haben kaum 150 Jahre überdauert. Die Burgen die dort zusammen mit mehren Höfen standen war auf Grund des kargen Bodens wenig Glück beschwert.

Vulva-Ritzzeichnungen bei Les Eyzies-de-Tayac, Frankreich

Auf Grund der zahlreichen hier gefundenen Pfeilspitzen und Faustkeilen wird hier der Treff- punkt von Jäger-Nomaden vermutet, doch diese Funde können aber auch ganz anders interpretiert werden. Vertreter des Matriarachtsgedankens, wie Kirstin Armbruster, sehen in den dreiecksförmig bearbeiten Steinen Symbole einer schöpferischen Göttin, die eine Wiedergeburt ermöglichte. Als Erste Anzeichen dieses Glaubens wird ein dreieckiger Kalkstein gesehen, mit dem vor über 100 000 Jahren ein Kinderskelett bedeckt wurde. Diesen Gedanken äußerte auch der Kunsthistoriker Siegfried Giedion, der glaubte, dass die dreicksförmigen Zeichen auf Vorstellungen einer Wiedergeburt hindeuten. Die tradit-ionelle Wissenschaft sieht die Funde jedoch als Relikte von Jägern, die den Ort als Treffpunkt während ihrer Jagden nutzten. So schreibt der Prähistoriker Hansjürgen Müller-Beck dem Faustkeil eine universale Werkzeugeigenschaft zu und er sieht ihn als ständigen Begleiter des Steinzeitmenschen an. Ganz anders ist dagegen die Sicht von Materiarchatsforschern. Sie sehen in den formvollendeten Werkzeugen, deren Form in den meisten Fällen der Proportion des Goldenen Schnitts entspricht, sakrale Gegenstände an. Damit wäre auch der martialische Ausdruck Faustkeil völlig fehl am Platz, denn er passt ja gerade zum kriegerischen Aspekt des als Werkzeug angesehenen Gegen-standes. War das Käppele also viel mehr ein sakraler Ort, an den die Dettinger Feuerwehr heute mit ihrer jährlichen Sonnwendfeier erinnert?.

Käppele und die Sommersonnenwende

Bereits die Form der Landschaft spricht für diesen Gedanken. So weist der nach Dett- ingen reichende Geländesporn auf den Sonnenaufgang zur Sommersonnenwende, der von der Linde aus, über dem Hohenstaufen zu sehen ist. Doch die bestimmende Land- marken sind die Teck und der Bosler mit der vorgelagerten Limburg. So ist der Sonnen- aufgang am 1. Februar in der Einkerbung des Teckberges zu sehen und der zur Winter- sonnenwende am Ende des Berges.

Käppele und Wintersonnenwende

Über der Limburg und dem östlich gelegen ist der Sonnenaufgang zu den Äquinoktien zu sehen. Dieses Datum ist aber nicht nur ein astronomisches Ereignis, sondern setzt auch eine Zäsur im Zyklus der Naturkreislaufes. Noch heute gibt es eine Bauernweisheit die für den 25.März sagt: `Ist der Sonnenaufgang an Mariä Verkündigung klar, dann gibt es ein gutes Jahr. Aus Babylon ist das erste Frühlingsfest der Geschichte überliefert das ebenfalls Ende März gefeiert wurde. Das Akitu-Fest war die wichtigste Zeremonie im babylonischen Festtagskalender in der die heilige Hochzeit vollzogen wurde, um den Segen der Götter zu erhalten. Höhepunkt des 11 Tage dauernden Festes mit Prozessionen, Spielen und Opferungen, war das Hochzeitsritual des Königs mit der Himmelskönigin Ištar, als Dank an die Götter für das erfolgreiche letzte Jahr und dem Segen für das neue Jahr.

Sonnenkalender Käppele

Das Käppele bietet sich also als Beobachtungspunkt von Sonnenaufgängen an wichtigen Jahresabschnitten an. Der Ort der heutigen Friedenslinde war damit in der Frühgeschichte auch sicher ein Ritualort des damaligen Glaubens. Die frühe Vermutung über die Entstehung des Namens deutet also in die richtige Richtung. Das Käppele als Land- schaftpunkt erfüllte einst wohl einen Zweck, für den das Christentum später den Bautyp der Kirche einführte.

Bilder: ttps://kirstenarmbruster.files.wordpress.com/2014/01/vulvaritzzeichnungen-bei-les-eyzies-de-tayac1.jpg / Vulva-Ritzzeichnungen bei Les Eyzies-de-Tayac, Frankreich / Eigen/ Friedenslinde Käppele, Panorama Hohenstaufen( Käppele und die Sommer-sonnenwende, Simulation Suneartthools, opentopo map

Sonnenkalender Stuifen

‚Sonnenkalender Stuifen‘

Der Sonnenuntergang zur Tagundnachtgleiche über dem Hohenstaufen bietet ein ein- drucksvolles Beispiel für den Sonnenkalender Stuifen. Von seinem Plateau aus lassen sich aber gleich mehrere wichtige Tage des Jahres durch Beobachtung der Sonne be- stimmen. So weist doch der Stuifen selbst wie ein Zeiger auf den Sonnenuntergang am Abend von Allerheiligen.

Vor dem Naturschauspiel des Sonnenuntergangs bietet die Führung `Sonnenkalender Stuifen´ Erklärungen zu dessen Bedeutung als Sonnenkalender, zu seiner Ausrichtung und zum Geheimnis des Stuifen-Plateaus.

Bild:mapio/ Stuifen Hohenstaufen/hubi1802

Datum: Montag, 20.03.2017

Uhrzeit: 17.30 Uhr

Dauer: ca.1,5 Stunden

Treffpunkt: Parkplatz am Stuifen

Teilnahmebeitrag: 5 EUR

Referent und Anmeldung: Reinhard Gunst telefonisch unter 0711-6402491

                                          oder per Mail: vektor04@online.de

 

Landschaftstempel Hohenstaufen

Hohenstaufen westsüdwestHohenstaufen aus Westsüdwest

Nicht nur die Ausrichtung des Hohenstaufen auf den Sonnenaufgang am ersten Mai weckt fragen, auch die Entfernungen zu wichtigen Landschaftsmarken. So beträgt die Ent- fernung von der Mitte des Hohenstaufens zum Stuifenhorn7461m, was einer Länge von 9000 Megalithischen Yards entspricht, einem bis in die Bronzezeit verwendeten Läng- enmaß von 0,829m. Ein ähnlich auffälliges Maß ergibt sich auch zur Mitte des Rechberges mit 5658m, was einer Entfernung von 6900 MY entspricht. Meist ist die Zahl 69 heute nur noch als Code für sexueller Praktiken bekannt, während ihre Symbolik völlig in Vergessenheit geriet. Dabei ist die 69 einer der bedeutendsten Zahlenwerte innerhalb der Bibel, denn mit dieser Zahl wird die Chronologie der Jahrwochen dargestellt die Daniel in einer Prophezeiung mit geteilt wurden. In ihr erfährt Daniel dass es bis zum erscheinen des Messias genau 69 Wochen dauern wird. Diese Wochen haben jeweils eine symbolische Dauer von mehreren Jahrhunderten auf die hier nicht näher eingegangen werden soll.

Hohenstaufen EntfernungenKarte der Abstände in Megalithischen Yard

Nun ist kaum zu vermuten, dass sich weit voneinander entfernt existierende Kulturen auf den gleichen Sinnzusammenhang bezogen. Viel mehr ist wohl ein ganz natürlicher Er- eignis Urgrund dieses symbolischen Zeitbegriffes. Wie so oft findet man am Himmel eine Erklärung und in diesem Fall ist sie für jeden auch deutlich spürbar. Dieses Schauspiel wiederholt sich während des 18 Jahre und 11.3 Tage dauernden Saroszyklus, in dem nach 223 Vollmonden Erde und Mond wieder die gleiche Stellung erreichen. In dieser Zeit er- eignen sich jeweils 69 Sonnenfinsternisse, die früher die Menschen in Angst und Schrecken versetzt hatten.

Sonnenfinsternis

Sonnenfinsternis aus dem 18. Jahrhundert, ausgestellt in der Benediktinerabei Weltenburg

Ein weitere Auffälligkeit ergibt sich auch bei der Entfernung zum exakt gleich hohen Braunenberg bei Aalen. Hier ist es nicht nur die Entfernung von 33160m die umgerechnet 40000 MY ergibt, sondern auch die Geometrie des Hohenstaufen mit seinen nahezu parallel Höhenlinien. Ausgemittelt weist seine Achse auf den Sonnenaufgangspunkt des 1. Mai, der auf dem Braunenberg liegt. Aus mitteleuropäischen Regionen sind Berge meist als formlose Kultstätten mit einfachsten Altären überliefert. Meist sehen Archäologen sie als Höhensiedlungen oder auch Fürstensitze, ähnlich den mittelalterlichen Burgen. Ganz fern liegt jedoch die Vorstellung einer bearbeiteten Landschaft. Nur der 37m hohe Silbury Hill in der Grafschaft Wiltshire mit einer Plattform für Zeremonialzwecke wird bislang als künstliches Bauwerk anerkannt. Doch auch hier herrschte lange Zeit eine völlig andere Sicht, denn auf Grund seiner Form wurde lange Zeit für ein Fürstengrab gehalten. Bei Grabungen wurde im Innern des Hügels jedoch keinGrab, sondern eine raffinierten Kalksteinstruktur entdeckt, die zur Stabilisierung der Erdmassen diente.

T3 HohenstaufenSonnenkalender Hohenstaufen

Vergleichbare Bauwerke in großer Zahl finden sich jenseits des Atlantiks bei den hier kaum bekannten Moundbuilder Kulturen. Ähnlich dem Silbury Hill errichtetem sie mit unter-schiedlich Schichten aus Gesteins- und Erdmaterial terrassierte Anlagen, die entfernt an die Stufentempel in Mesopotamien erinnern. Einer der bekanntesten als Erdwerke be- zeichneten Landschaftstempel befindet sich in Cahokia, einer Metropole der einstigen Mississippi Kultur. Die Stadt in der Nähe von St. Louis, die einmal bis zu 4000 Einwohner hatte, zählt heute zum Weltkulturerbe. Obwohl sich die Mounds von Cahokia über ein Gebiet von 17km² erstrecken, bildeten 17 dieser Landschaftstempel einst das Herz der Stadt. Der nach einem in der Nähe liegenden Trappistenkloster benannte Monks Mound ist der größte unter ihnen. Für die Aufschüttung seiner terrassierten, mit Gras bewachsen Erdplattformen wurden ungefähr 700.000 m³ Material bewegt, was fast genau dem Volumen des Hohenstaufen entspricht, wie ihn Andreas Kieser 1683 in seinem Forstlagerbuch zeichnete. Den oberen Abschluss bildete die Zeremonialplattform, auf der ein Gebäude aus Holz stand das eine Grundfläche von 440 m² besaß .

Cahokiad SiedlungCahokia mit Monks Mound

Jede Mythologie hat ihre eigenen Kernthemen und so unterscheiden sich auch die Moundbilder Bauwerke in ihren Ausrichtungen. In Cahokia ist der Monks Mound zwar scheinbar nach Norden ausgerichtet, er weicht aber dennoch im Mittel 4.5° um nach Osten ab. Mit dem Wandern des magnetischen Poles kann dies nur schwer erklärt werden, da zu dieser Zeit die Abweichung ja nicht gemessen werden konnte. Viel eher ist dafür die Erklärung im Himmel zu suchen und den Tempel als Anfangspunkt einer Blickachse zu sehen, wie sie auch im barocken Landschaftsgarten zu finden ist. Unter dieser Annahme ergibt sich eine Linie, die sich aus der Stellung des Polarsternes und der Mitte der Gürtelsterne des Sternbildes Orion ergibt. War der Stern Beteigeuze, die Schulter Orion auf dem Südmeridian angekommen, hatte er himmlische Jäger den höchsten Punkt seiner Bahn erreicht. Dies war auch in der Abenddämmerung der Sonmersonnenwende der Fall.

sternbild OrionSternbild Orion

Einiges spricht dafür, dass Orion bei den Plainsindianern das unbekannte Sternbild Yin symbolisierte, das eine besondere Beziehung zur Venus hatte. Dass wir heute so wenig über die städtische Kultur des präkolumbianioschen Nordamerika wissen, liegt mit daran, dass viele Städte wie Cahaokia im 14.Jhd. aufgegeben wurden. Als Kolumbus in Amerika ankam, war der größte Teil dieser Kultur bereits Geschichte. Geschickt verteilte Pest- und Pockenerreger rafften innerhalb kurzer Zeit die meisten Überlebenden dieser Kultur hinweg. Somit blieb nur noch das von Karl May verbreitete Indianerbild des stolzen, edlen Wilden mit seinen federgeschmückten Wildlederkleidung.

Ähnlich den Indianern verlief sicher auch die Geschichte in unseren Breiten, denn die meisten Höhensiedlungen und Zeremonialanlagen wurden mit dem Auftauchen der Römer aufgegeben. Mangels schriftlicher Zeugnisse früherer Kulturen bleibt heute nur noch die Interpretation von Schriften aus römischen Ursprung. Viel zu wenig wird allerdings der Aspekt der Geometrie beachtet, die einen Schlüssel zum Verständnis einer längst vergangen Geisteswelt bietet. Von ihr sagte einst Galileo Galilei: Wer die Geometrie begreift, vermag in dieser Welt alles zu verstehen.

Bilder:Wikipedia, Hohenstaufen, Ansicht von Westsüdwest, Kreuzschnabel/Gemälde einer Sonnenfinsternis aus dem 18. Jahrhundert, ausgestellt in der Benediktinerabei Welten-burg,Jay Pasachoff, Simulation sunearthtools