Sonnenkalender Stuifen

‚Sonnenkalender Stuifen‘

Der Sonnenuntergang zur Tagundnachtgleiche über dem Hohenstaufen bietet ein ein- drucksvolles Beispiel für den Sonnenkalender Stuifen. Von seinem Plateau aus lassen sich aber gleich mehrere wichtige Tage des Jahres durch Beobachtung der Sonne be- stimmen. So weist doch der Stuifen selbst wie ein Zeiger auf den Sonnenuntergang am Abend von Allerheiligen.

Vor dem Naturschauspiel des Sonnenuntergangs bietet die Führung `Sonnenkalender Stuifen´ Erklärungen zu dessen Bedeutung als Sonnenkalender, zu seiner Ausrichtung und zum Geheimnis des Stuifen-Plateaus.

Bild:mapio/ Stuifen Hohenstaufen/hubi1802

Datum: Montag, 20.03.2017

Uhrzeit: 17.30 Uhr

Dauer: ca.1,5 Stunden

Treffpunkt: Parkplatz am Stuifen

Teilnahmebeitrag: 5 EUR

Referent und Anmeldung: Reinhard Gunst telefonisch unter 0711-6402491

                                          oder per Mail: vektor04@online.de

 

Die Legende Göppingens

Ältestes Bild Göppingen 1534                                            Ansicht aus Filstalpanorama 1534

Wie bei vielen anderen Städten beruht auch der Ursprung des Stadtnamens Göppingen auf Vermutungen. Auf Grund unsicherer Quellen greifen Historiker deshalb oft auf ein bewährtes Muster zurück und suchen aus dem ersten urkundlich erwähnten Namen einer Stadt einen Anführer herauszulesen. Auch Falle Göppingens wurde dieser Weg einge- schlagen. Ein alemannischer Fürst mit dem Namen Geppo gilt als heute als allgemein akzeptierte Erklärung ohne weiter über ihre Sinnfälligkeit nachzudenken. Doch ist es sehr verwunderlich, dass lange nach der Landname durch die Alemannen und dem Untergang des alemannischen Adels während des Cannstatter Blutgerichtes, den Staufern der Name Geppo noch vertraut gewesen sein soll. Auf ihn wird die erste Erwähnung der Stadt zu- rückeführt, die  mit dem Namen `Geppingen´ erstmalig in einer Urkunde auftaucht, die Kaiser Barbarossa im Jahr 1154 unterzeichnete.

Ein Fürst oder Anführer als Namensgeber erinnert an die Legenden bei Städtegründungen der Antike. Mit einer Legende stärkten damals griechische Kolonisten des 6. Jahrhunderts v. Chr. die Bedeutung ihrer neu gegründeten Niederlassung in Kleinasien gegenüber dem Mutterland und dessen Hauptstadt Athen. Meist entstanden sie nach dem Tod des An- führers, der dadurch seinen Einzug in die mythologische Wellt der Götter erhielt. Die Mode fand Gefallen und in der Folgezeit bildete sich eine Flut von Legenden von denen die be- kannteste wohl die von Romulus und Remus ist, den beiden Gründern Roms.

Oberhofenkirche                                                            Oberhofenkirche

Das Datum der Urkundenaufstellung fiel in eine Epoche wachsender Konsolidierung in Europa, denn das Augenmerk der Herrscher war seit den ersten Kreuzzug 1095 auf die Rückeroberung Palästinas gerichtet. In dieser Zeit begann ein wirtschaftlicher Aufschwung der zu einer Expansion der Städte führte. Ein wichtiger Ort für die Spurensuche in Göppingen sind die beiden Kirchenbauten. Nach Aussagen von Archäologen steht die älteste Kirche Göppingens, die Oberhofenkirche, auf einem geschichtsträchtigem Boden. In ihrem Umfeld soll sich bereits ein keltisches Heiligtum befunden haben, das später einem römischen Gutshof weichen musste. Bereits im 7. Jahrhundert wurde die erste Kirche errichtet, die Maria und dem heiligen Martin geweiht war. Schon vor dem 14. Jahrhundert gab es hier organisierte Marienwallfahrten , die von einer Bruderschaft betreut wurden. Auf Grund des Zustroms von Pilgern musste die romanische Kirche 1446 auf Veranlassung von Graf Ulrich V. der heutigen gotischen Hallenkirche weichen. Während die Oberhofenkirche ein zentraler Ort der Gläubigen wurde, entstand die heutige Stadtkirche erst 1618 auf den Mauern einer kleinen Johanniskapelle. Obwohl von hier aus die Sonnenwende über dem Hohenstaufen zu sehen ist, erreichte der Ort nicht die Bedeutung wie sie die außerhalb der Stadtmauer gelegene Oberhofenkirche besaß.

Eine Antwort darauf bietet der Sonnenaufgangspunkt am 1. Mai. An diesem Tag entsteht eine Linie, die vom Christophsbad über die Oberhofenkirche bis zum Stuifen reicht, der dann wie der Zeiger eines Ziffernblattes nach Nord-Osten weist. Die Perfekte Ausrichtung des Stuifens könnte ein Hinweis darauf ein, dass dieses Datum gegenüber anderen Sonnenaufgangspunkten eine ganz wesentliche Bedeutung hatte.

Göppingen SonnenaufgangGöppingen Panorama                                             Sonnenaufgang über dem Stuifen

Das Fest am ersten Mai war der Beginn des Sommerhalbjahres, an dem nach heutiger Vorstellung die Vereinigung der Fruchtbarkeitskönigin mit dem Sonnenkönig gefeiert wurde. Doch die eigentlichen Wurzeln liegen weiter zurück in der Geschichte. An diesem Tag gab es in Rom auch ein Fest der Bona Dea der Guten Göttin. Sie ist mit der griech-ischen Göttin Maia gleichzusetzen oder der Rosmerta die im keltischen Raum. Ihre Attribute waren das Füllhorn und eine Tasche. Der Name taucht in fast allen Sprachen In mit ähnlicher Bedeutung auf, so in der arabischen wo er Quelle oder Fluss bedeutet. Maia gilt heute als altitalische Schöpfungsgöttin deren mythologie um 1200 v. Chr enstand und  deren Urbild aus dem asiatischen Raum stammt. Sie wurde als große Erdgöttin, Früh- lingsgöttin, Heilgöttin und Hebamme verehrt. Ihr Name wird auch als Symbiose der Worte magnus und Magie interpretiert. Da auch die Rolle der Heilgöttin durch die in Göppingen vorhandene Quelle gegeben war, ermöglicht die Bedeutung der Linie Stuifen, Oberhofen bis zum Christophsbad eine neue Sicht zur Namensentstehung der Stadt.

Bona Dea                                             Bona Dea – römische Darstellung

Längst vergessen sind die meisten Frauennamen des Mittelalters die in den Liedern Neitharts von Reuenthal auftauchten. Ermelint, Friderun, Geppe oder Gisel sind nur einige die Neidhart Ende des 12. Jahrhunderts immer wieder für Bäuerinnen und Edelfrauen verwandte. In dem Namen Geppe, der auch als Kürzel des germanischen Namens Gebwins auftauchte stecken die althochdeutschen Worte `gebo´ oder `gëbe´, die mit Spender oder Spenderin übersetzt werden. Der Frauenname Geppe kann also als ein Verweis auf einstige Göttin gesehen werden, der Spenderin von Ernte und Fruchtbarkeit. Sie wurde im frühen Mittelalter durch Maria ersetzt, deren Kosename heute noch Maia ist.
Das am 11. August 1650 eingeführte Göppinger Maienfest erinnert nun gleich im doppelten Sinn an die alten Bezüge. Es findet zwischen dem alten Fest der Bona Dea und dem späteren Fest Maria Himmelfahrt statt. Aus diesem Grund ist der Stuifen für Göppingen ebeno wichtig wie der Hohenstaufen. Mit Geppo statt Geppe erschufen Historiker dann später, ganz im Stil der Antike, jenen legendären Anführer mit dem bis heute die Stadtgeschichte beginnen soll.

Der Stuifen Teil 2 – ein Jenseitsberg

                                             Das Stuifenplateau mit dem Horn

Als höchster der Drei Kaiserberge hat der Stuifen die außergewöhnliche Gestalt eines Tafelberges mit einem nach allen Seiten asymetrisch sitzenden, markanten Horn. Auch der Stuifen gilt in der geologischen Forschung als ein Zeugenberg, der den einstigen, weiter nördlichen Rand der Schwäbischen Alb dokumentieren soll. Vor ungefähr 120 Millionen war die schwäbischen Schichstufenlandschaft noch eine ebene, erhabene Fläche, die erst durch das Aufschieben der afrikanischen Landmasse auf die Eurasische Kontinentalplatte nach Südosten kippte. Zahlreiche Trockentäler auf der Alb zeigen noch dass Flüsse durch das Kippen der Platte ihre Richtung wechselten. Über die eigentliche Entstehung herrscht auch heute noch keine Einigkeit und auch für Rückwanderung der Schwäbischen Alb in einem über Jahrmillionen dauernden Prozess gibt es nur spärliche Belege , wie das in einem der Tuffschlote des Schwäbischen Vulkan bei Scharnhausen gefunden Weißjuragestein. Die charakteristische Form des Stuifens mit einem nahezu exakten Längen und Breitenverhältnis von 2 zu 1 wird heute mit einem Grabenbruch erklärt, der als Schwäbisches Lineament in die Geologiebücher Einzug hielt. Eine Gesteinsabsenkung und die dabei entstehenden Scher- und Druckkräfte sollen die Ursache des Berges gewesen sein. Bis zum 19.Jahrhundert war der Berg , wie auch die beiden andren Berge nur mit spärlichem Gestrüpp bewachsen und dienten der Ziegenhaltung.Allein dies lässt auf einen massiven Kern schließen der einer längren Erosion widerstand. Erstaunlicherweise sind auch beim Stuifen die für den Weißjura typischen, gebankten Kalkschichten in Höhen zu finden, in denen sie auf Grund der Neigung der heutigen Alb nicht auftauchen können. Doch diese geologische Anomalie ist nicht die einzige die bei der Betrachtung des Berges auffällt. über den die Geschichte kaum etwas zu berichten weis. Auf dem nur ein seinen Stirnseiten zugänglichen steilen Berg gab es nie Erzählungen über eine Fluchtburg oder einen Herrensitz, wie sie von den beiden benachbarten Bergen Graneggle ud Rechbergle exsistieren. Wie sein eigen-tümliches Profil mit dem auf der Tafel einseitig aufgesetzten Horn zeigt auch der Name Stuifen eine ungewöhnliche Verbindung zweier Silben. Der Name Stuifen klingt zwar ähnlich wie das heutige Wort Stufe, das die Verwandtschaft zum Begriff Stufenlandschaft andeutet. Doch in Grimms Wörterbuch wird das Wort Stufe aus dem althochdeutschen Wort ´stoufe abgeleitet. Dieser´Begriff ist jedoch zweifach besetzt und kann auch für Trinkbecher stehen. Hier stellt sich die Frage weshalb bei der scheinbar klaren Ausgangs-lage die Silbe `ui´ in den Namen integriert wurde. Eine Erklärung bietet das althoch-deutsche Wörterbuch von Gerhard Koebler. Das Wort `ufir´wird hier mit emporsteigen oder auferstehen übersetzt. Durch eine Verbindung beider Worte ergäbe der Name Stuifen einen Sinn: Der Ort des Emporsteigens. Viele Tafelnerge, die meist auch als Zeugenberge gelten, sind durch Funde als frühgeschichtliche Kultorte belegt. Dass auf dem Plateau des Stuifen einst ein Kultort war bestätigt eine geomantische Analyse, denn unweit des neu erstellten Stuifenkreuzes finden sich die ersten Reihengräber. Zu Gruppen zusammen-gefasst zeiht sich die Anlage über das gesamte Plateau. Durch den jahrzehntelang wachsenden Baumbestand sind die Gräber in den Kalkstein gehauenen Gräber mittler-weile bis zur Unkenntlichkeit mit Biomasse überdeckt. Für das bloße Auge sind sie nur an vereinzelten Erdeinbrüchen am Rande der Vertiefungen zu erkennen, Diese Anlage, die ungefähr 220 Gräber umfassen dürfte, ist der eigentliche Grund für den Namen. in dem Stufe und emporsteigen vereinigt sind. Er zeigt die damaligen reiligiösen Vorstellungen, in denen ein leichterer Übertritt in die Jenseitswelt vom Plateau des Stuifen aus für möglich gehalten wurde. Dieser Friedhof war wohl auch der Grund, dass die benachbarte Reiterles Kapelle zum Ort der düsteren Sage einer wilden nächtlichen Jagd gemacht wurde. Diese Sage, die mit ihren Bildern an die Wilde Jagd des obersten germanischen Gottes Wodan in der Zeit der Rauhnächte erinnert, verlieh der Landschaft um den Stuifen einen verwunschen Charakter, der Menschen von ihm fernhalten sollte. Aber trotz allen Anstrengungen, die Landschaft so durch Bewaldung zu verändern, dass auch die letzten Spuren der Geschichte verschwinden, ist im Namen des Berges der Rest jener Vorstellungen noch vorhanden diie einst zu der Anlage eines Friedhofes auf dem Stuifen und einer Siedlung an seinem Bergfuß führten.

Der Stuifen Teil 1

Mit einer Höhe von 757m ist der Stuifen der höchste der Drei Kaiserberge. Wie der Hohenstaufen und der Rechberg, war auch der Stuifen bis zum Beginn des 19.Jahrhunderts noch unbewaldet. Die steilen Bergflanken des Stuifen sind auch heute nur schwierig zu begehen und gleichen an den freiliegenden Stellen der Westseite den bereits beschriebenen Gesteins-formationen des Hohenstaufen. Auf der Basis einer umlaufenden Höhenlinie hat die Grundfläche des Stuifen ein Seitenverhältnis von 1 zu 2, Doch die Erhebung auf dem Plateau, ein langestrecktes Horn sitzt keinesfalls symetrisch auf dem Berg, sondern ist seitlich versetzt. Die auffällige Formation ist mit zahlreichen Quermauern durchzogen. Eine an den Höhenlinien ausgemittelte Achse verläuft seitlich des Hornes über den Berg und weist mit 18° nach Nord – Osten,  auf das heute sicher flachere  Horn des Hornberges. Das asymetrische Horn des Stuifen, das sich als Visierpunkt für Mond-und Sonnenwenden für das Plateau des Schönbergs eignet und das auffällige ganzzahlige Seitenverhältnis des Berges deuten jedoch darauf hin, dass auch diese Achse nicht zufällig entstand, sondern ganz bewusst gelegt wurde. Eine Simulation des Nordhimmels zeigt, dass durch diese Ausrichtung am 31.10. um 4700 v.Chr.,   dem Beginn der dunklen Jahreszeit des Winters, der Jupiteraufgang vom Plateau des Stuifen aus über dem Horn zu beobachten war. In Aufzeichnungen der babylonischer Astronomen  wurde dem Jupiter die Zahl 1 und dem Saturn die Zahl 2 zugewiesen, doch erst im 17. Jahrhund ert konnte der Astronom Johannes Keppler durch seine Berechnungen nachweisen, dass sich die Bahnradien beider Planeten auch tatsächlich im Verhältnis 1 zu 2 verhalten.

Stuifen Visierlinien be

Bild : Illustration Visierlinien