Die Kapelle auf dem Käppele

Linde auf dem Käppele

Jedes Jahr veranstaltet die freiwillige Feuerwehr Dettingen ihr Sonnwendfest bei der Fried- enslinde auf der nahegelegenen Anhöhe Käppele. Der Höhenrücken bietet nicht nur eine fantastische Aussicht auf Albtrauf, Zeugenberge und Filderebene, sie blickt auch auf eine jahrtausende alte Geschichte zurück. Fast scheint es, als würde mit diesen jährlichen Sonnwendfest ein Teil jenes kulturellen Gedächtnisses weiterleben, das an die einstige Bedeutung dieses Ortes erinnert. Heute steht an dem Ort, wo die Funde von hunderten von Feuersteinen darauf hindeuten, dass er über Jahrtausende aufgesucht wurde, die Käppeleslinde. Sie soll 1874, nach dem Deutsch Französischen Krieg gepflanzt worden sein.

Pfeilspitzen aus dem Neolithikum

Zahlreiche Funde von Pfeilspitzen und Feuersteinen weisen hier darauf hin, dass der Ort bereits im 20. Jahrtausend v. Chr. Eine Bedeutung hatte. Auf Grund dieser Funde wird das Käppele als einer der interessantesten Siedlungsplätze der Steinzeit betrachtet. Doch nach dieser Epoche scheint auf Grund der Fundlage das Interesse an dem Ort erloschen zu sein. Der Flurname wird heute auf eine Kapelle zurückgeführt, die einst hier gestanden sein soll. Hinweise dazu gibt es aber nur einen einzigen. Er stammt aus einem Forstlag-erbuch von 1556, wo der Verfasser an dem Ort eine Kapelle vermutete. Auf Grund mangelnder Hinweise für diese Kapelle, erscheint das althochdeutsche Wort `kappa´, das sich aus `kaphen´, schauen, entwickelte, eine wahrscheinlichere Erklärung für den Flur- namen. Nur über die beiden Burgen, die dort im Mittelalter errichtet wurden, ist mehr be- kannt. Doch auch sie haben kaum 150 Jahre überdauert. Die Burgen die dort zusammen mit mehren Höfen standen war auf Grund des kargen Bodens wenig Glück beschwert.

Vulva-Ritzzeichnungen bei Les Eyzies-de-Tayac, Frankreich

Auf Grund der zahlreichen hier gefundenen Pfeilspitzen und Faustkeilen wird hier der Treff- punkt von Jäger-Nomaden vermutet, doch diese Funde können aber auch ganz anders interpretiert werden. Vertreter des Matriarachtsgedankens, wie Kirstin Armbruster, sehen in den dreiecksförmig bearbeiten Steinen Symbole einer schöpferischen Göttin, die eine Wiedergeburt ermöglichte. Als Erste Anzeichen dieses Glaubens wird ein dreieckiger Kalkstein gesehen, mit dem vor über 100 000 Jahren ein Kinderskelett bedeckt wurde. Diesen Gedanken äußerte auch der Kunsthistoriker Siegfried Giedion, der glaubte, dass die dreicksförmigen Zeichen auf Vorstellungen einer Wiedergeburt hindeuten. Die tradit-ionelle Wissenschaft sieht die Funde jedoch als Relikte von Jägern, die den Ort als Treffpunkt während ihrer Jagden nutzten. So schreibt der Prähistoriker Hansjürgen Müller-Beck dem Faustkeil eine universale Werkzeugeigenschaft zu und er sieht ihn als ständigen Begleiter des Steinzeitmenschen an. Ganz anders ist dagegen die Sicht von Materiarchatsforschern. Sie sehen in den formvollendeten Werkzeugen, deren Form in den meisten Fällen der Proportion des Goldenen Schnitts entspricht, sakrale Gegenstände an. Damit wäre auch der martialische Ausdruck Faustkeil völlig fehl am Platz, denn er passt ja gerade zum kriegerischen Aspekt des als Werkzeug angesehenen Gegen-standes. War das Käppele also viel mehr ein sakraler Ort, an den die Dettinger Feuerwehr heute mit ihrer jährlichen Sonnwendfeier erinnert?.

Käppele und die Sommersonnenwende

Bereits die Form der Landschaft spricht für diesen Gedanken. So weist der nach Dett- ingen reichende Geländesporn auf den Sonnenaufgang zur Sommersonnenwende, der von der Linde aus, über dem Hohenstaufen zu sehen ist. Doch die bestimmende Land- marken sind die Teck und der Bosler mit der vorgelagerten Limburg. So ist der Sonnen- aufgang am 1. Februar in der Einkerbung des Teckberges zu sehen und der zur Winter- sonnenwende am Ende des Berges.

Käppele und Wintersonnenwende

Über der Limburg und dem östlich gelegen ist der Sonnenaufgang zu den Äquinoktien zu sehen. Dieses Datum ist aber nicht nur ein astronomisches Ereignis, sondern setzt auch eine Zäsur im Zyklus der Naturkreislaufes. Noch heute gibt es eine Bauernweisheit die für den 25.März sagt: `Ist der Sonnenaufgang an Mariä Verkündigung klar, dann gibt es ein gutes Jahr. Aus Babylon ist das erste Frühlingsfest der Geschichte überliefert das ebenfalls Ende März gefeiert wurde. Das Akitu-Fest war die wichtigste Zeremonie im babylonischen Festtagskalender in der die heilige Hochzeit vollzogen wurde, um den Segen der Götter zu erhalten. Höhepunkt des 11 Tage dauernden Festes mit Prozessionen, Spielen und Opferungen, war das Hochzeitsritual des Königs mit der Himmelskönigin Ištar, als Dank an die Götter für das erfolgreiche letzte Jahr und dem Segen für das neue Jahr.

Sonnenkalender Käppele

Das Käppele bietet sich also als Beobachtungspunkt von Sonnenaufgängen an wichtigen Jahresabschnitten an. Der Ort der heutigen Friedenslinde war damit in der Frühgeschichte auch sicher ein Ritualort des damaligen Glaubens. Die frühe Vermutung über die Entstehung des Namens deutet also in die richtige Richtung. Das Käppele als Land- schaftpunkt erfüllte einst wohl einen Zweck, für den das Christentum später den Bautyp der Kirche einführte.

Bilder: ttps://kirstenarmbruster.files.wordpress.com/2014/01/vulvaritzzeichnungen-bei-les-eyzies-de-tayac1.jpg / Vulva-Ritzzeichnungen bei Les Eyzies-de-Tayac, Frankreich / Eigen/ Friedenslinde Käppele, Panorama Hohenstaufen( Käppele und die Sommer-sonnenwende, Simulation Suneartthools, opentopo map

Sonnenraub auf der Ruine Rauber

Pinselzeichnung der Burgruine Rauber von August Seyffer aus dem Jahr 1813/14

Die Burganlage auf einem zur Teck weisenden Bergsporn soll im Jahr 1210 von den Rittern von Diepoldsburg erbaut worden sein. 5 Jahre später wird auch `Ulrich de Diepoltsburc´ in einer Urkunde als ihr Besitzer ausgewiesen. Die Anlage besteht allerdings aus zwei Burgen, einer unteren Burg, der heutigen Ruine Rauber und der oberen Diepoldsburg. Sie wurde bis ins 15. Jahrhundert bewohnt und verfiel im 16. Jahrhundert. Erst Mitte der 70er Jahre wurden die Reste wieder restauriert, so dass die Ausmaße der Burg erkennbar sind. Über die Entstehung des Namens Rauber herrscht Uneinigkeit. Eine der Erklärungen führt die Entstehung auf den Flurame Rauhberg zurück, doch heute hat sich die wesentlich populärere Erklärung mit Hilfe der Sibyllensage durchgesetzt. Die weiße Frau Sibylle, die einst in einer Höhle auf der Teck gelebt haben soll, hatte 3 Söhne: Unhold, Raufbold und Saufbold. Alle zogen weg von der Teck und bauten ihre eigenen Burgen, wobei Unhold die Rauberburg erbaute. Von dort aus soll er dann mit seinen Raubrittern Kaufleuten und Bauern aufgelauert haben.

Raubritter, Darstellung aus dem 19.Jhd.

Die Namen Diepold, wie auch Unhold lassen Raum für Interpretationen, denn der Begriff Räuber erscheint ja bereits im Name des ersten Eigentümers Diepoltsburc. Im mittelhoch-deutschen Wörterbuch wird diep mit Räuber, Dieb, aber auch Schlemmer erklärt und hold mit Freund oder Dienstmann. Sicher bezeichnete sich der Edelmann nichts selbst als Dieb, sondern verstand sich wohl mehr als schlemmender Genussmensch und treuer Gefolgsmann. Doch der Name Unhold, einem der Sibyllensöhne, spricht eine eindeutige Sprache, denn er entspricht ja ganz dem Bild des furchteinflößenden Raubritters. Hatte also die Sage von den drei Brüdern geholfen, das ursprüngliche Missverständnis zu korrigieren?

Templer, Schlacht bei Montgisard 1177

Betrachtet man den Begriff Raubritter, so fällt auf, dass das Wort eine sprachliche Neu- schöpfung innerhalb der Mittelalterromatik des 18. Jahrhunderts ist. In zahlreichen Erzähl- ungen wurde davon berichtet, wie Adelige, angeblich im späten Mittelalter, aufgrund des gesellschaftlichen Wandels und der veränderten Kriegstechnik in Not gerieten und sich dann eine neue Existenz als Raubritter aufbauten. Tatsächlich verbirgt sich hinter den Legenden aber ein wahrer Kern, denn im 11. Jahrhundert geriet der Ritterstand in eine Kriese. Nach der Völkerwanderung hatte sich die Adelsherrschaft konsolidiert und somit wurden viel weniger Waffenträger benötigt. Zudem verschärfte das Erbrecht des Erst- geborenen die Situation für die zahlreichen Abkömmlinge eines Ritters. Im Sommer 1095 änderte diese Situation schlagartig. Bernhard von Clairvaux hatte das Bild des Mönchs-ritters geschaffen, der die christlichen Ideale innerhalb einer streng geführten Ritterge-meinschaft verteidigen sollte und Papst Urban II rief zum 1. Kreuzzug auf. Der Kampf im Heiligen Land, der Schutz der Pilger und die Betreuung der Kranken boten endlich wieder Aufgaben für die zahlreichen Ritter.

Templer und ihr Ende, Verbrennung wegen Sodomie und Ketzerei

Waren die Raubritter also nur das Produkt der Fantasie, so findet sich aber noch eine andere Erklärung für das Wort Raub. In der althochdeutschen Sprache gab es zwei ganz ähnlich klingende Worte: rauba, das sich zum heutigen Raub entwickelte und raub, das lang bedeutete. Später verwandelte das Wort und wurde zur Robe, dem langen Kleid. Beide Bedeutungen verweisen auf die Ausrichtung des Bergspornes, der in einem 1814 gezeichneten Bildes von August Seyffer noch eine majestätische Wirkung entfaltet. Zu Recht, denn dieser Sporn weist in Richtung des Sonnenuntergangspunktes während der Sommersonnenwende. Der liegt an diesem Datum, vom Rauber aus betrachtet,  nur wenige Dutzend Meter vom gelben Fels der Teck entfernt. Damit erklärt sich auch das Wort Raub mit dem `Sonnenraub´ auf dem südlichen Ausläufer der Teck und zugleich die Bedeutung lang, mit dem längsten Tag im Jahr.

Ruine Rauber, Ausrichtung Sonne

Auch im Spätmittelalter übte dieses Datum noch eine mächtige Anziehungskraft aus, doch das Christentum versuchte die vorchristlichen Bräuche mit den Gedenktagen der beiden Heiligen Johannes und Veit zu verdrängen. Getreu der biblischen Überlieferungen war Elisabeth, die Mutter des Johannes, bereits im 6. Monat schwanger, als sie Maria nach der Empfängnis am 25 März aufsuchte. Damit war auch die Geburt des Täufers mit dem 24 uni festgelegt. Durch sein Eremitenleben wurde er während der Kreuzzüge zu einem Vorbild vieler Ritter des Mittelalters. Der Legende zufolge soll sein Leib von seinen Anhängern vermutlich in Samaria begraben worden sein, wo im 4.Jahrhundert ein Kloster entstand und im 12. Jahrhundert, also dem Zeitraum der Errichtung der Burg, durch Kreuzfahrer in Samaria eine große Kirche errichtet wurde. Ein Blick auf die Ausrichtung der Burg Rauber zeigt, dass sie nicht ganz der Richtung des Bergspornes folgt und wohl den Punkt ausgerichtet wurde, an dem die Sonne 3 Tage nach der Sonnenwende unter- geht, am Geburtstag von Johannes dem Täufer.

Bilder: Wikipedia / Pinselzeichnung der Burgruine Rauber von August Seyffer aus dem Jahr 1813/14 August Seyffer – Wilhelm Gradmann, Burgen und Schlösser der Schwäbischen Alb, Stuttgart 1980 / Verbrennung von Templern wegen angeblicher Sodomie und Ketzerei, Anonym – Bibliothèque Municipale, Besançon, France, Simulation, Sunearthtools

Die Söhne der Sibylle

Ruine Sulzburg

Die Sage von der Sybille, die einst in einer Höhle am Fuße des Teckfelsens gehaust haben soll, prägte bis heute das Bild der Teck. Tausende Wanderer besuchen jedes Jahr die Höhle unterhalb der Burg, in der die weise Sibylle einst gewohnt haben soll und bei entsprechendem Licht ist im Tal noch immer die Spur ihres von Katzen gezogenen Wagens zu sehen. Doch die entpuppten sich in den 80er Jahren als Reste des Lautertal-Limes. Von den drei Burgen, die ihre Söhne Unhold, Raufbold und Saufbold erbaut haben sollen, sind nur noch kümmerliche Reste zu sehen. Die Burg Rauber, die Wilhelm Memmiger noch Mitte des 19. Jahrhunderts auf einem steil aufragenden Felsen ge- zeichnet hat, ist heute gänzlich eingewachsen. Ein ganz ähnliches Schicksal ereilte die beiden anderen Burgen Wielandstein und Diepoldsburg. Doch ein kaum beachteter Ort westlich der Teck, bietet den Schlüssel zur Erzählung über die drei schrecklichen Brüder. Bei dem beschaulichen Ort Oberlenningen liegt der Hügel mit den Resten Sulzburg, einer Ruine aus dem späten Mittelalter. Sie erscheint ab dem 14. Jahrhundert auf Urkunden und ihre ersten Besitzer waren die Herren von Neidlingen. Die Sulzburg ist eine der letzten Burgengründungen rund um die Teck. Heute wird das Wort Sulz oft mit dem althoch-deutschen Wort sulaz, schmutzig, sumpfig, in Verbindung gebracht. Doch in dem Wort scheint auch das Wort althochdeutsche Wort sūl, die Säule, durch und sie verweist auf eine Verbindung zur Sonne.

Götterbilder aus der mittleren Laténezeit (3. und 2. JH v. Chr.)

Um die Jahrtausendwende begleitete der arabische gesandte Ahmad ibn Fadlān, eine Gesandtschaft des Kalifen al-Muqtadir zu den Wolgabulgaren. Dort berichtete er von schwedischen Wikingern, die nach einer Schiffsfahrt zu einem Pfahl mit einem ge- schnitzten männlichen Gesicht gingen, um Ihre Gaben zu opfern. Einen Vergleich zu den aufwendig gestalteten Götterbildern mediterraner Kulturen hielten diese Bildnisse nicht stand, so dass sie auch von römischen Schriftstellern kaum beachtet wurden. Auch Arnulf Krausse erwähnt diese Pfahlidole in seinem Buch `Die Geschichte der Germanen´, und berichtet über die menschenähnlichen Holzpfähle mit eindeutigen Geschlechtsmerk- malen, die als Gott und Göttin verehrt wurden. Im Namen des in der nordischen Mythologie beschriebenen Göttergeschlechtes der Asen ist die Verbindung zum Holz noch deutlich herauszulesen, denn ihr Name leitet sich aus dem Wort asus, die Wurzel ab. Aus Ägypten ist aber noch eine andere mythologische Bedeutung des Pfahles überliefert.

Der schwarze Obelisk von Salmanassar III.

In der Gestalt eines Obelisken stand in Zusammenhang mit dem ägyptischen Sonnenkult. und war er ein Kultsymbol des Sonnengottes Re. Mit seiner Schlangen Form symbol-isierte er die Strahlen des Sonnengottes und stellte gleichzeitig eine Verbindung zwischen Menschenwelt und Götterwelt her. Unter diesem Gesichtspunkt wurde ihm die Wirkung eine Antenne zugesprochen, die die ersten Strahlen der kosmischen Sonnenenergie empfängt und auf die Erde leitet. Mit seiner spitz zulaufenden Form stellt der Obelisk die Verbindung zwischen der Erde (Menschen) und der Sonne (dem obersten Gott) dar. Darüber hinaus wird wird er auch als ein phallisches Symbol gedeutet und steht für die männliche Zeugungskraft, die Fruchtbarkeit und Erneuerung.

Sonnenkalender der Sulzburg

Stand einst einer dieser Pfähle als Heiligtum auf den Hügel der Sulzburg, so musste der Ort auch eine gezielte Sonnenbeobachtung ermöglichen. Der erste Sonnenaufgang ist von hier aus bereits am 1. Februar über dem Wielandstein zu sehen. Der schwäbische Dichter Gutav Schwab widmete dem heute beliebten Kletterfelsen mit den `Drei holden Knaben´ eines seiner Gedichte. Dort beschreibt er wie sie in einem luftigen Saal sitzen und aus einem goldenen Becher trinken. Schon der Name Wielandstein ist ein Sinnbild des Lichts, denn er entwickelte sich aus dem nordischen Wort Vølundr, das Kunstwerk, oder auch auf kunstvolle Weise herstellen bedeutet. Damit war der Schmied gemeint, der im Feuer seine Kunst bewies und namensgebend für die altnordische Sage `Wieland der Schmied´ wurde. Markierte der Wielandstein das Ende des Winters, so ist von der Sulzburg aus über dem Mittagsstein der Sonnenaufgang während der Äquinoktien zu beobachten. Er bot sich, gleich dem Mittag, als Markierung für die Teilung des Jahres in zwei gleiche Hälften an. Auch die Ruine Rauber entpuppt sich in der Dreiheit als Sonnenort. Über ihr ist Sonnenscheibe am Tag der Sommersonnenwende zu sehen und wandert von dort bis zur oberen Diepoldsburg,ehe sie in den Himmel steigt. In Grimms Wörterbuch wird zwar das Wort rauber als Frühform des Räubers erklärt, doch das Wort weist hier in eine ganz andere Richtung.

Burgruine Wielandstein

In vielen Kulturen wurde die Drei, die Zahl der Söhne der Sibylle, auch als Sinnbild von Wachsen, Fruchtbarkeit und Vergehen gesehen. Der Sonnenkalender der Sulzburg verweist mit den drei Sonnenaufgangspunkten genau auf diesen Aspekt. Völlig zu Unrecht wurden diese Orte später mit der Raubritterlegende der Sibyllensöhne in Verbindung gebracht.

Bilder: Wikipedia / Blick vom Friedrichsfels auf die Ruine Sulzburg bei Unterlenningen im Lautertal, Stefan Karl/ Plastik eines slawischen Pfahlgottes aus Altfriesack, Brandenburg, Neues Museum Berlin Anagori / Der schwarze Obelisk von Salmanassar III. /Willis / http://www.lenningen.de/index.php?id=121,Ruine Wielandstein / Götterbilder 3. Jhd. v. Chr. / http://erlebt-und-gesehen.npage.de / Simulation Sunearthtools

Das Rätsel der Teck – Teil 3

Der Verfasser eines englischsprachigen Buches versuchte am Beginn des 20. Jahrhunderts den Namen Teck vom Begriff Eck abzuleiten. Der Erklärung wäre naheliegend da das althochdeutsche Wort `egga´ oder `ekka´ auf diesen Ursprung hindeutet. Da das Felsplateau das im Südwesten eine markante Ecke besitzt legt eine solche Interpretation nahe. Zu der eher volkstümliche Bezeichnung des Felsplateaus gibt es noch weitere Deutungen die den Ursprung des Namens auch in der keltischen Sprache suchen. Eine Interpretation sieht die Abstammung im keltischen Wort `Tec´, das hier mit Licht oder Sonne übersetzt wird. Doch auch hier greift die Interpretation zu kurz, denn im keltischen Wortschatz wird` tecco´ mit blond und schön übersetzt, Die vielfältigen Deutungsversuche machen es notwendig zum Usprung zurückzukehren. Eine erste urkundliche Erwähnungen der Burg Teck unter dem Namen Castrum Thecche geht auf einen Vertrag im Jahr 1152 zurück der zwischen Kaiser Friedrich Barbarossa und Herzog Konrad von Zähringen geschlossen wurde. Mit dem Wort `thechen´, dem heutigen decken findet sich ein ähnlich klingendes Wort aber erst in der mittelhochdeutschen Sprache. Um die Logik des Ortes weiterzuführen wäre dann eine mögliche Deutung des Namens Teck als Dach, was ihrer außergewöhnlichen Winkelform und Höhe entsprechen würde.

Teck Plan 02                              Die Teck, Visierpunkt von Sonnen- und Mondrichtungen

In dieser Winkelform zeigen sich aber eine Reihe von Anomalien die eine Erwähnung evrdienen. Der Winkel von 130° unter dem sich die Teck nach Westen öffnet entspricht mit der 13 den Lunationen eines Mondjahres und seine Teilung er gibt 5 gleiche Winkel zu je 26°. Vom Mittelpunkt aus betrachtet liegen dann die Limburg sowie der markante Erkenberg lauf auf diesen Winkelschenkeln. Dabei entspricht die Richtung zur Limburg dem Sonnenaufgang am 02.05 dem keltischen Lichterfest Beltane und die zum Erkenberg dem Sonnenaufgang am Äquinoktium. All dies kann noch als eine Laune der Natur gedeutet werden, doch auch die Winkelhalbierende von 130° fördert noch einen weiteren Aspekt zutage der zu denken gibt. In dieser Richtung erschien noch um 800 v. Chr. während der Wintersonnenwende das Sternbild Jungfrau über dem Horizont.
Dass die alten Erinnerungen an die Bezüge schließlich in die Sibyllenlegende einflossen lag sicher auch an der Beliebtheit der Weissagung der Sibylle im späten Mittelalter.

Cumae                                                        Sibyllengrotte Cumae

Als Prophezeiung der 13. Sybille wurden die Weissagungen einer Frau bezeichnet die um 532 v. Chr. von König Salomo aufgezeichnet worden sein sollen. Sie stellten ein Mischung aus Heilserwartung der Kirche bis hin zur Ankunft eines Endzeitkaisers dar. Doch mittler- weile gelangten Sagenforscher zur Überzeugung dass die Schriften nicht wie angenom- men aus der Hand Salomos oder dessen Umfeld stammen , sondern das Werk einer verarmten Hellseherin aus Prag war das im 13. Jahrhundert entstand. Da der Ort der durch seine lange Geschichte als Kultort für die Bevölkerung sicher auch noch im frühen Mittelalter eine große Bedeutung hatte konnte er nur durch einen Namen umgewidmet werden der eine ebenso große Strahlkraft besaß und gleichzeitig das Erbe eines `heiligen Berges´ besaß.

Xenophon                           Politiker, Schriftsteller, Feldherr und Ökonom  Xenophon

Dies führt auf die Spur einer möglichen Namensentstehung mit Hilfe einer Gründ-ungslegende. Diese Form der Legenden erfreute sich bei Kelten wie bei Griechen oder Römern großer Beliebtheit. So führten die Kelten ihren Stammbaum auf den antiken Halbgott Herakles zurück und die Römer auf Trojaner und die ihrerseits sich wieder auf eine mythische Verbindung zu Göttern und Halbgöttern beriefen. In der Anabasis, einer sehr beliebten Schrift und Erzählung des späten Mittelalters spielt jener Kyros eine Hauptrolle der bereits für die Weitergabe der Sibyllenbücher verantwortlich war. Mit seinem Feldzug nach Babylon legte er im 5. Jahrhundert v. Chr. die Grundlage für den späteren Eroberungsfeldzug Alexanders des Großen. Bekannt machte ihn der Schriftsteller und Politiker Xenophon, der den Rückzug seiner Armee über verschneiten Pässe ans Schwarze Meer schilderte. Es war jener Zug der legendären 10 000 Krieger die später als Vorbild für Aufopferung und Märtyrertum galten.

Thalatta 01                                 Das griechische Heer erblickt das Schwarze Meer

hr Ruf `Thalatta, thalatta´. `Das Meer, das Meer!´ ging in die Geschichte ein. In seinem autobiographischen Bericht schildert Xenophon die dramatischen Stunden auf dem heiligen Berg Theches dem heutigen Khatschkhar-Dagh, wo das Heer beim Anblick des Meeres nach dem verlustreichen Marsch endlich Hoffnung schöpfte. Da es keine Urkunden aus der Zeit gibt als der Namen Theches wie aus dem Nichts auftauchte, bleibt der Gedanke Spekulation. Doch die Vielzahl antiker Gründungslegenden, sowie die Beliebtheit der Anabasis als Vorbild späterer Märtyrerlegenden lässt es durchaus plausibel erscheinen, dass die neuen Herrn der Teck sich als Nachfahren jener legendären 10.000 Krieger verstanden hatten, die einst gegen das persische Großreich gekämpft hatten. Die Vielzahl von Sonnenbeobachtungspunkten die sicher seit dem Neolithikum mit der Teck verknüpft waren, zeigen heute noch deren einstige Bedeutung. So konnte nur ein großer Name damals diese Bedeutung ersetzen und die Aufmerksamkeit der Bevölkerung in eine andere Richtung lenken. Doch im Namen der Sybille haben sich eben viele Ebenen dieser langen Geschichte bis Heute erhalten.

Das Rätsel der Teck – Teil 2

teck Burg                                                       Burg Teck von Südwesten

Unterhalb des Felsenplateaus liegen zwei Höhlengänge die ihren Namen durch die Das Sibyllensage erhielten. Sie erzählt von einer schönen weisen Frau die den Menschen im Tal viel Gutes tat. Doch die Frau hatte aber drei missratene Söhne die auf Burgen rund um die Teck hausten und von dort aus zu Raubzügen durch das Land aufbrachen. Aus Kummer darüber beschloss die Sibylle das Land zu verlassen. Als ihre Wagen spur wurden lange Zeit zwei parallele Linien auf den Feldern nahe der Teck gedeutet. Doch Grabungen zeigten dass dies verfüllte Gräben des einstigen Lautertallimes waren. Die Sage der Sibylle ist nur ein Aspekt der die Teck mit den Legende des Mittelmeerraumes verbindet. Die ältesten Spuren des Namens finden sich in den sibyllinischen Orakeln die zur Zeit von Solon und Kyros auf dem Berg Ida, dem Heiligtum der Magna Mater Kybele erstellt worden zu sein sollen. Eine aus Babylon stammende Priesterin, die im 6.Jahrhundert v.Chr. die erste Priesterin des Orakels von Cumae in der Nähe von Neapel war, soll die verbliebenen drei Bücher dem letzten legendären römische König Tarquinius Superbus verkauft haben. In Rom zählten die Bücher zu den wichtigsten Schätzen. Die Wächter der Sibyllinischen Bücher hatten nicht nur die Oberaufsicht über die Verehrung des Apollon, sondern wachten auch über die Kulte der Magna Mater Kybele sowie der Ceres, deren Kult mittels der Bücher eingeführt wurde.

Sibylle von Cumae 1450 Andrea_del_Castagno                                             Sibylle von Cumae, Bildnis 1450

Über den Ursprung der Sybillensage gibt es unterschiedliche Deutungen, doch nur eine
trifft die Besonderheit des Ortes und lässt Rückschlüsse auf sein früher Funktion zu. Der Gutenberger Pfarrer Karl Gußmann sah am Beginn des 20. Jahrhunderts die Sibylle von der Teck keinesfalls als eine Hexe wie sie oft interpretiert wurde. Er glaubte an den Kern der Sage und hielt die Gestalt für eine weise und segenspendende Frau in der das Bild der germanischen Göttin Freya weiterlebte. Sie galt als Göttin der Fruchtbarkeit und des Frühlings, aber in ihrer späteren Entwicklung auch als Zauberin und Todesgöttin. Erst im späten Mittelalter, so Gußmanns Auffassung verschmolz diese Gestalt mit der prophetischen Königin von Saba, der Freundin des Königs Salomo, die als 13. Sibylle und als Heilige galt. Gußmanns Interpretation wird Adurch meherer Punkte unterstützt. Einer zeichnet die Lage der Teck aus, die zusammen mit den bereits dargestellten Ursulaberg im im Südwesten und dem Rechberg im Nordosten auf der Linie der Wintersonnenwende liegt. Dies wäre an sich nicht ungewöhnlich wenn nicht das Verhältnis der Abstände zueinander genau 12 zu 7 betragen würde. Ein Zahlenverhältnis das in der antiken Deutung die Einflüsse des Tierkieses mit seinen 12 Sternbildern sowie denen der 7 damals bekannten Himmelskörpern darstellte. Während auf der Teck und dem Ursualberg nur noch Sagen eine Rest der Erinnerung bewahrten lebte sie auf dem Recherg in Gestalt der Wallfahrt weiter.

                                          Der Teckberg mit Bezugsrichtungen

Teck Plan 01 neu

Sibyllenhöhle Plan                                      Sibyllenhöhle mit Sonnen-und Mondwenden

Auch die Lage des Sibyllenloches und der Gegenhöhle zeigt, dass deren exakte Aus richtung nur durch einen höchst selten natürlichen Vorgang zustande kommen konnte Die differenzierte Ausformung der Höhle unterhalb der Teck weist darauf hin dass sie bereits in frühgeschichtlicher Zeit als Kultort diente und nicht als Rückzugsort wilder Tiere.
Da der Raum auf die Sonneneinfallswinkel zu bestimmten Kalenderdaten abgestimmt war, lässt er sich drei Abschnitte gliedern. Im vorderen Teil ist das Licht der untergehenden Sonnen während des Äquinoktikums zu sehen, im mittleren an den Tagen des 02. Mai oder des 01. Oktobers und im hinteren Teil nur zur Sommersonnenwende. Die Höhle wäre eine mögliche Verbindung zu antiken Orakelstätten der Sibyllen die meist in Höhlen oder Grotten lagen. Doch die konsequente Ausrichtung der Höhle spricht eher für einen Kultort an dem auf das Datum abgestimmt rituelle Handlungen vollzogen wurden. Die Lage im Fels zeigt Parallelen zu den Heiligtümern der kleinasiatischen Berggöttin Kybele, deren Verehrung in Phrygien um 1000 v.Chr. begann. Im Kult der Kybele vollzog sich der Kreis- lauf des Lebens mit der heiligen Hochzeit einer Furchtbarkeitsgöttin mit einem Sonnengott zur Sommersonnenwende gefeiert. Der Vollzug der Heiligen Hochzeit vereinigte die göttliche Lebenskraft mit der Natur und der Menschheit und sorgte damit für die Fruchtbarkeit und den Fortbestand des Lebens. Doch der Kreislauf des Lebens begann mit der Geburt des Sonnengottes am kürzesten Tag des Jahres, der Wintersonnenwende und an diesem Tag scheint das Licht in die Gegenhöhle des Sibyllenloches. Der Kultort auf der Teck, zu dem noch weitere, wie  die Burg Sulzburg oder der Wielandstein zählten, bietet aber noch keine schlüssige Erklärung für den Namen.

Quelle: Höhlenplan von der HFG Kirchheim

Das Rätsel der Teck – Teil 1

Die erste Erwähnung der Burg die dem Berg seine Namen gab erfolgte in einem Vertrag von 1152 zwischen Kaiser Friedrich Barbarossa und Herzog Konrad von Zähringen. Dort wurde sie noch Castrum Thecche genannt. Viele Versuche gab es bisher den Ursprung des Namens zu ergründen, Doch auch in der Ausstellung anlässlich des 850-jährigen Jubiläums der Burg in Owen mussten die Ausstellungsmacher eingestehen dass es bislang keine wissenschaftlich belegte Herleitung des Namens `Teck´ gibt. Die Bandbreite der Interpretationen reicht von der Abstammung aus einer alten Bezeichnung für Ecke bis zur Vermutung dass der Name seinen Ursprung im keltischen Wort `Tec´ haben könnte, Doch auch die Vermutung dass das Wort mit Licht oder Sonne zu übersetzen, hält einer näheren Überprüfung nicht stand.

Kirchheim Schloß                                   Schloß Kirchheim

Um die Teck verstehen zu können, ist es notwendig die Spurensuche in Kircheim unter Teck be ginnen zu lassen. In dem Schloss, das 1538 als Eckbastion errichtet wurde und zu den 7 Landesfestungen zählte die Herzog Ulrich nach seiner Rückkehr aus dem Exil errichten ließ, finden sich noch jene Fixpunkte, die in frühgeschichtlicher Zeit Teil eines überregionalen Vermessungssystem waren. Der schlichte Zweckbau der als Fachwerk-konstruktion über einem massiven Sockelgeschoß ausgeführt wurde, besitzt einen Grund- riss der sich an die Form einer Raute anlehnt. Damit greift er eine geometrische Form auf die da ursprüngliche Wappen Konrad von Zähringens bestimmt:  Die `Tecksche Wecke´. Sie stellt eine schräge Raute dar und bildet das Grundmuster des Wappens in der Darstellung auf der Züricher Wappenrolle von 1340. Die Betrachtungen von Hügelgabes von Maes Howe oder auch Castel del Monte zeigten wie astromische Gesichtspunkte bei der Formfindung eine Rolle spielten. Doch auch zur Zeit der Erbauung des Schlosses im 16. Jahrhundert scheinen diese Gesichtspunkte eine Rolle gespielt zu haben. Im Süden und im Norden bestimmen zwei unterschiedliche Fluchtlinien die Gestaltung des Grundrisses der mit zwei auffälligen Richtungen in Einklang steht.

Plan Sonnenwende Schloß                      Schloß Grundriß: Mond- Sonnenwende mit Bezugslinie Limburg

Schloß Kirchheim Bezugslinien                                  Grundriß – Bezugslinien

Die Schräge im Süden folgt der Sonnenaufgangsrichtung über der Limburg zum Zeitpunkt der Wintersonnenwende und die im Norden, der Linie Egelsberg-Limburg. Gleichfalls wird am Plan deutlich, dass wichtige Punkte innerhalb der Geometrie auch durch die Richtung der kleinen und der großen Mondwende, sowie dem Äquinoktikum bestimmt wurden. Hier folgt die Gestaltung einer Tradition die auch bereits in keltischen Viereckschanzen zu Tage tritt. Am Beispiel der Schanze im Oeetinger Forst bei Wassertrüdingen wird deutlich, wie der Umriss über die Diagonale der kleinen Mondwende Süd, sowie Proportionen und Zu- gänge über die Wintersonnenwende festgelegt wurden.

K                                  Keltenschanze Oeetinger Forst – Wassertrüdingen

Folgt man bei Teckberg den Fluchtlinien der Wintersonnenwende so passt sich der Teckberg perfekt zwischen zwei über den Egelsberg und die Limburg laufenden Linien ein. Bereits dieser Aspekt lässt erahnen, dass die Sybillensage eine ganz natürlichen Hinter- grund hatte und keinesfalls ein Produkt des 18.Jahrhunderts war, wie des der Schwäbisch Gmünder Historiker Klaus Graf in einer Studie schrieb.