Der Körper Gottes – Die Kirche als gebauter Leib

Eusebius von Cäsarea/ Scan Inritter

Bereits in der frühen Geschichte des Christentums machten sich Kirchenlehrer wie Eusebius von Cäsarea Gedanken über die symbolische Gestalt von Kirchenbauwerken. Nach seiner Auffassung sollte dies ein Tempel sein, der den Körper Gottes abbild gleichzeitig den Leib Christi darstellen. Ebenso wünschte sich Cäsarea ein Gebäude, das den Himmel abbilden sollte. Diese Sicht des Kirchenlehrers aus dem 4. Jahrhundert führt das Bistum Mainz in der Erläuterung zur Ikonografie gotische Kathedralen detaillierter aus. In dieser Epoche wurde die gesamte Kirche mit ihrem kreuzförmigen Grundriss als der hingestreckte, mystische Leib des gekreuzigten Christus gesehen. Dabei stand der Altarraum für das geneigte Haupt, das Querhaus entsprach dann den ausgestreckten Armen, und der Eingangsbereich symbolisierte die Füße. In diesem Körper wurde die Weltordnung abgebildet, in der auch die Gläubigen als Glieder am Leib Christi im Kirchen-schiff ihren Platz hatten.

Grundriss der Kathedrale von Laon

Das Trudpeter Hohe Lied, das William von Ebersberg, ein gelehrter Abt aus dem Bene- diktinerkloster Ebersberg im 11.Jahrhundert verfasste, verlieh diesen Gedanken einen Ausdruck. Es war ganz der mittelalterlichen Spiritualität verpflichtet und sah in der Kirche jenen mystischen Ort, in der die Gottessehnsucht erfüllt wurde und damit erst die mystische Vereinigung mit Gott ermöglichte. Diese `unio mystica´, die mystische Hochzeit ist ein Motiv der jüdisch-christlichen Literatur, das weitaus ältere mytholog- ische Vorstellungen `der Heiligen Hochzeit zwischen einem König und einer Göttin auf- greift. Diese Bild einer Vermählung während der Begegnung zwischen dem Ich und Gott wird im Mittelalter zunehmend erotisch aufgeladen und im Sinne einer heiligen Hochzeit gedeutet. Der frühscholastische Kirchenlehrer und Mystiker Bernhard von Clairvaux bezeichnete diese mystische Gottesverehrung in seinen Schriften als Deification, als Vergöttlichung der Seele. Den Weg dorthin zeichnet das Kirchenschiff vor, das gleich-zeitig auch einen verkürzten heilsgeschichtlichen Weg darstellt.

Fürstenportal des Bamberger Doms – Jüngstes Gericht. Foto Immanuel Giel

So ist der Zugang zu Kirchen in dieser Zeit stets auf der Westseite, wo der Gläubige die Darstellung des Jüngsten Gerichtes im Hauptportal durchschreiten musste, um sich dann im Innern der Kirche hin zum Allerheiligsten bewegen, wo die Erlösung ihn er- wartete. Dieser mystische Gedanke eines Wohnort Gottes lässt sich in der Ge- schichte weit zurückverfolgen, wenngleich immer wieder mit unterschiedlichen An- sätzen. Eines der bekannten Beispiele ist das Parthenon in Athen, der Tempel der Athener Schutz-göttin Pallas Athene. Neben den Architekturelementen wird seine Gestalt in allen Einzelteilen von einem Proportionskanon bestimmt wird, der das pythagoreische Modell der Tetraktys enthält.

West- und Nordseite des Parthenon, Foto jean melis

Die `göttlichen´ Proportionen des Parthenon

Dieses kosmologische Eklärungsmodell hat in seiner Grundfigur ein Dreieck mit jeweils 4 Punkten auf jeder Seite und damit 9 Punkte aussen, mit dem 10. Punkt in der Mitte. Dieses Dreieck, das Stabilität und Dauer verheißt, aber auch ein Symbol des Feuers und damit des Geistes ist, weist auf eine allmächtige Schöpfungskraft hin. Auf diese 4, wie auch auf die Betonung der 3, weisen beide Seiten des Parthenon hin die ein Seitenverhältnis von 4 zu 9 besitzen. Damit verweist deren Produkt 36 auch auf die Vollkommenheit des Kreises und den stetigen Kreislauf der Natur. Das Motiv der 3 wird auch in der Cella mit der angeschlossenen Vorhalle wiederholt, denn deren Seiten-verhältnis beträgt 3 zu 8. Dabei ergibt deren Produkt die Zahl 24, wobei die 24 dann wieder auf den Tageslauf und die Dopplung der 12, der 12 olympischen Götter  verweist. Als Produkt aus 2×6 entgält sie auch die vollkommene Zahl 6, die ebenso für das in de antike beliebte Schutzzeichens des Hexagons stand.Im Tetraktysstern entsprechen die Zahlen des Hexagons der 32, während die nun verbleibenden 3 Zahlen der gesamten Tetraktys dann der 23 entsprechen. Werden die Quersummen beider Zahlen addiert, ergibt dies die 10, das Sinnbild der Gesamtheit. Die Zahlen 4,9,3,8 lassen sich in der babylonischen Zählweise der Himmelskörper auch den damals 8 bekannten Planetengottheiten zuordnen. So entsprach die 4 dem Gott Kronos/Saturn und die 9 dem Götterboten Hermes/Merkur, während die 3 Kriegsgott Ares/Mars und die 8 der Göttin Aphrodite/Venus entsprach. Damit verweist das Gebäude auch auf die mythologische Verbindung von Ares und Aphrodite, die laut der Legende ja beide eine lange Beziehung miteinander hatten. Eine mögliche Interpretation des Bauwerkes wäre dann die äußere Hülle, die für Kronos den Schöpfergott und Hermes dem Götterboten steht. Das Innere des Tempels, die Cella, verweist dann einem Seitenverhältnis von 5 zu 9 und der daraus folgenden die Quersumme beider Seiten auf die 14, die doppelte 7, Sie gilt als die heilige Zahl der Athene. Diese abstrakte Darstellung göttlicher Macht mit Hilfe von Zahlen verweist nach der von Wilhelm Worringer im Jahr 1907 verfasster Dissertation `Abstraktion und Einfühlung´ auf zwei unterschiedliche Sehweisen der Darstellung: Die abstrakte Darstellung war seiner Überzeugung zufolge im Süden verbreitet, während die körperliche und zugleich einem Abbild gleichende, mystische Sicht, die Glaubenswelt im Norden beherrschte. Beide Vorstellungen gründen aber auf die Jahrtausende alte Suche nach dem  Abbild einer  göttlicher Macht, die bereits in der Bronzezeit erkennbar ist.

Terrassenanlage(Altar) Monte Accodi, Foto Gianf84

Nächster Teil: Der Körper des Boötesauf dem Monte Accoddi

Bilder: Wikipedia / Eusebius von Cäsarea/ Scan Inritter / Fürstenportal des Bamberger Doms .Foto Immanuel Giel /gemeinfrei / West- und Nordseite des Parthenon, Foto jean melis / Terrassenanlage(Altar) Monte Accodi, Foto Gianf84 / tetraktys, https://www.decemsys.de/system/entwikds.htm

Die Heiligen des Heiligenberges

Der Heiligenberg von bneckaraufwärts gesehen, im Vordergrund Neuenheim, Foto BishkekRocks

Mit seiner Landschaftsform eignete sich der Heiligenberg in Heidelberg geradezu ideal um in der Frühgeschichte den Kulten mehrerer Gottheiten zu dienen. Mit gleich 2 Klöst- ern auf einer Kuppe wurde der Berg dann auch seinem später entstandenen Namen gerecht. So ist doch vom Plateau des Heiligenberg, den heutigen Ruinen des Michaels-kllosters der Sonnenaufgang zur Sommersonnenwende über der Kuppe Am Einsiedler zu beobachten und 52 Tage früher, am 1 Mai über dessen östlicher. Entsprechend der Flurbezeichnung Heidenknörzel ist er dann auf dessen Mitte während den Äquinoktien zu beobachten.

Sonnenrichtungen auf dem Heiligenberg

Wie an vergleichbaren Orten auch, wurden die bestehenden Heiilgtümer der Kelten von den Römern mit Bauwerken überformt, so dass Kult und Erinnerung an sie ver- schwanden. Meist waren dies dann Ensembles mit kleineren Tempel wie sie in der Eifel noch sehen sind. So wird die dortigen Reste eines Tempels gallisch-römischen Gott Mercurius Cimbrianus zugeordnet. Doch die Ausrichtung des Tempels lässt keine Ver- bindung zum Feiertag des Mercurius erkennen. Viel mehr deutet die Ausrichtung der Querachse Tempels daraufhin, dass bei dessen Bau der Sonnenaufgang am Tag des Beginns der Magna Mater Feiern von entscheidender Bedeutung war. Dass gerade Michael als Schutzpatron gewählt wurde hängt aber nicht nur mit der einstigen Be- deutung des Kultortes während der Frühgeschichte und in römischer Zeit zusam- men.Während im Jahr 709 Bischof Aubert von Avranches nach einer Vision auf dem heutigen Mont St Michel eine Kirche bauen ließ, hatten die Mauren bereits die Pyrenäen überschrittten und drangen bis in die Mitte Europas vor. Dort wurden sie 732 von Karl Martell und seinen Verbündeten bei Poitiers unter dem Zeichen der Michaels- fahne geschlagen. Durch diesen Sieg verbreitet sich die Michaelsverehrung noch rascher in Europa und diente damit auch einer gemeinsamen Identifikation. Mit Karl dem Großen und der Weihe seiner Länder dem heiligen Michael bekam diese Verehrung dann eine staatspolitissche Dimension. Fortan trug sein Heer auch bei jeder Schlacht die Fahne mit seinem Bild. Im Jahr 813 legte er dann auf er Synode in Mainz den Feiertag des Michael, der bis dahin an unterschiedlichen Tagenund, meist nur regional gefeiert wurde, auf dem 29. September. An diesem Tag hatte bereits im 5.Jahrhundert Papst Leo I. In Rom die Kirche S.Michele geweiht. Doch dieses Datum offenbart gleich in mehrfacher Hinsicht eine Symbolik eng verknüpft ist mit der biblischen Zahlenmystik. So liegt das Datum 7 Tage nach dem Herbstäquinoktium, dem vermuteten Beginn der Feiern zu Ehren des germanischen Gottes Wodan/Odin. und zugleich auch 87 Tage vor dem Weihnachtstag. Als Produkt von 3×29 verweist die Zahl sowohl auf die Symbolik der 87, der 3, wie auch in der 29, So verkündet der 87.Vers im des letzten Buch der Bibel , dass Christus auf die Erde kommen musste, um das Böse zu überwinden.

Das Doppelrautenkreuz und die Zahl 29, aus http://www.decemsys.de/horaz

Die eigentliche Bedeutung der Zahl 29 hatte auch der römische Dichter Horaz erkannt, der in ihr eine der wichtigsten Zahlen des pythgoreischen Tetraktys sah, einem Zahl- enmodell zur Erklärung des Kosmos. Diese Bedeutung offenbart sich in der Summe der Elemente des Doppelrautenkreuzes, wie auch in der Summe der zahlen 1 bis 5 auf einem Kreisdurchmesser. Werden die jeweils beidseitg aufgetragen, ergeben sie so die Summe 25.Aber auch die erste Zeitspanne, vom Datum des Wunders von Garagano am 8. Mai, dem 128.Tag im Jahr, bis zum Michaelitag verweist noch deutlicher auf die Heilsbotschaft der Bibel und die Rolle des Michael. Sie beträgt 144 Tagen und verweist mit der Zahl auf das biblische Ereignis, das am Ende der Heilsbotschaft geschildert wird, wo 144000 Menschen gerettet werden: So steht im Text der Offenbarung des Johannes (Offenbarung 14,1) „Keiner vom Volk Gottes wird vom Gericht Jesu getroffen. Sie alle können in der Endzeit bestehen und werden vor den sieben Plagen verschont, denn Jesus hat sie durch seinen Namen und den Namen des Vaters als sein Eigentum gekennzeichnet.  50 Jahre nach der Entscheidung Karls des Großen,den Feiertag auf den 29. September zu legen, wurde im Jahr 863 des Michaelklosters auf dem Heiligenberg bei Heidelberg gegründet. Aber auch beim anschließenden Neuau des Klosters im Jahr 1023, durch Abt Reginbald, dem späteren Bischof von Speyer, wurde auf ein symbolisches Datum geachtet. So erfolgte der Neubau doch genau 160 nach der Gründung. Trotz der Michelsweihe des Klosters lassen sich auf den ersten Blick aber keine Verbindung in der Ausrichtung der Anlage zu den Michaelsfeiertagen erkennen. Doch zwei Gedenktage von Heiligen, denen Michael in einer Vision erschien und die auch ein Vorbild für Reginbald gewesen sein könnten, bieten hier eine Erklärung. So war zur Zeit des Neubaues der Sonnenaufgang in der Bauachse am 3. September zu sehen, dem Feiertag von Gregor dm Großen.

Gregor I. ,Idealporträt von Antonello da Messina, um 1472/1473, The Yorck Project

Prozession von Papst Gregor, aus den Très Riches Heures (um 1415), Foto. R.M.N. / R.-G. Ojéda

Der hatte im Jahr 590, während einer Bittprozession zur Beendigung der in Rom grass-ierenden Pest eine Vision des heiligen Michael. Den Erzählungen zufolge, sah er Flammen über dem Hadriansmausoleum und über ihnen Michael mit dem Schwert. 9 Jahre vor dem Baubeginn des Klosters auf dem Heiligenberg fand auch die Pilgerreise es heiligen Franziskus nach Gargano statt. Von dort wird berichtet, dass er die Schwelle des Heiligtums küsste und anschließend ein Tau in den Stein geritzt hat. An dieses Ereignis erinnert heute auch der Franziskusaltar gleich hinter dem Eingang des Heilig- tums. Damit erzählen die Reste des einstigen Klosters nicht nur von den Vorbildern des Erbauers, sondern auch von Menschen, die an eine der wichtigsten biblischen Gestalten glaubten. Sie rahmt das Heilsgeschehen einm denn einst vertrieb sie Adam und Eva aus dem Paradies und bei Letzten Gericht würde sie, gemäß der Vision des Johannes, den Teufel in Gestalt eins Drachens besiegen.

Heilige des Heiligenberges – Michaelskloster auf dem Heiligenberg, Sonnenrichtung

Bilder; Wikipedia / Der Heiligenberg neckaraufwärts gesehen, im Vordergrund Neuenheim BishkekRocks ,CC BY-SA 3.0 / Gregor I. ,Idealporträt von Antonello da Messina, um 1472/1473) Antonello da Messina – The Yorck Project (2002) /Prozession von Papst Gregor, um das Ende der Pest zu erflehen: Michael erhört ihn und steckt sein Schwert in die Scheide. Miniatur aus den Très Riches Heures (um 1415) Brüder von Limburg – Photo. R.M.N. / R.-G. Ojéda / Doppelrautenkreuz, gematrischeAnalyse, http://www.decemsys.de/horaz /sapere-aude3.htm / Das Doppelrautenkreuz und die Zahl 29, aus http://www.decemsys.de/horaz / Sonnenrichtungen auf dem Heiligenberg, Opentopomap, googlemap sunearthtools

Dalkingen und die Ordnung der Zahl

Das Limestor wurde in sechs Ausbauphasen errichtet (1995).. Foto Mediatus (H.J.

Um römische Bauwerke besser verstehen zu können, lohnt sich ein Besuch der Website von Armin Rieble. Dort präsentiert der Gymnasiallehrer aus Stephanskirchen seine Er- kenntnisse, nachdem er in den 80-er Jahren auf das berühmte Satorquadrad gestoßen war. Der mathematische Schriftsteller und Rätselspezialist Dr. Aloys Christof Wilsmann vermutete einst hinter dem fünfzeiligen Palindrom, das waagerecht wie senkrecht die gleiche Wortstruktur darstellt, ein mathematisches Rätsel. Aufbauend auf dessen Erken- ntnis erforschte Rieble die mathematisch-sprachliche Struktur des Hexagramms, des Tetraktyssternes und dessen Bedeutung für die römische Geisteswelt. Doch Ursprung dieses komplexen Systems mathematisch-symbolischer Bedeutungen liegt in in den Erkenntnissen des griechischen Mathematikers und Philosophen Pythagoras. Er hatte einst erkannt, dass in den zahlen 1-4 das gesamte Zahlsystem enthalten ist. So nannte er die Schichtung der Zahlen 3, 2 und 1 zu einer Pyramide nannte er Tetraktys. Die Vierer- gruppe. Innerhalb der Schule des Pythagoras bildete sich dann die Lehre von der symbol- ischen Bedeutung der Zahlen heraus, die später von den Römern im Rahmen des Vesta- kultes übernommen wurde.

Tetraktys

Tetraktys als gleichseitiges Dreieck, geometrische Darstellung der 4.Dreieckszahl., Grafik:Jossifresco

Der römischen Gründungslegende zufolge, wurde der Kult vom sabinischen König Numa Pompilius eingeführt. Es war der Kult des heiligen Herdfeuers, das von Aenaes aus Troja nach Italien gebracht worden war. Römische Konsuln und Diktatoren opferten ihm, doch das heilige Feuer wurde auch in den neu gegründeten Kolonien entzündet. Ovid schrieb einst, dass der Numa ein Schüler des Pythagoras gewesen sei, doch beide Biografien trennt mehr als 2 Jahrhunderte. Dennoch bietet der Erwähnung der außerordentlichen mathematischen Kenntnisse des Königs einen Hinweis auf die Bedeutung von Zahlens-ymboliken. Sie zeigten sich auch in seinem neuen Kalender, wo Numa der gängigen Zählung von 10 Monaten zwei weitere hinzugefügt haben soll. Deshalb wurde Numa von römischen Schriftstellern zu einer besonderen Person von kulturhistorischer Bedeutung verklärt. Cicero rühmte in seiner Schrift `De re publica´ seine besondere zivilisatorische Leistung, in dem er dessen Verdienst hervorhob, das einst rohe und wilde Gemüt des Volkes zur Menschlichkeit und Sanftmut zurückgebracht zu haben.

Ansicht von Südosten (2009), Foto Haselburg-müller

So soll Numa den Römern beigebracht haben, Beute zu machen, auch ohne große Ver- wüstungen anzurichten. Seinem Volk habe er in den 39 Jahren einer Regierungszeit höchsten Frieden und Ruhe geschenkt. Auch hier scheint die symbolische Bedeutung durch, den die Zahl 39 hat die Quersumme 12 und die verweist damit auf den Tierkreis, wie auch auf den Vollkreis. Aber sie verweist ebenso auf das Hexagon, das sich in drei sich gegenüberstehende Dreiecke mit je 13 Elementen aufteilen lässt. Das Anangramm VESTA VETAS heißt VESTA, du verbietest. Durch das nicht aussprechen wurde das göttliche Mysterium geschützt, dessen geistiges Wesen sich in Zahlenbedeutungen äuß- erte. Unaussprechbares führte so zu rationalem Denken und Handeln.. Dies bedeutete die Freiheit in der Erforschung der Zahlen als Ausdruck göttlicher Weisheit und gleichzeitig aber eine Gefangenschaft in diesem Kosmos selbst konstruierter Bedeut-ungen. Innerhalb dieses System wurde Roma zur sakralen Idee stilisiert, deren numer- ische Bedeutung mit der göttlichen Macht verbunden war. Im Christentum stieß diese Idee naturgemäß auf Ablehnung. Dennoch konnte sich die neue Glaubenslehre nicht von der pythagoreischen Lehre freimachen und so wurden auch die biblischen Texte nach der gleichen Zahlenlogik geschaffen, mit der die römischen Dichter Vergil oder Horaz die römische Götterleg- enden niedergeschrieben hatten.

Ausrichtung des Limestores in Dalkingen

Sie führen zurück zum Tor in Dalkingen, das mit einem Azimut von 29° nach Nordosten gerichtet ist. Damit vereint die Ausrichtung Zahlen- aber auch astronomische Symbolik. Innerhalb des Tetraktyssystem lässt sich die 29 als Durchmesser eines Kreises darstellen in dem jeweils von der Mitte aus die Zahlen 1 bis 5 angetragen werden. Dabei bilden dann die Zahlenpunkte die Summe 17 und die Strecken die 12. Beide zahlen verweisen damit als Bild auf den alles beherrschenden Horizont des römischen Imperium das beim Durchschreiten des Tores erreicht wurde. Der Blick zum Himmel weist hier auf ein Bild das bereits Gegenstand eines Artikels war, die aus Kleinasien adaptierte Göttin Kybele, die als Magna Mater Teil des religiösen Staatskultes Roms wurde. Auf sie verweist am frühen Morgen des letzten Tages der Magna Mater Feiern Capella, die Verstirnung der göttlichen Ziege. Sie nährte Zeus/ Jupiter bei seiner Flucht vor seinem Vater. Genau im Winkel vom 90° dazu ist am 24. Januar der Sonnenaufgang an Sementivae, dem vom 6. römischen König gestifteten Gaufest zu Ehren von Ceres und Tellus zu sehen. Dass neueste Forschungen hier gar eine Tempelanlage vermuten, ist aus dieser Sicht also gar nicht so abwegig.

Darstellung der Zahl 29 , aus http://www.decemsys.de

Bilder.Wikipedia / Das Limestor wurde in sechs Ausbauphasen errichtet (1995).. Foto Mediatus (H.J. / Tetraktys als gleichseitiges Dreieck – geometrische Repräsentation der vierten Dreieckszahl., User:Jossifresco – Hemenway, Priya – Divine Proportion pp.63, Sterling Publishing, ISBN 1-4027-3522-7 / Ansicht von Südosten (2009), Foto Haselburg-müller / Simulation, Google Earth, Stellarium, Sunearthtools