Badenweiler und Dianae Abnoba

Rekonstruktion der Thermen, Foto –Xocolatl

Der Philosoph und Mathematiker Thales von Milet hielt Wasser für den unvergänglichen Urgrund des Seienden. Auch Platon beschäftige sich in seinem Spätwerk Timaios mit dem Wesens des Wasser. Im Dialog mit anderen Gelehrten spricht dort der Philosoph Timaios von Lokroi in ganz ähnlicher Weise über das Wasser. Er sieht in ihm den Stoff, worin alles entsteht und vergeht, Zugleich sieht er in ihm auch die Amme des Werdens, wie das Aufnehmende der Mutter. In dieser Vortsellungswelt wurden im Wasser auch jene tellurischen Heilkräfte gesehen, die einer Erd- oder Muttergöttin zugesprochen wurden. Deshalb standen Wasserquellen in der Antike stets unter dem Schutz von Gottheiten. In Badenweiler deutet ein im Jahr 1784, bei Grabungen gefundener Weih- ealtar daraufhin, dass hier Dianae Abnoba, die Muttergöttin der Kelten verehrt wurde. Sie stand gemäß den Schriften von Tacitus auch für die Landschaft des heutigen Schwarzwaldes. Etwa zehn dieser Darstellungen der Dea Abnoba sind aus Baden-Württemberg bekannt. Auch an der Brigachquelle bei St. Georgen wurde ein Bildnis der Göttin gefunden, auf dem sie zusammen mit enem Hasen, dem Symbol für Fruchtbar- keit, dargestellt ist.

Stein mit Weiheinschrift — Foto Xocolatl 20:29

Wie der Hase ein Attribut der Göttin Diana war, so lässt auch die römische Bezeichnung Dianae Abnobae darauf schließen dass sie wohl eine ähnliche Rolle wie sie spielte. Die Göttin wird gleich von zwei römischen Schriftstellern, auch im Zusammenhang mit dem Gebiet des Schwarzwaldes erwähnt. So schreibt Plinius der Ältere im Jahr 77 n. Chr. In seiner Schrift Naturalis historia über sie, als er über den oberen Verlauf der Donau be- richtet: `Von da kommen wir zu den Mündern des Hister. An diesem Ort in Germanien ist der Ursprung von den Bergrücken des Mons Abnobae, gegenüber von Rauricum, einer gallischen Stadt, und er verläuft über viele Meilen und durch unzählige Völkerschaften jenseits der Alpen unter dem Namen der Donau.´ Ebenso berichtet der römische Polit- iker und Schriftsteller Tacitus in seinem auf das Jahr 98 n. Chr. datierten Werk Germ- ania über die im Norden verehrte Göttin. Über die Etymologie ihres Namens gibt es mehrere Theorien. Über sie beichtet Helmut Horn in seiner 2014 entstandenen Studie über die Göttin Abnoba. Auf Grund des zahlreicher Beispiele von Flurnamen sieht er eine Möglichkeit der Namensentstehung in Verbindung mit dem protoketischen Wort `ab für Fluß und nobh für Nebel´. Für das oftmals regnerische Wetter des Schwarzwaldes wäre dies also eine durchaus zutreffenden Charakterisierung. Da die Weihetafeln in Badenweiler auch auf eine ähnliche Rolle der Abnoba wie der, der römischen Magna Mater schließen lassen, bietet sich noch eine weitere Erklärung an. So könnte der Name auch aus einer leicht abgewandelten Kombination der beiden lateinischen Worte `ab´, von und `nobilis´,vomn uns, entstanden sein. Damit hätte sie aus Sicht der Römer ganz den Vorstellungen der großen, von Rom , adaptierten phrygischen Göttin Magna Mater entsprochen.

Kybele um 50 n. Chr. Gettymuseum,Foto Marshall Astor

Die römische Therme in Badenweiler,gilt mit zu den ältesten römischen Bauwerken in Baden-Württemberg. Sie entstand ab dem 1.Jhd. in mehreren einzelnen Bauabschnit- ten. Die Reste ihrer umfangreichen Anlagen sind heute unter einem großen Glasdach zu sehen sind. Die Um ausgeprägte Badekultur endete hier um 260 mit dem Rückzug der Römer hinter die Rheingrenze. Erst im 18. Jhd wurden die Ruinen wieder Gegen- stand des Interesses, als Markgraf Karl Friedrich von Baden sie ausgraben ließ. Auch bei Thermen, so zeigt das Beispiel, war die Ausrichtung und damit die Verbindung zur Mythologie von großer Bedeutung. Dies erklärt hier auch die leichte Drehung des Ge- bäudes aus der Ostwestachse, hin zum Sonnenaufgang am 11. April. Dieses Datum markierte das Ende der ludi megalneses, wobei dann die Gegenrichtung auf den Son- nenuntergang am 4. April zielte, dem Beginn der Feiern. Betrachtet man an dieser Stelle den römischen Kalender, so schient er eine gewisse Beliebigkeit aufzuweisen, denn kaum ein Feiertag steht in Einklang mit einer idealen 8-teiligen Jahresteilung. Doch ein Vergleich mit dem pytagoreischen Modell der Tetraktys offenbart jedoch eine Abstim- mung von Zeit und Zahlensymbolik. So fällt der Beginn der Magna Mater Feier auf den 4. April und damit auf den 93. Tag des Jahres. Die Zahl stellt ein Produkt aus 3×31 dar und innerhalb des erwähnten Modells s verkörpert die 31 die vollkommene Verbindung aus Hexagon, dem Symbol der Vollkommenheit und dem Dreieck der Tetraktys. Aus das Ende der Feiern nach 7 Tagen führt wieder auf das Hexagon mit 6 äußeren und dem inneren,dem 7.Punkt zurück

Ausrichtung der Therme auf die Feiertage der Magna Mater(Kybele)

Bilder: Wikipedia / Rekonstruktion der Thermen, Foto –Xocolatl / Stein mit Weiheinschrift –Xocolatl 20:29./ Kybele um 50 n. Chr. Gettymuseum,Foto Marshall Astor. Simmulation/ suneartools,opentopmap

Römisches Weißenburg Teil 3 – die großen Thermen (Bauphase III) — Archäologie verstehen

Zitat

Um ca. 180 n. Chr. wurden die Weißenburger Thermen größer und luxuriöser wiederaufgebaut. Die neue Anlage war 65 x 42,5 Meter groß. Der neugestaltete Eingangsbereich verzichtete auf eine Säulenhalle. Stattdessen betrat man die Anlage jetzt durch eine 320 m² Sporthalle. Dahinter lag ein großer Umkleidebereich, von dem ein abgetrennter Bereich an der Westwand auch beheizbar […]

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