Tuttlingen und das Mondtor der Donau

Honberg um 1900

War es ein alamannischer Stammesfürst, oder doch eine Sage mit gewichtigem Hinter- grund die zum Name der Stadt Tuttlingen führte. Eine Herleitung des Stadtnamens die häufig auch in anderen Städten anzutreffen ist, ist die konstruierte Verbindung mit einem Stammesfürsten. Auch der Name der Stadt Tuttlingens wird gerne auf einen Tuto zurückgeführt, einen historisch nicht belegten alamannischen Stammesfürst. Eine and- ere Erklärung bietet die Sage von der Dttfee aus dem nahen Duttental. Gundula Tatschner, aber Georg Rohrecker haben dazu einiges zusammengetragen. Rohracker ging den alten Erzählungen nach und erwähnte die Sage in seinem Sagenbuch. Im Duttental, das nach einhelliger Auffassung nicht geheuer war und das sich in süd- westlicher Richtung von Tuttlingen aus erstreckt, soll sich eines Tages ein Zug voller Gläubigen vor einer pferdehütenden Jungfrau in Luft aufgelöst haben. Auch im nahen Heiligental soll es einst drei Zauberinnen gegeben haben, deren Schimmel auf einer Weide grasten. An sie wandten sich die Bewohner Tuttlingens bei Seuchen, Sorgen und Krankheiten. Die drei verstanden etwas von Hexerei, genauso wie sie der Tier- sprache mächtig waren. Eine Erklärung für den Namen findet sich im Alemannischen wie im Hochdeutschen, wo der Dutt als das Flechten eines Zopfes zu einem kreisgförmigen Nest bedeutet.

Die Technik eines gewickelten und gezwirnten Haarknotens, Foto, CMoi

Sie gleicht dann auch der Scheibe des Mondes hat weshalb der Dutt in Italien auch als Sinnbild des Mondes gilt. Beides, der Mond und die Fee verbinden sich dann auf ideale Weise. Mit dem Dutt als Bild des Mondes hat die Duttfee in Tuttlingen aber noch eine Berechtigung. So muss der Mond einst für den Ort eine besondere Bedeutung be- sessen gaben, denn die Donau ließt hier durch ein Tor dessen Ausrichtung durch die große Mondwende bestimmt ist, Dieses Tor wird durch die nordwestlich gelegen Eichhalde den südöstlich gelegen Honberg bestimmt, auf dem Graf Eberhardt im Barte 1460 eine der größten Landesfestungen errichten ließ. Neben der Ausrichtung dieses Tores scheint auch die Entfernung der beiden Bergsporne einst von besonderer Bedeutung gewesen zu sein. So beträgt die Entfernung von den beiden Bergspornen ca. 1,9 km und diese Strecke entspricht dann ziemlich genau 4000 Salamiselllen mit je 0,483m.

Das Mondtor in Tuttlingen, die Ausrichtung des Honberges

Diese Längeneinheit gehört zu den ältesten nachgewiesenen Längenmaßen. An der Donau wurde es bereits bei den Hausgrundrissen von Lepenski Vir identifiziert, einer der bekanntesten Siedlung en der Donaulkultur aus dem 7. Jhts. v. Chr. In früheren Zeiten scheint noch eine wesentlich größere Bedeutung genossen zu haben als die Sonne. Zahlreiche Bauwerke, wie Menhirreihen in Frankreich oder die Steinsetzungen in Callanish auf der Hebrinden-insel Isle of Lewis, wurden einst nach Mondwenden aus- gerichtet.

Callanish 1, Foto Chmee2

Wissenschaftler nehme heute an, dass diese Ausrichtung aber eine vorwiegend kult- ische Bedeutung besaß und so die beherrschende Rolle des Monde gewürdigt wurde. Da seine Bahn etwas höher als die der Sonne verläuft und auch sein Pendelbogen größer ist, könnten dies Anhaltspunkte sein, für seine früher dominierende Stellung in einem Götterpantheon. Der Mond und seine Bedeutung führt nun zu einer weiteren Sage, die Sage des Tuttlinger Kistenmännles. Laut der Erzählung hat es einst auf dem Honberg sein Unwesen getrieben. Zu seinen Lebzeiten galt das Kistenmännle als geldgieriger Vogt, der für seine Herrschaft eine gewaltige Steuerlast verlangte. All seine Schätze sammelte er einer Truhe, die er auf dem Honberg versteckte. In die soll er eines Tages hineingefallen und elend verhungert sein.Das von Ludwig Bechstein im 19.Jhd. verfasste Märchen `vom Mann im Monde´, macht die bildhafte Symbolik der Mondkrater wieder populär. Das Bild der Mondkrater wird in allen Kulturen unterschiedlich gedeutet. In der christlichen Deutung wurde es gemäß dem 4. Buch Mose, als ein zur Strafe auf den Mond versetzter Mann mit einem Reisigbündel gedeutet.(4 Mos 15,32-36).

Mögliche Interpretationen des Mondgesichts, Grafik: D.Helbe

In Chinas Sagenwelt jedoch gab es die Erzählung vom Hasen im Mond. Viel realer und zugleich umstritten ist das Mondholz, dass früher um Bau von Fachwerkhäusern benutzt wurde. So ändert sich der Feuchtegehalt des Holzes während der Mondphasen beträchtlich und deshalb hat bei abnehmenden Mond geschlagenes Holz ein höhere Festigkeit, wie eine Studie der ETH Zürich nahelegt. Auf Grund dieser Eigenschaften wurden deshalb früher auch Truhen und Kisten aus diesem Holz hergestellt. Damit verbindet die Sage gleich mehrere Epochen. Eine zeitnahe ,in der das Wesen des Holzes noch anders gesehen wurde und eine weit zurück-liegende, in der der Mond noch über die Menschen herrschte. Dass auch der Graf sich der alten Mond- und Sonnensymbolik bediente, zeigt die Ausrichtung der Fest- ung auf dem Honberg. So war die Hauptburg im Julianischen Kalender. sinnfällig zum Beginn der Herrschaft, auf den Sonnenuntergang am 1. Januar und damit zu- gleich das 1. Marienfest ausgerichtet, während in Gegenichtung der Sonnen- auf- gang am Johannitag zu sehen war, ein im Bauernleben und Brauchtum ehedem wichtiger Tag.

Festung auf dem Honberg

Bilder: Wikipedia / Die Technik eines gewickelten und gezwirnten Haarknotens, Foto, CMoi , CC BY-SA 3.0 / Callanish 1, Foto Chmee2 / Mögliche Interpretationen des Mondgesichts, darunter Mann/Frau mit Brennholz (ganz oben), der Mondhase (zweiter von oben) und die Frau im Mond (ganz unten)…D.Helbe / Plan Honberg, Burgenwelt / Simulation opentopomap, . Heinrichs Kalenderumrechner