Die Jungfrau und ihr Mädlesfels

Der Mädlesfels, Sonnenuntergang über Eningen und Pfullingen, Fotot Dariusbenfoto

Mädlesfels, Talsicht, Foto: Klaus Hermann

Metlinstein wird der spätere Mädlesfels erstmals im Jahr 1521 in einer Urkunde erwähnt. Zum Mädlesfels wird er durch die Sage von einem Nachtfräulein, einer Jung- frau , die auf dem Fels mit Nadeln einen Schal strickte. Doch die Ruhe auf dem Fels wurde durch heftiges Hundegebell durchbrochen, Voller Angst erblickte das Nachtfräulein einen Jäger auf einem Pferd mit einer bellenden Hundemeute auf sich zustürmen. Um sich zu retten sprang sie vom Fels und als der Jäger ebenfalls zum Sprung über das Tal ansetzte erreichte stürzte er durch das beherzte Eingreifen der Urschel und wurde samt dem Pferd am Fels zerschmettert. Auf wundersame Weise wurde aber das Nachfräulein gerettet und entschwand.

Urschels Gesicht, Pfullinger Sagenweg

Der Fels ist tatsächlich ein besonders geformter Ort. Nicht nur die beiden Risalite lassen ihn symmetrisch erscheinen, auch seine Ausrichtung weist exakt auf den Sonnenunter- gang zur Sommersonnenwende. Wie wie an anderen Orten, so führen auch hier astro-nomische Sichtungen zum Motiv der alten Sage. So ist das Bild des einsamen Mädchens noch im alten Brauchtum der Sommersonnenwende erkennbar. Sie war einst auch ein wichtiger Orakeltag für noch Unverheiratete. Ein geflochtener Kranz rückwärts in einen Baum geworfen, sollte einer Jungfrau zeigen, wie viele Jahre sie noch unverheiratet blieb. Auch das Motiv des Sprunges führt zum alten Brauchtum, denn am wenig später folgenden Johannitag wurden die Johannifeuer entzündet und ein Sprung durch solch ein Feuer sollte das ganze Jahr vor Schmerzen bewahren. All dies erklärt aber noch nicht den wilden Jäger au dem Pferd und die ihn begleitenden bellenden Hunde, die vom Übersberg kommend, dem Nachtfräulein den Weg versperrten. Für dieses wilde Schauspiel bietet nun der Himmel eine plausible Erklärung, die die Sage vom Mädlesfels mit dem weitaus bekanntere Epos aus Sumer verbindet, dem Gilga-mesch-Epos. Nach der Weihnachtszeit, also der Zeit der Rauhnächte, zog im früheren Volksglauben ein wildes Heer mit Hexen , Zaubern und einem Jäger über das Land. Eine Menge Ratschläge gab es zu diese Zeit, um sich vor diesem Heer zu schützen. Betrachtet man nun den Himmel zur Zeit der Sagenentstehung, so tauchte der wilde himmlische Jäger vom Mädlesfels aus betrachtet, genau dort auf, wo es die Sage schildert: über dem Übersberg stieg er um die Weihnachtszeit, kurz nach Sonnenunter-gang mit seinem Gefolge auf. Zwei Hunde und das Einhorn begleiten ihn dabei. Genau dort war wenige Stunden zuvor noch das Sternbild der Jungfrau zu sehen. Der wilde Jäger, der sich bereits im Sumerischen Epos in die Himmelskönigin Ischtar verliebt hatte, begann in der nun anbrechenden Nacht auch die Jungfrau wieder zu verfolgen. Die Nacht bot dazu ja beste Voraussetzungen und so war es unabdingbar, dass die Urschel als guter Geist hier eingreifen, musste um die Jungfrau vor ihrem Verfolger zu schützen. In wenigen Stunden sollte die Jungfrau ja in Gestalt des Sternbildes wieder über dem Horizont aufsteigen.

Mädelsfelsen, Sommesinnenwende und der `wilde Jäger´Oron

Vor dem Hintergrund der Sternkonstellation gewinnt die fantastisch anmutende Er- zählung durchaus realistische Züge und zeigt gleichzeitig, wie variantenreich das sumerische Epos vom himmlischen Jäger, der einer Jungfrau nachstellt, in der Folgezeit abgewandelt wurde. Wenngleich das Schauspiel mit der Jungfrau und dem Jäger den Name Mädlesfels nahelegt, weist doch der ursprüngliche Name in eine ganz andere Richtung.So deutet der erste Teil des ursprünglichen Namens Met noch auf das mittelhochdeutsche Wort mēte, das wie die lateinische Entsprechung mētīrī, messen oder auch abmessen bedeutet. Um mit der Beobachtung der Sonnenwenden das Jahr zu vermessen, ist der darauf ausgerichtet Fels ja geradezu ideal. Für jemand der im bäuerlichen Kalender aber andere Daten benötigte, sind zwei Punkte im Tal von Bedeutung. So sieht man vom Hakenbühl aus den Sonnenaufgang am 15. Februar, dem Tag an dem heute noch das Pflugverbot auf dem Feld endet. Doch der viel wichtigere Tag, an dem einst das Bauernjahr begann, ist an der Mündung von Arbach und Fallbach zu sehen. Dort wo sich an Mariä Lichtmess Sonne und Wasser verbinden, ist dann der Sonnenaufgang über dem Fels zu sehen. Insofern bot der Fels für unterschiedliche Zwecke jeweils einen geschickten Visierpunkt um die Zeit zu messen. Das Wissen darüber ging längst verloren und nur in der schaurigen Sage ist dieses Geheimnis noch zu erkennen.

Bilder: Wikipedia/ Der Mädlesfels wie er im Sonnenuntergang über Eningen und Pfullingen wacht Dariusbenfoto , Wikipedia Commons, 4.0 international“ / Mädlesfels Talsicht,www.morgenspatziergang.wordpress.com / Klaus Hermann/ Simmulation, stellarium suneathtools, googlemap